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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-04 · Heft 1 (4.1.1881) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 1 (4.1.1881)
Date
1881-01-04
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 die sich damit brüstet, so viel für Fortschritt und Aufklärung \ gethan zu haben — eine Bewegung um sich gegriffen, utibj sogar ansehnliche Führer gefunden hat, die der Kronprinz! angeblich für eine Schmach und Schande für Deutschland! erklärte."*) Frankreich. Paris, lü. Nov. Bei der jüngst vollbrachten Austreibung der Klostergeiftlichen haben sich auch einige Juden bemerklich gemacht, und zwar auf Seite derer, welche sich der Ausführung der Gesetze widersetztcn. Der Gaulois und Figaro sind Blätter, welche die schmählichsten Artikel gegen die Regierung brachten und jener wird von einem Israeliten dirigirt und in diesem schreibt ein Israelit. Das XIX. Siede spricht sein Erstaunen darüber aus. Es sagt unter Anderem: „Die Juden in Frankreich haben zu aller Zeit einen großen Patriotismus, einen starken Gemeinsinn und einen schönen gesetzlichen Geist bewiesen. Ich weiß, daß sie sehr erstaunt sind, wenn sie einen ihrer Glaubesgenoffen seine Hand in die der Klerikalen legen und vergeffen sehen, daß das Regime, dcffcn Rückkehr sie fordern, niemals aufgehört hat, sich gegen sie gewaltthätig zu zeigen. Hielt doch das jüdische Volk das Gesetz stets in solcher Achtung, daß es sein Geschick den Repräsentanten des Gesetzes ehrfurchtsvoll anvertraute. Glücklicherweise ist Herr A. Millaud nur eine Ausnahme unter den Männern seines Glaubens. Die „Arch. isr." dringen mit Recht darauf, daß man niemals die Juden in ihrer Gesammtheit für die Ausschreitungen und Sonderbarkeiten Einzelner, die als Juden geboren worden, solidarisch verantwortlich mache. Sie sagen: „Die legitimistischen Juden sind ebenso eine Seltenheit, wie die communistischen Juden; aber beide sind im Allgemeinen so wenig Israeliten, daß die Masse unserer Glaubensgenoffen mit ihren Meinungen nichts gemein hat. Solche Leute mit ihrem Minimum von Judenthum repräsentiren nichts als — sich selbst." — Der Oberst Eugene (Abraham Levy, Direktor des Genie's in Toulon, ist durch Dekret des Präsidenten der Republik vom 1<>. Nov. zum Grade eines Brigadegenerals erhoben worden. — Der Erbauer des Tempels der Rue Biffault. Herr Levy de Bonneville, ist zum Judenthum übergetreten. Schweiz. Aus der Schweiz, 22. Dezbr. (Privatmitth. i Mit großer Freude constatiren wir, daß wie überhaupt in allen außerdeutschen Landen, auch in der Schweiz die neuesten Antisemitenorgien die einhelligste Berurtheilung erfahren. Wenn auch in einem Lande, das sich bis vor wenigen Jahren ener- I) Wir werden ans diese Auslassungen der englischen Presse ausführlich zurückkommen, da uns die betr. Blätter vorliegen. Die Revaclion. gisch gegen jede Aufnahme von Juden streubte, viel Borurtheil gegen unsere Glaubensgenossen gefunden wird, so hat doch das Schamgefühl selbst notorisch judenseindliche Blätter abgehalten, auch nur im Entferntesten sich einer Mitschuld am deutschen Treiben verdächtig zu machen. Die großen Blätter, Bund, Neue Züricher Zeitung, Züricher Post, Baseler Nachrichten, Schweizerische Grenzpost, Journal de Geneveu.). w. haben sogar wiederholt eingehende Besprechungen der traurigen deutschen Erscheinung gebracht, die an Klarheit und Wahrheit Nichts zu wünschen übrig lasten. In einem Lande, in welchem von oben wie von unten der illoyale Umsturz verabscheut wird, war das nicht anders zu erwarten. Wenn trotzdem der in Berlin von dem berüchtigten Glagau redigirte „Kulturkämpfer" in einer erbärmlichen Schreiberei unter dem Titel „die Juden in der Schweiz" versuchte, bei uns ähnliche Zustände aufzudecken oder hervorzurufen, wie sie jetzt in gewissen Kulturkreisen Mode sind, so hat er in den Kreisen, wohin man gerade diese Nummer hier verbreitete, nur unendliche Heiterkeit erregt. Aus den ersten Blick erkannte man den edlen Scribler, der, Deutscher von Vaterland, jetzt nicht nur aus seinem Baterlande, sondern auch aus der Eidgenossenschaft ausgewiesen ist, diesen Artikel geleistet hat. — Die letzte Volkszählung hat, so weit dies bisher bekannt ist, in Bezug auf die Juden sehr günstige Resultate geliefert. Zürich zählt bei ciuer Einwohnerschaft von $0,000 Seelen ca. 1000 Israeliten. Eine ähnliche Anzahl wohnt in Basel. Serbien. Belgrad, 7. Dec. (Privatmitth.) Der Minister des Innern wird gleich beim Wiederzusammentritt der Skupstina einen Gesetzentwurf betreffs vollständiger Gleichberechtiguug der Israeliten einbringen. Bonn, 12. Dec. (Notizen.) Man schreibt uns aus Schippenbeil i. O.-Pr. Unlängst ist in unserer Stadt ein Fest begangen worden, das, so alltäglich es an sich ist, doch durch die daffelbe begleitenden Umstände ein allgemeines Jntereffe erwecken dürste. Ein hier wohnhafter jüdischer Handelsmann, der sich in den traurigsten Verhältnissen befindet, da er selbst hochbetagt und erwerbsunfähig, seine Frau krank und hinfällig und ein erwachsener Sohn ver krüppelt ist, sollte eine unverhoffte Freude erleben. Derselbe hat nämlich eine Tochter, deren Ernährung ihm schon schwer siel, und der er daher um so weniger eine Ausstat tung gewähren konnte. Da sich nun um dieses Mädchen ein ebenfalls völlig mittelloser junger Mann bewarb, so galt es, durch einen Appell an die Mildthätigkeit edler Menschenfteunde die Möglichkeit zu schaffen, daß die jungen Leute einen Hausstand begründen konnten. Hierbei bewährte sich 1*

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