Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1880)
- Date
- 1880-12-28
- Page
- Seite 829 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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829 Professor der Petersburger Akademie, veranlaßt, in der „No-! russischen Gesellschaft'« u. s. w. Wir zweifeln nicht, daß der woje-Wremja" einen Artikel zu veröffentlichen, in welchem er Herr Profeffor mit dem Lutostanski in Verbindung steht und folgende Fragen aufstellt: „Der Zusammenhang der Prin-1 diesem zu Hülfe kommen will. Jedenfalls haben wir es hie zipien des Judaismus mit denen des Socialismus und Je-! mit einem viel bedeutenderen Gegner zu thun, und so zeigt suitismus; die Gemeindcorganisation der russischen Judenj es sich, daß Ihre erste in dem „Proteste" ausgesprochene heit als gesetzwidrige Gesellschaft; die Nothwendigkeit eines! Ansicht die allein richtige war. energischen Entgegenwirkens gegen die Berjüdelung der! Ieuilleton. Der Legen des Ladbi. Eine auf Thatsachen beruhende Tradition. Im Januar 1711 wurde die ganze Judengaffe in Frankfurt am Main durch eine Feuersbrunst iu Asche gelegt; die Chronisten sagen hierüber, daß auch nicht eine Elle lang Holz übrig geblieben sei, doch ist dies nicht so ganz wörtlich zu nehmen, denn an den noch heute stehenden Häusern zeigen uns einige Thüren den Spitzbogenstil von 1640, der! Zeit der ersten Erbauung der Judengaffe. Als den Urheber jenes großen Brandunglücks bezeich-! nete die Volksstimme den damaligen Rabbiner der israe-j litischen Gemeinde Naphthali Cohen; nicht als ob er das! Feuer angelegt habe, aber darum, weil er als Kabbalist das! Feuer zu löschen suchte und zu dem Zweck die Waffergeister beschwören wollte, in der Bestürzung aber die Feuergeister berufen habe, in Folge dessen dann auch dem Brande kein Einhalt mehr zu thun gewesen sei. Auf Grund dieses Gerüchtes wurde denn der Rabbi allseitig angefeindet, ebensowohl von der christlichen Bürgerschaft, als noch viel mehr von seinen eigenen Glaubensgenossen, über welche, wie sie wähnten, nur durch ihn dieses schwere Unglück hereingebrochen sei. Der Unwille gegen ihn nahm eine so drohende Gestalt an, daß er um sein Leben fürchtete, und sich in das Haus eines christlichen Bürgers, eines ehrsamen Schneidermeisters, F. mit Namen, schutzsuchend flüchtete. F. nahm den Schwerbedrängten gastfreundlich auf, verbarg ihn eine Zeitlang, bis es ihm möglich geworden, ihm zur weiteren Flucht zu verhelfen; es ist geschichtlich, daß Rabbiner Cohen später in Constantinopel gestorben ist. Bor seinem Scheiden von seinem Schützer gab Cohen das einzige, was der arme Verfolgte seinem Wohlthäter geben konnte — seinen Segen'. Dieser Segen zersiel in zwei Theile. Cohen segnete F. im ersten Theile, daß er zu Gott flehte, er möge seine Familie und seine Nachkommen bis in die fernsten Zeiten stets in Wohlstand bestehen lassen, sie mögen niemals außergewöbnliches Unglück zu beklagen haben, alle ein friedliches Leben führen und ein hohes Alter erreichen, geachtet, geehrt und geliebt sein von allen Menschen! Der zweite Theil des Segens war einfacherer Art, und dürste uns heute wohl ein Lächeln abgewinnen; er enthielt den Wunsch, daß F.'s Haus und die Wohnungen seiner Nachkommen stets von Ratten und Mäusen sreibleiben mögen'. Diese Thiere sollen zu jener Zeit durch ihre große Zahl eine wahre Plage für Frankfurt's Bewohner gewesen sein. Ob der zweite Theil des Segens in Erfüllung gegangen, ist dem Einsender dieses unbekannt; der erste Theil aber hat sich vollständig bewährt; noch leben viele Nachkommen des menschenfreundlichen F. unter uns, geachtet und geehrt durch ihr frommes, christliches, gottesfürchtiges Leben, durch ihren Wohlthätigkeitssinn, alle würdig ihres edlen Vorfahren, I der einem armen verfolgten Juden Obdach und Schutz nicht versagte. U. Verwischtes. Die russischen Juden und die Musik. Man schreibt uns aus Petersburg: Unter den 150 dieses Jahr zum Conservatorium von Petersburg zugelassenen Schülern befinden sich 50 Juden. Einer der neuen jüdischen Schüler ist ein neunjähriger Knabe, Marcus Steinberg, ein wahrhaftes musikalisches Wunderkind. Der Vater desselben ist ein ausgezeichneter Musikus. Da er als Jude nicht das Recht hat, in Petersburg zu wohnen, so will man ihn als Professor im Conservatorium anstellen, damit er in Petersburg bleiben und daselbst seine Kunst ausüben könne.! „Endymion" und die Juden. Thorheiren, die man in der Jugend begeht, pflanzen i sich bisweilen bis ins hohe Alter fort. Wir haben früher! oft genug gegen die Phantastereien Benjamin Disraeli's pro. I tcftirt, mit denen er den jüdischen Stamm umgab, ihm die! größten Vorzüge andichtete und alle ausgezeichneten Menschen oft gegen die documentirteste Richtigkeit zu Juden machte. , Er hat uns hierdurch viel geschadet, und jenen Witz Heiners hervorgerufen: Der weiße Elephant, der in Hamburg gezeigt wurde, soll nach englischen Nachrichten auch ein Jude sein. In seinem neuesten Roman „Endhmion" hat Lord Beaconssield von dieser Thorheit nicht abgelaffen und