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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-28 · Heft 52 (28.12.1880) · p. Seite 825

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 52 (28.12.1880)
Date
1880-12-28
Page
Seite 825 (sequence 9)
Language
German
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825 3) würde das Unternehmen auch völlig wirkungslos j werden. Es sollen allerdings in Rußland einige wenige sein. Denn gesetzt, es wanderten einige Tausend, ja 20-! jüdische Colonien gedeihen. Dort hat man cs aber mit oder gar 50,000 mehr als gewöhnlich aus: was würde dies! Juden zu thun, die im allergrößten Elend leben und von für einen Einfluß auf das Geschick der zurückbleibenden > denen viele von Kindesbeinen an an die härtesten Arbeiten, 450,000 haben? Gar keinen.! z. B. Steinklopfen gewöhnt sind. Beides trifft auf die 4) Glaube ich überhaupt nicht an die Wirksamkeit eines: Maffe der deutschen Juden nicht zu. solchen Vereins im großen Style. Die verhältnismäßig ge-! 6) Vom idealem Standpunkte ist es meine Ansicht, ringe Zahl der Wohlhabenden besitzt für sich die Mittel ausdaß nach der Lehre der Geschichte die Juden in ihrem Baterzuwandern, wenn sie es wollen. Aber auch nur einen kleinen lande treu auszuharren haben, bis die unmittelbare Selbst- Theil einer armen Maffe von ihren Wohn- und Erwerbserhaltung sie zur Auswanderung zwingt, um zum Werkzeug statten nach einem fernen Continente zu schaffen uud dort und Prüfstein in der Entwickelung der Völker zu Gcrechtizzu versorgen, dazu gehören viele Millionen, die kein Verein mit dem besten Willen liefern kann. 5) Hinsichtlich der Colonisationsversuche hat man ja in Amerika selbst schon öfter Projecte gemacht, ohne damit vorkeit und Humanität zu dienen. Dieser Mission hatten sie sich zu aller Zeit zu unterziehen, soviele Opfer es ihnen auch kostete. Dies sind meine Gründe, um den angeregten Gedanken wärts zu kommen. Ein seit mehr als 17 Jahrhunderten nachdrücklich abzulehnen. Ich ermächtige Sie, von diesem mit Gewalt vom Landbau fern gehaltener Stamm, dessen; meinem Briefe jeden Gebrauch zu machen, der Ihnen gutgegenwärtige Generation weder Kenntniß vom, noch Geschick, dünkt, und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung rc. zum Landbau hat, kann nur sehr allmälig diesem zuerzogen Lv- Deutschland. Berlin, 15. Tee. Das Aeltesten Collegium der Berliner Kaufmannschaft hat an Stelle des verstorbenen Geh. Kommerzienraths Conrad den Geh. Kommerzicnrath Stadtrath Meyer Magnus zum Vorsitzenden gewählt. Se. Kaiser!. Hoheit der Kronprinz ließ, wie die „Boss. Ztg.- berichtet, dem Pastor Gruber in Reichenbach (Schlesien) für seine Schrift: „Der neue Sturm der Judenftage" abermals in huldvollster Weise durch ein Schreiben vom 9. December a. c. den besten Dank aussprechcn. Man sieht hieraus, daß der Kronprinz bei jeder Gelegenheit das Urtheil bestätigt, das er von Anfang an über die antisemitischen Hetzereien ausgesprochen. — Man schreibt dem „Reichsboten": Von dem hiesigen Joachimsthal'schen Gymnasium wurde am letzten Freitag ein Primaner entfernt, der antisemitische Flugschriften ans seiner Schule verbreitet hatte. — Die „Boss. Ztg." schreibt: „Bon Beginn des nächsten Jahres ab werden die Christlich-Socialen alle ihre Versammlungen in der Tonhalle abhalten. Die Partei wird schon jetzt beginnen, durch Bezirksversammlungen in den einzelnen Wahlkreisen die Agitation für die nächsten Reichstagswahlen vorzubereiten. Die erste dieser Versammlungen wird nächsten Mittwoch im 6. Wahlkreis stattsinden." Wir werden nun sehen, ob die Berliner, Christen und Juden, diesem Treiben in derselben Weise energisch entgegentreten. Die Absicht der Führer geht selbstverständlich noch weniger gegen die Wiederwahl von jüdischen Abgeordneten, als vielmehr gegen die fortschrittlichen Abgeordneten Berlins aus. Die reactionären Parteien wollen aus diesem Wege sich Bahn brechen, um den Boden Berlins für sich zu erobern. Es giebt also einen großen politischen Kamps in der Hauptstadt des deutschen Reiches. Berlin, 19. Dec. (Eingesandt.) Am vergangenen Donnerstag fand in dem großen Saal des Vereins „Gesellschaft der Freunde" eine von mehr als 600 jüdischen Mitbürgern besuchte Versammlung statt, in welcher Herr Prof. Lazarus über die Stellung der Juden zu der sogenannten Judenftage einen längeren Vortrag hielt. Derselbe gipfelte in folgenden Gedanken und Schlußfolgerungen: Zunächst sei zu betonen, daß das Comit«^ vom 1. Dec. 1880 keinesfalls darin seine Ausgabe erblickte, Agitation gegen Agitation zu setzen, dem Kampfe durch den Kampf zu begegnen, sondern daß dasselbe sich gewissermaßen als die Centralstelle bettachte, von welcher aus eine passende und zweckentsprechende Abwehr eingeleitet werden sollte. Auch von der Begründung eines besonderen Vereines zur Wahrung jüdischer Interessen ist grundsätzlich Abstand zu nehmen. Wohl aber müsse der Standpunkt von der Siaatszugehörigkeit aller Bürger, von der gesellschaftlichen Toleranz streng verfochten werden gegenüber jenen Bestrebungen, welche auf Trennung der Staasbürger nach ihrem Bekenntniß und nach ihrer Abstammung hinzielten. Als eine weitere Aufgabe betrachte es das Comittz, so

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