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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-18 · Heft 3 (18.1.1881) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 3 (18.1.1881)
Date
1881-01-18
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 durch die geheiligten Bande der Dankbarkeit und Zuneigung; thätig, arbeitsam, den edlen Arbeiten der Künste obliegend, die seinem alten Ruhme entsprechen, die Wissenschaften pflegend, den Unterricht immer mehr entwickelnd, diesen mächtigen Verbündeten der Religion; mit einer gleichen Sorgsamkeit aus das materielle Wohlbefinden der Nation bedacht wie aus ihre sittliche Vervollkommnung; mit einer ausrichtigen Liebe sür Ordnung und Gesetz ihren traditionellen Cultus sür die Freiheit verbindend; die Rechte und Glaubensmeinungen eines Jeden achtend, aber von Allen verlangend, vereint zu bleiben auf dem Boden, aus dem alle Meinungen sich nähern, alle Herzen sich verstehen können, auf dem Boden der Vaterlandsliebe. Dies, Sire, ist es, was der belgischen Judenheit von der ersten Stunde an ihren Platz angewiesen hat; auf diesem hält es seit einem halben Jahrhundert getreulich fest an seinen Pflichten als Bürger". Wir hoffen, daß der Moniteur und unsre Journale die Rede des Großrabbiners von Belgien vor die Augen der Deutschen bringen werden, aber wir hoffen nicht, daß sie die fanatischen Protestanten jenseits des Rheines zur Duldsamkeit und zur Gerechtigkeit zurücksühren werden. Wir haben in der Berliner Presse die Berichte über die Versammlungen gegen die Israeliten gelesen. Das unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was man gegen die Regierung, die liberalen Institutionen und die moderne Gesellschaft in den Katholikenversammlungen hört. Das ist derselbe Geist, traurig für ruhige und vernünftige Geister, die bedenken werden, daß, wenn man in unsrer Zeit eine Rückkehr der religiösen Verfolgung erwarten müßte, dies doch sicherlich nicht von einem Volke ausgehen dürfte, welches durch den Protestantismus eine Charte der Intelligenz und der Befteiung errichtet hat." „Welches Dementi giebt sich Deutschland durch diese antisemitische Bewegung, diese wahrhafte Beleidigung der menschlichen Vernunft, und welche tiefe Demüthigung für die Denker dieses Landes, sür seine Philosophen, seine Gelehrten, seine Weisen, die ohne Zweifel der Welt zu beweisen träumten, daß Deutschland noch andere Mittel der Hegemonie beanspruche als die brutale Kraft, wenn auch geregell und geübt durch eine eiserne Disciplin." „In diesem Kreuzzug gegen den seit so vielen Jahrhunderten durch den Katholicismus verfolgten Stamm erkennt man Deutschland nicht wieder. Es verwirrt dadurch seine Anhänger und entfremdet sich durch den unerklärlichen Ausbruch eines mit Neid gemischten Fanatismus alle gutgesinnten Männer, alle aufrichtigen Freunde der Freiheit und des Rechts. Deutschland, welches es so nöchig hatte, sich geliebt zu sehen, das ein ruhiger unparteiischer Schiedsrichter sein und eine neue Politik inauguriren müßte, dieses Deutschland wirft sich in die Vergangenheit zurück und wird verfolgungssüchtig. Man glaubte, daß es das Licht überall hilltragen lvürde, und es löscht dasselbe aus. Bon Spanien holt es sich seine Entwürfe und wie dieses die Mauren verjagt hat, denkt es daran, die Israeliten zu vertreiben". - Interessant ist, was das Reuterssche Büreau aus New Zork vom 29. Tecember telegraphirt und wir dem Londoner ,Daily Telegraph*• vom 30. Dec. entnehmen. „New-Aork, 29. December. Die Presse und die Geistlichkeit fahren fort, die antijüdische Agitation in Deutschland in den härtesten Ausdrücken zu tadeln. Hervorragende Geistliche der baptistischen, congregationalistischen und unitarischen Seelen haben sich in dem Proteste vereinigt. Unter den bedeutenden Predigern, welche den Gegenstand am letzten Sonntag behandelten, war Rev. Henry Ward Beecher. dessen Bemerkungen von den leitenden Zeitungen abgedruckt, und denen die folgenden Stellen entnommen sind: „America hat besondere Gründe, sich den gegenwärtigen Remonstrationen anzuschließen, da wir den Juden tiefer verpflichtet find als alle übrigen Nattonen der Welt zusammen. Wir hatten gehofft, daß solche Verfolgungen vorüber wären, und wir meinten, daß von den Nattonen Europas das fortschreitende Deutschland die letzte sein würde, solcher Ungerechtigkeit Vorschub zu leisten. Denn daß die Deutschen laut bekennen, sie fürchteten die Juden als überlegen, zeigt Schwäche und ruft Ueberraschung hervor. Wenn das in America wahr wäre, würde mein Stolz es mich niemals sagen lassen. Wenn in diesem Lande der Jude auf offenem Felde und ohne Begünstigung den Christen überwindet, laßt es ihn thnn, aber das Eingeständniß von Seiten eines stolzen Volkes, wie die Deuffchen, ist erniedrigend. Wenn die Inden, welche den deutschen Gesetzen gehorchen und keinen Vorsprung vor ihren deutschen Mitbürgern haben, besser arbetten als diese, ist es Gottes Befehl an die Deutschen, sich aufzuraffen und besser zu arbeiten. Die in Deutschland circulirende Petttton gegen die Juden ist, in welchem Licht wir sie auch immer bettachten, erbärmlich. Sie ist eine Schande sür eine Natton, welche wir für groß achten. Die Welt ist zu weit vorgeschritten für eine solche Verfolgung, als daß diese eine längere Zeit dauern könne, und keine Nation kann ungesttaft das Verbrechen begehen, welches die Deutschen auf sich laden werden, wenn sie dieselbe fortsetzen. Ich rathe dazu, daß eine respectvolle Vorstellung an den Fürsten Bismarck ausgezeichnet unv von den Mitgliedern der Kirche und der bürgerlichen Gesellschaft unterschrieben werde, und ich würde jedem Mann in Deutschland sagen: „Steht fest für die Freiheit; behandelt die Juden, wie ihr die Landsleute dessen behandeln wolltet, in welchem chr hofft und von welchem ihr Heil ermattet." — Wir haben also hier die Aeußerungen chttstlicher Geistlichen vor uns, von denen Herr v. Treitschke gewiß nicht

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