Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1880)
- Date
- 1880-12-28
- Page
- Seite 826 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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826 viel an ihm, für die Hebung des Judenthums zu wirken, indem es dafür Sorge trage, daß der ethische Standpunkt des Judenthums, wie solcher wirklich ist und nicht wie man denselben durch willkürliche, aus dem Zusammenhänge gerissene Aussprüche einzelner Autoren zu fälschen bestrebt, den Nichtjuden und auch den Juden klarlege. Endlich habe man sich aber auch mit der sittlichen Hebung der Juden selbst zu beschäftigen. Mehr echten Stolz verlange er von den Juden und demzufolge auch mehr echte Bescheidenheit. Die wirklich vorhandenen Mängel der Juden, mögen dieselben im Charakter derselben oder in äußeren Umständen liegen, müsien genau geprüft und nach Kräften vermindert, wo möglich ganz beseitigt werden. So werde sich die Abwehr gleichzeitig nach Innen, wie nach Außen hin zu richten haben. Gewiß seien wir auf andere Schritte gefaßt sein. Ihre Hauptaufgabe ist jetzt, die Fortschrittspartei in Berlin, ihrem Hauptsitze, zu untergraben und die Maste zu den Confervativen herüberzuziehen. Zu diesem Zwecke wollen sie Bezirksvereins-Versammlungen halten und eventuell confervative Bezirksvereine gründen. Der Anfang ist gemacht. Am 16. d. wurde eine solche Bersamnilung in der Louisenstadt gehalten und war von ca. 800 Personen besucht. Stöcker, Strosser, Diestelkamp u. s. w. waren da und sprachen. Die Redner selbst sprachen nur gegen die Fortschrittspartei; aber sie wurden immer von Zurufen begleitet, welche Schimpfworte gegen die Juden enthielten. Wie rührig man ist, zeigt, daß man am 17. Abends wieder eine solche Versammlung in den „Reichshallen" hielt. Man betitelt sie: „Versammlung von christlichen manche kritische Borwürfe begründet, aber sic seien es vielfach | Männern deutscher Abstammung", was selbstverständlich gegen nicht in den hieraus gezogenen Folgerungen und auch hier-! die „getauften Juden" gerichtet ist, gegen die man, wie gegen gegen müsse man auf eine würdige Bertheidigung eintreten j die wirklichen Juden, von ganz gleicher feindseliger Gesinnung lasten. Schwer und gefahrvoll sei es immer gewesen, die j beseelt ist. Hierbei muß man sich fragen: Wird die Fortjüdische Religion aufrecht zu erhalten. Allein das Wesen! schrittspartei diese Dinge ebenso ruhig geschehen und sich derselben liege in der Treue und es ist eine Ehrenpflicht, bei j über den Kopf wachsen lasten, wie man es wit der Agitation der Fahne zu bleiben, auf der die Worte geschrieben stehen: gegen die Juden that? Hiergegen zu kämpfen reichen nur Der Ewige ist mein Panier. Diese Fahne ist drei Jahrtausende dieselben Mittel aus: Versammlungen, in welchen die Maste alt. Kein Makel haftet an ihr. In Blut getränkt ist sie vor den Bemühungen der Reaktionäre gewarnt und in der allerdings, aber es ist unser Blut, das sie geröthet hat.' bisherigen politischen Haltung bestärkt wird. Diese religiöse Sonderart ist indessen auch die einzige, welche. Berlin, 20. Decbr. Die sog. „Versammlung Berliner die Juden nicht aufgeben werden. In allem Uebrigen sind j Bürger deutscher Abstammung" (die Bezeichnung „christlich" sie Deustche, wollen und können gar nichts anderes sein, als hatte die Polizei nicht geduldet) fand am Freitag Abend Bürger des Landes, in welchem sie geboren sind, dessen Sprache statt, und übertraf alles bis jetzt dagewesene. Ein Gymnafial- und Sitten, besten Geschicke auch die ihrigen sind. Im Anlehrcr I)r. Henrici hielt eine Brandrede ganz nach dem schluste an diesen Vortrag wurde nachfolgende Resolution Muster des Mittelalters, und in der mehr als 2000 Personen von der Versammlung gegen einige abweichende Stimmen fastenden Versammlung übertönten die schmählichsten Beifallsangenommen: rufe jede Opposition, die zugleich der schändlichsten Prügelei Die Versammlung spricht ihre Zustimmung zu den von unterlag. Dabei wurde unumwunden ausgesprochen, daß dem Vorsitzenden entwickelten Gedanken aus. Sie erhebt entes namentlich gegen die Fortschrittspartei gehe. Man kann schiedenen Einspruch: I) gegen den in der Agitation der sonicht verkennen, daß Alles was der Socialdemokratie angegenannten Antisemiten immer wieder gemachten Versuch, die hört hat, sich jetzt dem Antisemitismus anschließt, denn es Gesammtheit der deutschen Juden für Taktlosigkeiten und gilt vor Allem Lärmen, Unfrieden, möglichst Anarchie Herbei- Bergehen Einzelner verantwortlich zu machen; 2) gegen das zusübren. Und dies unter dem „kleinen Belagerungszustand?" unwürdige Bestreben, die deutschen Juden als eine außer- Draußen auf der Straße setzte sich die Prügelei fort und halb der Gesammtheit des deutschen Volkes stehende natio! mehrfache Verhaftungen fanden statt. Um dies Alles erklär nale Besonderheit hinzustellen; sie erklärt vielmehr, daß lich zu finden, erinnere man sich des Charakters des Berliner sie unerschüttert in Treue gegen das deutsche Vaterland aus- Pöbels, dessen Grundelemcnt der „Krakehl" ist. Ja, die harrt und es als eine unwandelbare Aufgabe erkennt, in Er- Brutalität demaskirt sich immer mehr, und dies muß schließfüllung aller Bürgerpflichten für das Wohl und Gedeihen lich abschreckend auf jeden Mann wirken, der noch Ehre im desselben mit ganzer Kraft zu wirken. Herzen und Sinn für Gesetz und Ordnung besitzt. Berlin, 19. Decbr. (Privatmitth.) Es gilt jetzt in der! Bonn, 15. Dec. Aus Cassel, Gießen, Görlitz und That, die Augen nach allen Seiten hin osten zu halten. Grüneberg in Schlesien liegen uns Berichte vor, welche die Denn nachdem die antisemitische Agitation ihre Mittel so entschiedene Zurückweisung der bekannten Antifemitenpetition ziemlich erschöpft hat, hingegen die Parteien, die mit ihren des l>r. B. Förster in Charlottenburg durch die Bürgermeister Zielen hinter ihr stehen, sich decouvrirt haben, müssen-: und die Stadtverordneten-Versammlungen der betreffenden