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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-11 · Heft 2 (11.1.1881) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 2 (11.1.1881)
Date
1881-01-11
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 verachte, verurtheile ich dieses gehässige, nicht nur von einer kleri kalen, sondern auch politischen Partei ausgehendes Treiben." Donnerndes nicht enden wollendes Bravo. Ja pH et. Oesterreich-Ungarn. Pest, 27. December. (Privatmitth.) Der wackeren Präsidentin des hiesigen israelitischen Fauenvercins, Frau Johanna Bischitz, verdankt die Stadt Pest eine großherzige Stiftung des bekannten Philanthropen Baron Hirsch. Als Frcku Bischitz vorigen Sommer mit dem Herrn Baron in Karlsbad zusammentraf, lenkte sie gelegentlich einer Unterredung mit demselben seine Aufmerksamkeit auf das vielerlei in Pest zu lindernde Elend. Die Discussion, welche sich hierauf entspann, endigte damit, daß Baron Hirsch sich bereit erklärte, ein Institut für Vater- oder mutterlose Kinder in Budapest, und zwar mit interconfessionellem Charakter, zu gründen. Für die Mädchen, welche in das Institut kommen, soll alljährlich eine Summe von 100 fl. zur Capitalisirung fortgelegt werden, so daß jedes Mädchen, das nach dem sechzehnten Lebensjahre aus dem Institut austritt, ein Capital von ungefähr 1200 fl., sei es zur Berheirathung, sei es zum Beginn irgend einer Unternehmung in die Hände bekäme. Es sollen im Ganzen sechzig Stiftungsplätze gegründet werden, und zwar so, daß, wenngleich zwanzig derselben römischkatholisch, zwanzig protestantisch und zwanzig jüdisch sein sollen, dennoch in dem Institute keinerlei confessionelle Abgrenzung stattfinden dürfe. Den Bau des Instituts will Baron Hirsch bezahlen, in der Voraussetzung, daß die Stadt Budapest zum Mindesten das Grundstück für die Anstalt unentgeltlich überlaffen werde. Diesem Institute soll alljährlich durch Baron Hirsch, respective deffen Erben, eine solche Summe zugeführt werden, daß sie für die Beköstigung der Zöglinge ausreiche und daß die erwähnten hundert Gulden für jedes Mädchen alljährlich zurückgelegt werden können. Alles dies zusammengenommen, das Baargeld und die Capitalifirung der jährlichen Rente beträgt ungefähr eine halbe Million Gulden. Der Plan des zu erbauenden monumentalen Gebäudes ist dem Herrn Baron bereits vorgelegt und wird sich zur endgültigen Ordnung dieser Angelegenheit der Secretär des israelitischen Frauenvereins in den nächsten Tagen nach Paris begeben. Großbritannien. seines Judenhasses hat er dennoch zum Unterrichtsminister Herrn Mundella ernannt'), der ein geschickter parlamentarischer Debater — übrigens ein Jude ist. Der Landes-Oberrichtcr der Civilproceffe (the xnaster of the rolls), dessen Stellung unabsetzbar und welcher den Veränderungen im Cabinet nicht unterworfen ist, der berühmte Jurist Jesscl, gehört ebenfalls dem Judenthum an. Dessen Vater war ein eingewanderter polnischer Jude, ungebildet wie nur möglich, der aber seinen Söhnen eine gute Erziehung angedeihen ließ. Der Minister John Bright nun gab seinem Judenhaß da durch Ausdruck, daß er seine reizende Tochter dem in Ungarn (Kaschau) gebürtigen Sohne eines jüdischen Doctors zur Frau gab. Und noch ein Beispiel. Bei den vorjährigen österreichischungarischen Manövern und Heuer bei der Feststellung der türkisch russischen Grenzen in Kleinafien ließ sich die englische Regierung unter Anderen durch einen jungen Generalstabs-Ofsicier vertreten. Deffen Name ist Leverson, und daß auch dieser ein Jude ist, kann man bei seinem ehemaligen Lehrer erfragen, der niemand Anderer ist, als Bischof Hyacinth Ronay. Bulgarien. Sofia, im Dec. Der Fürst Alexander zeigt sich gegen die jüdischen Staatsangehörigen gerecht und wohlwollend. Dem Oberrabbiner ist eine Gehaltszulage von Staatsseiten bewilligt, und eine Summe von 3s00 frcs. bestimmt worden, um einen Lehrer der bulgarischen Sprache an der jüdischen Schule anzustellen. Sofia, im Nov. (Monatsber. der All. univ. isr.) Eine ziemlich unerwartete administrative Maßregel hat unter den bulgarischen Israeliten Beunruhigung erweckr: der Wochenmarkt, der in Samaeoff, Sofia, Kustendil, Tubnitza und anderen Orten bisher am Dienstag stattgefunden, ist plötzlich auf Samstag verlegt worden, an lvelchem die Israeliten ihn natürlich nicht benutzen können. Mehrere Petitionen sind dieserhalb schon an Se. Hoheit den Fürsten und an die Minister gerichtet worden: man hofft auf Erfolg bei dein Zusammentritt der Kammer, deren Mitwirkung zur Zurück ziehung dieser Maßregel nothwendig zu sein scheint; der Präsident derselben, das Ministerium und die Stadträthc von Sofia haben übrigens versprochen, jene Anordnung rückgängig machen zu lasten, welche ebenso den Jntereffen der Landleule, als denen der Israeliten ungünstig ist. London, im Dec. Einer Londoner Correspondenz ent- Bonn, 26. Dec. (Notizen.) Ter Präsident des nimmt die »Wiener Allg. Zeitung" folgende Angaben, die Vereins amerikanischer israelitischer Gemeinden, Herr Mever man jedoch, die Stellung Sir George Geffels ausgenommen, S. Jsaacs, ist zum Mitglied des Marine-Gerichtshofes erins Gebiet der Erfindungen zu verweisen gut thun wird: nannt worden. Richter Jsaacs, in New-Pork 1641 geboren, »Gladstone ist kein Freund der Juden und kann es ist einer der angesehensten dortigen Rechtsconsulenten. — besonders den österreichischen und ungarischen Juden nicht ver- Es wird aus Oroshäza (Ungarn) gemeldet: Dort war nämzeihen, daß sie während des letzten Krieges zu Gunsten der ~ Bekanntlich ist Lord Spencer Unterrichtsminister, so weit Türken demonstrirten. Deshalb ist er sehr bös. Aber trotz man in England einen solchen überhaupt kennt.

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