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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-28 · Heft 52 (28.12.1880) · p. Seite 828

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 52 (28.12.1880)
Date
1880-12-28
Page
Seite 828 (sequence 12)
Language
German
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828 und begab sich dann zu Fuß nach der israelitischen Gewerbeschule. Die Schüler in ihrer Uniform waren in zwei Gliedern aufgestellt und der Vorstehende der Verwaltungs-Commission Di-. Gustav Levy richtete an den Statthalter eine Ansprache, in welcher er sagte: „Das Zeichen der Theilnahme, welches der Vertreter Sr. Maj. des Kaisers einer Wohlthätigkeiisanstalt gebe, welche für die Verbreitung der Handarbeit unter den armen Israeliten geschaffen worden, ist uns um so kostbarer, als sie zugleich als eine neue und glänzende Verurtheilung jener Agitationen betrachtet werden kann, deren Opfer unsre Glaubensgenossen sind und die durch die Geschichte unsrer Zeit ebenso gebrandmarkt werden würden, wie sie es bereits durch das Gewisien der ehrenvollen Männer ist." Der Statthalter drückte seinen Dank für den Empfang aus, prüfte die Schüler, besuchte die einzelnen Theile der Anstalt und sprach sich über die Beschaffenheit der Anstalt lobend aus. Am anderen Tage lud er die Mitglieder der Gemeindeverwaltung und der Commission der Gewerbeschule zur Tafel ein und empfing sie mit der wohlwollendsten Zuvorkommenheit. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Dec. Profeffor Sal. Sulzer, seit 55 Jahren Ober-Cantor der Wiener israelitischen Culturgemeinde und einer der Reformatoren des jüdischen Gottesdienstes, welcher durch persönliche Leistung und Herausgabe seiner Werke „Schire Zion", die über den ganzen Erdball verbreitet, sich um seine Glaubensgenoffen große Verdienste erwarb, hat in Anbetracht seines hohen Alters — er ist 77 Jahre alt — sein Amt in die Hände des Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Dr. Ignaz Kuranda, niedergelegt. Wir fügen hinzu, daß der Vorstand der Cultusgemeinde dem scheidenden Ober-Cantor nicht nur volle Gage und die Wohnung beläßt, sondern ihm auch eine lebenslängliche Ehrengage von 4000 fl. jährlich zusicherte. Holland. Amsterdam, 14. Decbr. Der Jusiizminister leitete diesmal die Beratung des Budget» seines Departements mit einer Rede ein, die nach allen Seiten hin großen Eindruck gemacht hat, da sie mit größter Offenheit auf die drohenden Gefahren der socialen Revolution hinwies. Gleich im Anfang ließ er sich über die antisemitische Bewegung in Deutschland nachdrücklich aus und verurtheilte sie in kräftigen Ausdrücken. Bor Allem sei, sagte er, die Einigkeit aller Bürger des Staates nothwendig, um die Jntereffen nicht nur eines Theiles, sondern der ganzen Nation zu wahren. Dies sei die Lage in allen europäischen Staaten, wenn sie nicht einen Zusammensturz aller socialen Verhältnisse erfahren wollen. Rußland. Petersburg, im December. Bekanntlich hegen die Nationalruffen einen bitteren Haß gegen die Deutschen, denen sie doch den Haupttheil ihrer Cultur verdanken. Die deutschen Blätter selbst haben bereits über die jetzt in Rußland spielende Deutschenhetze berichtet, übergehen aber, daß diese in Ziel und Methode völlig der Judenhetze gleicht, welche jetzt in Deutschland in Scene gesetzt worden. Es sind ganz dieselben grundlosen Behauptungen, derselbe Racenhaß, welche in Deutschland gegen die Juden ausgespielt werden, die in Rußland gegen die Deutschen verwendet werden. Thut man aber dasselbe gegen Andere im eigenen Lande, so hat man kein Recht, sich zu beklagen, wenn man Gleiches in anderen Ländern erduldet. Es zeigt sich hier überall, welche traurigen Folgen das Racen- und Rationalitätsprincip hat, wenn es von Selbstsucht^und fanatischem Eifer begleitet ist. Die A. Z. d. I. hat dies gleich voraus gesagt, als z. B. das Racensystem der Arier, Semiten u. s. w. zuerst in Frankreich, dann in Deutschland aufkam und sich mit einem wiffenschaftlichen Scheine umgab. Ganz eigenthümlich ist es, daß manche russische Blätter, z. B. der „Golos" vom 5. December, den Deutschen die „Judenhetze" als Beweis ihrer Unduldsamkeit in bissigster Weise vorwerfen. Man sieht den Splitter in den eigenen Augen nicht, wohl aber den Balken in des Nachbars Auge. Jedenfalls erkennt man, wie übel berathen derjenige ist, der die Nemesis herausfordert. Unter denjenigen Nationen, welche in großem Umfange die Gastfreundschaft anderer Länder in Anspruch nehmen, nimmt die deutsche einen ausgedehnten Platz ein. Umsomehr müßte sie sich den Pflichten der Gastfreundschaft unterziehen und am wenigsten einen Theil iher eigenen Bevölkerung, der seit vielen Jahrhunderten sein Vaterland in Deutschland hat, mit so ausgesprochener Antipathie behandeln. Petersburg, 13. Dec. Nach dem „ Golos" wird ein über die Verhältniffe der Juden in Rußland auszuarbeitendes Projekt demnächst dem Reichsrath zur Begutachtung vorgelegt werden. Nach dem neuen Project sollen die bisher auf die Juden bezüglichen Ausnahmegesetze abgeschafft werden und in Zukunft für die Juden nur die allgemeinen russischen Gesetzesbestimmungen gelten. Möge diese Nachricht in allen ihren Theilen zur Wahrheit werden. Petersburg, 14. Dec. (Privatmitth.) Die Befürchtung, die Sie in Ihrem „Proteste gegen eine öffentliche Disputation" ausgesprochen haben, daß es jetzt jedem Streithanse einfallen könne, den Fehdehandschuh aufzuheben, ist in Erfüllung gegangen. Die Idee einer öffentlichen Disputation über die jüdische Frage hat, nachdem ihr der unfähige > Lutostanski ausgewichen, den bekannten Historiker Kojalowitz,

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