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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-28 · Heft 52 (28.12.1880) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 52 (28.12.1880)
Date
1880-12-28
Page
Seite 827 (sequence 11)
Language
German
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827 Städte melden. — Der landwirthschaftliche Hauptverein zu Meldorf (Holstein) und der landwirthschaftliche Verein zu Thorn haben gleichfalls die Unterzeichnung der Antisemitenpetition zurückgewiesen. — Dem „Cottbuser Anzeiger" vom 13.Dec. entnehmen wir: Wie uns nachträglich bekannt wird, hat der Erste Bürgermeister unserer Stadt, Herr vr. jur. Mayer, welchem eine Petition betreffend die Einschränkung des Einfluffes der Juden zugeschickt worden ist, mit Nachstehendem geantwortet: Cottbus, 5. December 1880. Br. m. orgin. sammt Anlagen zurück an Herrn vr. Bernhardt Förster in Charlottenburg. Ew. wohlgeboren Wunsch, der mir zugesandten, auf Einschränkung der Rechte der Juden gerichteten Petition meiner' seits thunlichsten Vorschub zu leisten, zu erfüllen verbietet mir meine Pflicht und der lebhafte Wunsch, die durch die Gesetze gewährleistete bürgerliche Gleichberechtigung der Inden und Christen zu wahren, sowie den socialen Frieden allenthalben zu fördern. Ich protestire gleichzeitig, im Jntereffe der hiesigen jüdischen Bevölkerung, gegen die Annahme, als ob der jüdische Charakter und Einfluß das Germanenthum gefährde. Ich habe vielmehr zu dem letzteren das Zutrauen und erachte es seiner würdiger, daß es die auf die besonderen geistigen Fähigkeiten des jüdischen Volkes zurückzuführenden theilweis großartigen materiellen Erfolge desselben im Wege der erlaubten Selbsthilfe und des Wettkampfes auf dem Gebiete des Handels und der Industrie, anstatt durch neidische und feige Hetzereien, zu paralysiren suche. Zudem meine ich, daß die christliche Nächstenliebe es uns nahe legen sollte, abstoßende Charaktereigenschaften einzelner jüdischer Bevölkerungsklaffen mit den psychologisch notwendigen Folgen einer mehr als tausendjährigen Knechtschaft zu entschuldigen; daß ferner der Bildungsstand unsres Volkes uns dazu nöthigcn sollte, die dem jüdischen Volke zumeist angeborenen glänzenden Eigenschaften des Geistes und Gemüths willig anzuerkennen; und daß endlich die Geschichte der letzten Jahre, sowie die Lehre der Berbrecherstatistik uns abhalten sollte, in pharisäischem Hochmuth uns besser und gerechter zu dünken als die jüdische Race. Hochachtungsvoll der I. Bürgermeister vr. Mayer. Darmstadl, 10. Dec. (Privatmitth.) Den 8. d. sollte in Winters Brauerei eine Volksversammlung abgehalten werden, wobei das Thema „die Antisemiten bei der Arbeit" besprochen werden sollte. Sie wurde aber polizeilich untersagt. — „Die Wahrheit" (das antisemitische Witzblatt) wird fortwährend stark unter den Arbeitern verbreitet. Danzig, im December. Die „Germania" klagt: Unter den 60 Stadtverordneten bestndet sich nur 1 Katholik, dagegen 8 Luden. Der Seelenzahl nach müßten die Katholiken 15, die Juden höchstens 2 Vertreter haben. Im Magistrat sitzen ebenfalls 2 Juden, aber kein Katholik." Die Bemerkung über das Verhältniß nach der Seelenzahl beweist von selbst, daß diese Juden nicht durch die Juden sondern durch die christliche Bevölkerung gewählt sind und daß sich also diese Wahlen auf das Vertrauen der Bürgerschaft stützen. Es ist überhaupt ein eigenthümliches Verlangen, daß städtische und parlamentarische Wahlen sich nach der Seelenzahl der Confessionen richten sollen, und man wird alsbald die ultramontane Partei fragen, ob sie etwa in den Rheinlanden den Protestanten und den Juden auch nur eine Stelle einräumte, wenn sie es verhindern kann? Lübeck, 13. December. Vom hiesigen Bürgerausschuß wurde nach der „Nordd. Reichspost" der Antrag der jüdischen Gemeinde angenommen, zu dem bereits auf das Synagogengrundstück intabulirten, zinsenlosen Capital von 22,VOO Mark noch einen weiteren Posten von 25,000 Mark zu bewilligen. Aus dem Reichslande, 8. Dec. Der von der französischen Gesetzgebung überkommene Grundsatz der völligen Gleichstellung der Culte wird im Reichslande von der Regierung streng beobachtet. Soeben erschien eine Verordnung des Statthalters, betreffend die Einsetzung von Bezirksunterrichtsräthen für jeden der drei Bezirke des Landes. Dieselben bestehen außer dem Bezirkspräsidenten und dem Schulrath des Bezirks, sowie einem Kreisschulinspector, aus Vertretern der Geistlichkeit aller Confessionen, je zwei richterlichen Beamten und vier Kreiseingeseffenen, von denen zwei Mitglieder der Bezirkstage sind. (In jedem Bezirke soll der Unterrichtsrath aus 13 Personen bestehen, unter welchen sich ein Mitglied des israelitischen Consisioriums befinden soll.) Aus Metz, 6. Dec., berichtet man der „Frkf. Ztg.": Man scheint den Versuch gemacht zu haben, die Agitation gegen die Inden auch in die militärischen Kreise des Reichslandes zu tragen. In Folge dessen hat der Statthalter Feldmarschall von Manteuffel dieser Tage einen Befehl an die Officiere und Beamten des 15. Armeecorps erlassen, sich von der Agitation der Antisemitenliga fern zu halten und in gleichem Sinne auch bei ihren Untergebenen zu wirken. Straßburg, 15. December. Am 1. dieses Monats, 11 Uhr, machte der Statthalter General-Feldmarschall v. Man teuffel der hiesigen Synagoge einen Besuch. Er war begleitet vom Obersten von Strantz und wurde am Eingang des Tempels vom Großrabbiner Aron und den Mitgliedern des israelittschen Confistoriums empfangen. Der Statthalter .versichette in feiner Erwiederung auf den Willkommsgruß des Großrabbinen, daß für ihn das Gesetz geheiligt sei, daß dieses allein ihm alle seine Maßregeln vorfchreibe und daß er daher mit allem Nachdruck die Gleichheit aufrecht erhalten werde, welche das Gesetz allen Confessionen gewähre. Er wohnte dann dem besonders eingerichteten Gottesdienste bei 52*

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