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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-28 · Heft 52 (28.12.1880) · p. Seite 824

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 52 (28.12.1880)
Date
1880-12-28
Page
Seite 824 (sequence 8)
Language
German
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deutung gefunden hat, als hätte ich nur von schlimmen Grünj Wäre es nicht an der Zeit, eine umfassende Auswandedungen geredet, so wiederhole ich — ich habe es bereits einmal s rungs-Gesellschaft für die Juden in Deutschland, oder besser gesagt, ehe ich dachte, daß ich in die Lage kommen würde, j Preußen zu gründen? Personen zu nennen —, daß ich nichts anders habe sagen wollen, als dies, daß mehr als ein Viertel der Unterzeichner als Gründer, erste Zeichner, Aufsichtsräthe, Directoren mit den Gründungen der siebziger Jahre verknüpft sind. Ein sittliches Berdict in einzelnen Fällen habe ich dagegen nicht abgegeben (sehr wahr! rechts), vielmehr den Gesammtzustand jener Tage als einen Hexentanz um das goldene Kaw bezeichnet, an welchem die Einzelnen theilnahmen. Unter diesem Vorbehalt lege ich die Liste auf den Tisch des Hauses nieder. (Vereinzelte Beifallsrufe rechts, Zischen links.) Es war den folgenden Rednern nicht schwer gemacht, den moralischen Gehalt dieser Erklärung zu characterisiren, die wieder einmal einen früheren Ausspruch mildern und abschwachen sollte, und die deshalb nach keiner Seite hin genügte, vielmehr auf den Character des Redners selbst zurücksiel. Der Abg. v. Ludwig ließ es sich aber nicht nehmen, in unerhörter Weise gegen den Abg. Kieschke vorzugehen. In der folgenden Sitzung gab dieser eine ausführliche Erklärung ab, und der Präsident gestattete v. Ludwig nicht wieder zu reden. Die beiden Sitzungen vom 3. und 10. brachten so tumultuarische Scenen hervor, wie sie im preußischen Abgeordnetenhause noch nie stattgefunden. Ties war das Ende der großen Debatte, die eine so traurige Seite in den Annalen des preußischen Parlamentarismus füllt. Eine amerikanische Stimme. Wir erhielten von sehr bewährter Hand aus einer der größeren Städte Nordamerikas folgende Zuschrift, die wir nebst unsrer Antwort veröffentlichen, um von vornherein dem, wenn auch gutgemeinten Gedanken entschieden entgegenzutreten. Die Zuschrift lautet: ».Ich brauche es Ihnen, dem Nestor der Vorkämpfer für jüdische Emancipation, nicht zu sagen, welch schmerzensvollen Eindruck die moderne Juden-Berfolgung in Preußen unter unfern Glaubensbrüdern hierzulande gemacht hat. Wir laßen es dahingestellt sein, was die Ursache dieser Agitation sein mag; die Wirkungen und die Folgen sind dieselben. Die Frage, die Lebensfrage ist: Was ist zu thun? Wir wollen der Intelligenz und Thatkraft unserer euroropäischen Glaubensbrüder nicht vorgreifen. Sie bilden ihr Urtheil als Augenzeugen, das darum richtiger sein muß, als das unsrige, die wir nur nach Zeitungsberichten urtheilen können. Dennoch erlauben wir uns folgende Anfrage, und bitten um Ihre Ansicht, Ihren Rath. Amerika, Frankreich, Italien und England wären die Länder, wo unsere geängstigten Brüder freie Heimstätten finden könnten. Die Alliance Israelite, tbe Board of Delegates in London, der deutsche Gemeinde-Bund, und die Union of American Hebrew Congregations wären die Anstalten, die die nöthigen Mittel herbeischaffen könnten. Viribus uuitis, muß das Motto ernsten Zusammenwirkens sein. Der Engländer Thomas Hughes hat soeben Tausende von Morgen Landes im Staate Tenneffee angekaust, um dort englische Colonien zu gründen. Unser Staat Texas, mit seinen fruchtbaren Ländereien und seiner geringen Bevölkerung, würde ganz allein hunderttausenden von unseren Brüdern ein gesegnetes und freies Heim bieten. Natürlich müßte die Einwilligung der kgl. preußischen Regierung zur öffentlichen Gründung eines solchen Vereins eingeholt werden. Dies ist in wenigen Worten die Anfrage. Wir erwarten Ihre Antwort. Ist es rathsam, einen solchen Verein zu gründen und in ernste Thätigkeit zu setzen, oder nicht?;r Mit brüderlicher Theilnahme und aufrichtiger Verehrung, erwartet im Namen von Tausenden unserer Glaubensbrüder, Ihre Antwort Ihr X." Unsere Antwort war folgende: „Ihre w. Zuschrift vom 28. Nov. habe ich heute empfangen und beeile mich, sie zu beantworten. Auf Ihre Anftage kann ich meine feste Ueberzeugung nur in folgenden Sätzen aussprechen. 1) Schon die bloße Ankündigung eines allgemeinen Auswanderungsvereines für die deutschen Juden würde uns höchst nachtheilig sein. Unsre Gegner würden sofort sagen: Ja, das wollen wir eben, die Juden alle aus Deutschland Hinaustreiben, und sie bestätigen selbst unsre Behauptung, daß sie keine Deutschen und keine Patrioten find, sondern Kosmopoliten, die beim ersten Sturme das Vaterland ver- Dies erhält nun eine größere Bedeutung dadurch, daß 2) die Auswanderung bis jetzt noch gar nicht motivirt ist. Die Dinge stehen nicht so schlimm, wie sie nach dem Lärmen der Preffe und der Reden aussehen. Wir leben ruhig und ungestört fort. Es kann sein, daß die nächsten Wahlen keine Juden in die parlamentarischen und vielleicht auch in manche städtischen Körperschaften bringen, daß die Verwaltung jüdischen Bewerbern die Staatscarrieren erschwert und daß einige gesellige Unzukömmlichkeiten Vorkommen. Dies sind aber noch lange keine Motive für eine Maffenauswanderung aus dem Baterlande.

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