Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1881)
- Date
- 1881-01-11
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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28 lich vor einigen Tagen der Vorstand der israelitischen Gemeinde, Herr Bernhard Blauz, ein allgemein geachteter Mann, gestorben, und die Gemeinde beschloß, dem Verstorbenen ein würdiges Begräbniß zu bereiten.- Allein weder der Rabbiner von Szegedin, noch der von H. M.-Büsarhely, konnten der diesbezüglichen Einladung Folge leisten, und so hätte denn das Leichenbegangniß ohne „geistliche Assistenz" stattsinden müssen. Da erschien der evangelische Geistliche des Ortes, Herr Harsanyi, bei dem Begräbnisse und hielt über der Bahre des Verstorbenen eine so ergreifende Rede, daß die ganze Versammlung zu Thränen gerührt war. — Nach einer Erklärung des früheren Redacteurs der „Grenzboten", vr. Blum, in der „Magdeb. Z.", leitet vr. Moritz Busch den politischen Theil der „Grenzboten" und bezieht ein bedeutendes Gehalt aus der Dispofitionskasse des Reichskanzlers. Hieraus ergiebt sich die Bedeutung der früheren und die Wichtigkeit des letzten Artikels der „Grenzboten", den wir besonders im Leitartikel No. 51 gewürdigt haben, betreffs der Agitation der Antisemiten; Artikel, welche im Anfang des Jahres 1880 so feindselig gegen die Juden gerichtet waren und zur Förderung der Antisemiten so viel beigetragen haben, zuletzt aber Stöcker und Treitschke über Bord warfen und die Antisemiten als Werkzeuge der reactionären Parteien und als Gegner des Reichskanzlers bezeichneten'. Bonn, 26. Dec. (Literarische Notizen). Es ist einleuchtend, daß gerade aus Leipzig, gegenwärtig eine Brutstätte des Antisemitismus, jede judenfreundliche Kundgebung interessirt. Als solche notiren wir: Zeit- und Culturbilder II. Antisemitische Wühlereien und Raufereien in Pleiß-Athen. Ein Beitrag zur Culturgeschichte unserer Zeit von vr. Carl Binder. Leipzig 1881. In dem Heftchen werden einige der jüngsten Vorgänge in Leipzig, namentlich aus studentischen Kreisen, z. B. auch die Entfernung der „A. Z. d. Jud." aus der akademischen Lesehalle, weil sie dem „christlichen Bewußtsein" der Herren Studiosi widerspräche, beleuchtet. — Aus Berlin wird jetzt von einem H. Harweck-Waldstadt > die „Rede eines Meisters vom Stuhl bei der- -Aufnahme eines I Juden in die Freimaurerloge" verbreitet. Die Rede feiert | den Gottglauben und die Nächstenliebe ohne alle Berücksichtii gung der Confession als die Grundprincipien der Freimaurerei, i — Auch eines, in Separatabdruck verbreiteten Artikels des „Pforzheimer Tageblattes", verfaßt von Moritz Müller j Senior, wollen wir hier erwähnen. Er trägt die Ueberschrist:! „Die Judenfrage" und zeichnet sich durch seinen Freimuth und durch Derbheit des Ausdruckes aus. Aus dem Leben geschöpft, stützt er sich zugleich auf die bekannten Reden Ma-! caulay's, die er seinen Landsleuten zum Nachlesen dringend j empsiehlt. Jeuilleton. AmatUS Lusitanus (1511 1568). der berühmte Arzt und Freund der Königin Maria von Me- Bon Hrnft Aadid. Schluß. Amatus widmete seine VII. Centurie dem gelehrten und edelmüthigen Gedalja Hachia ben Mose ans Salonichi, einem jüdischen Dichter und Prediger, dem Schwiegersöhne von Salomon Senior, dessen Frau er behandelte, wie er uns in der Cur. I dieser Centurie mittheilt. Die Widmung ist vom August 1561 datirt.') Alles läßt annehmen, daß Amatus als Junggeselle lebte und starb, denn in keiner seiner Schriften ist die Rede von einer Frau, die er geheirathet hätte, oder von Kindern, die er hinterlassen. Bon seiner ganzen Familie erwähnt er nur seinen Bruder Joseph 'Amatus.?) Jndeß, wenn man dem berühmten portugiesischen Bibliographen, Barbosa Machado?) Glauben schenkt, so hätte Amatus einen jüngeren Bruder gehabt. der kein Anderer als Felix (Elias) Montalto gewesen, 1) Centuria septiuia. Sapientia et genere claro D. Guedeliae Yachise Amatus Lusitanus medicus, etc. Thessalonicte, mense i Augusto, anno a mundo creato 5321, secundum vero computum llomanum, 1561. i 21 Bergt. Cent IV; Cur 49. Josephus Amatus, frater meus, i vir biliosus. cum de oculi. dolore, etc. 3) Bibliotheca Lusitana. II. 75. dicis, der in Tours am 16. Februar 1616 gestorben. Die medicinische Wissenschaft wäre also traditionell in dieser Familie gewesen. Trotz seiner Unparteilichkeit in Glaubenssachen, trotz seiner geleisteten Dienste konnte das Werk des Amatus, weil es von einem Juden kam, der Strenge der geistlichen, oder vielmehr der inquisitorischen Censur nicht entgehen. Es wurde 1584 auf den Index gesetzt, in der Rubrik der zu vernichtenden Schriften.'') Die Werke, die er hinterlassen hat, sind folgende-'): 1. Curationum medieinalmm Centuriae septem, mehrere Male herausgegeben. 2. Commentatio de introitu medici agrod aetantem; 6. De crisi et diebus decretariis. Venedig, 1577, in 8". Diese beiden letzten Werke, die zuerst separat erschienen waren, sind später zusammen Centurie« medicales herausgegeben , wie aus der Lyoner Ausgabe von 1580 zu ersehen ist. 4. In Dioseoridis Anazarbei, de materia, medica libri V. 4) Bergl. Mem. de Lit. Port. III. 24. — Aussi Kayserling, Geschichte der Juden etc., 274. Anmerk. 5) Bergl. Carrnol)-, Histoire des medecins juits, 1844.