Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1881)
- Date
- 1881-01-11
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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29 5. Enarrationes eruditissimae. Venedig, 1553, in 8". Der gelehrte Rappaportb) hat das Jahr 1562 als das Todesjahr von Amatus angegeben; aber er hat die Quelle nicht bemerkt, aus der er diese Angabe geschöpft. Dieses Datum ist irrig, denn Barbosa Machoda. der gut unterrichtet war, sagt ganz bestimmt^), daß Amatus Lusitanus am 21. Januar 1568 in Salonichi an der Pest gestorben sei, und daß er von seinem Freunde, dem Neuchristen Flavio Jacobo d'Evora^) beweint und in lateinischen Versen besungen worden. „Dieser Mann", sagt der Dichter, „der so oft in den kranken Körpern das Leben, das schon entfliehen wollte, zurückgerufen und der deshalb von Königen und Völkern so sehr geliebt wurde, liegt weit von seinem Baterlande, in macedonischer Erde begraben."^) Es liegt in dem Geschicke von Amatus, immer angegriffen zu werden, denn er wurde es noch lange nach seinem Tode, von einem bekannten nicht israelitischen Doctor, von Astruc^o), welcher ihn seltsamer Weise beschuldigte, sich in seinen Schriften über die Juden manchmal lustig gemacht zu haben.") Aber wenn man die Zeit und die Umstände betrachtet, in welchen Amatus seine Werke verfaßte, so wird man nicht finden, daß dieser Vorwurf sehr begründet sei. Es ist wahr, daß er seine Glaubensgenossen für abergläubig") erklärt, weil ihr eifriger Wunsch, Söhne zu erzeugen, durch den Gedanken hervorgerufen sei, daß nach ihrem Tode ihre Seelen nur durch die Gebete ihrer männlichen Kinder errettet werden könnten. Dies ist durchaus kein Spott und die Qualification von abergläubig kommt Menschen von solchen Geschmacklosigkeiten vollkommen zu, welcher Religion sie auch angehören, ohne daß dies etwas Beleidigendes für das Judenthnm habe. Er sagt auch noch^), daß im Allgemeinen die Juden zu seiner Zeit gallicht und trübsinnig seien; aber er erklärt auch die Ursache hiervon durch ihr Leben im Exil und die sehr natürliche Furcht, welche die schlechte Behandlung der Christen ihnen gegenüber ihnen einflößtc. Zu dieser moralischen Ur- 6) Bergl. Kereiu Chemed, VI, 159 Prag, 1841. 7) Bergl. Bibliot. Lusit., 1.129, 8) Bergl. Kayserling, loc. cit, 27 l. 9) Bergl. Grätz Geschichte der Juden IX. 422, 29. 10) Stfmic (I.) ein gelehrter französischer Arzt, der 1584 in Sauves bei Alais (Gard) geboren und in Paris 1766 gestorben, studirte in Montpellier und wurde Profeffor der Medicin in Toulouse (1710), dann in Montpellier, am College de France und an der medicinischen Facultät zu Paris. Der König von Polen rief ihn zu sich, indem er ihn zu seinem Leibarzt ernannte (1729); aber er blieb nur ein Jahr an diesem Hofe und kam 1730 nach Paris zurück, wo ihn Ludwig XV. zum consultirenden Arzt erwäblre. Seine hauptsächlichsten Werke find: De rnorbis venereis libri XI, Paris, 1736—1740, 1743 ins Französische übersetzt; Abhandlung über die Geschwülste 1759: über Frauenkrankheiten, 1761—1765. Er beschäftigt sich auch mit Metaphysik. 11) Bgl. Astruc, De morbis venereis, 11. 12) Bgl. Cent II: cur 18. 13) Bgl. Cent IV; cur. 42. sache fügte er noch eine gesundheitliche hinzu: die damaligen italienischen Juden nährten sich nur von getrocknetem Rindfleisch, gesalzenem Käse, gesalzenen Oliven :c. Es ist schwierig zu entscheiden, ob diese Beurtheilung Angriffe oder Berspottung der Juden und des Judenthums sei, besonders da er, nachdem er einen Aphorismus von Hippokrates citirt hat, er auch die von Maimonides rühmt. Im Ganzen war Amatus Lusitanus für das Judenthum eine sehr ehrenvolle Persönlichkeit und die Juden schulden dem Doctor Zunz Dank, daß er zuerst diesen bedeutenden Mediciner") in seinem Berichte über dos Leben und die Werke des berühmten Azaria de R.osfi erwähnte. Es ist gut, daß das Gedächtniß solcher Männer nicht verschwinde und von der Nachwelt geehrt werde. Vermischtes. Nathaniel v. Rothschild und die Versicherungs- Gesellschaft „Alliance** in London. In einem der letzten Bände seiner „Insurance Cyclopaediaerzählt Walford folgende auf die Gründung der englischen Versicherungs-Gesellschaft „Alliance** Bezug habende Aneedote von Nathaniel von Rothschild: Eines Tages im Jahre 1824 steht Mr. Nathaniel an seinem Lieblingspfeiler in der Londoner Börse — lange unter dem Namen „Rothschildpfeiler" bekannt, die Hände in den Taschen, als sein Vetter Gomperz in höchster Auftegung auf ihn zueilt. „Was ist denn los?" ruft Rothschild. Darauf erzähl! ihm der Andere in vollem Aerger, daß er sich um die Stelle eines Actuary bei einer großen Versicherungs-Gesellschaft (dem Guardian) beworben habe, daß er auch zur engeren Wahl als einer der besten Candidaten zugelaffen, schließlich aber abgewiefen worden sei, und zwar wegen seiner Religion; die Directoren hätten erklärt, sie wollten keinen Juden haben. Jetzt gerieth aber Nathaniel in Feuer: „Was", schrie er, indem er die Hände aus seinen Taschen zog und auf die Schultern seines Vetters legte, „wegen Deiner Religion wollen sie Dich nicht nehmen! Mein Gott! dann werde ich für Dich eine Gesellschaft machen, die größer sein soll, als alle die anderen Compagnien." Und ein Wort von Nathaniel war so viel werth als eine vollzogene That. Er gründete die Alliance, und 8 13 der Statuten der neuen Gesellschaft lautete: „Die Compagnie soll einen Actuary haben, und Benjamin Gomperz in Bauxhall soll der gegenwärtige Actuary und Oberbeamte der Compagnie sein." So erhielt Gomperz eine Stellung und England eine neue Versicherungs- Gesellschaft, bei der bekanntlich vorzugsweise Juden angeftellt werden, und zu deren Direcroren die ersten jüdischen Finanzgrößen Englands gehören. 14) Bgl. bereu: Chemed. V.