Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1880)
- Date
- 1880-12-28
- Page
- Seite 823 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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823 sehr abgeschwächter Ausdruck dessen war, was in diesen I von denen Sie immer reden? Es scheint, als ob jedes Mit- Kreisen eigentlich gefordert wurde, so denke ich, können wir | glied der antisemitischen Bewegung sich für einen Ur - Gerbefriedigt sein mit diesem Gesammtergebniß."! mancn hält. Wohin soll denn das führen, wenn wir eine Die Rechte verhinderte den beantragten Schluß, um Art ethnologischer Heraldik treiben, um zu untersuchen, woher ihrem Führer, Abg. v. Minnigerode, das Schlußwort zu verschaffen. Es fiel aber sehr schwächlich aus. Er trat den Klatsch über Kantorowicz noch einmal breit und wandte sich dann gegen den obenangesührten Schluß Birchow's. Er gab selbst einen Schluß zum Besten, und dieser lautete: „Meine Anempfindungen über die ganze Debatte sind folgende: unfern jüdischen Mitbürgern gegenüber haben wir es einmal ausgesprochen: keine übertriebene Besorgniß! Aber andererseits auch, daß nicht normale Verhältnisse vorliegen, besonders mit Rücksicht auf das moderne Judenthum und jeder einzelne sein Blut genommen hat? Das kann nicht zur Sicherung der Grundlagen des Reiches und der Verfassung dienen. Hat der preußische Staat etwa jemals in früheren Zeiten danach gefragt, ob jemand Ur-Germane wäre? Er fragte nur, wer der beste und brauchbarste wäre. Sie bekämpfen hier die ersten Grundsätze constitutioneller Existenz, schon überträgt sich die Verwirrung von den großen auf die kleinen. Obersecundaner werden veranlaßt, in Vertheidigung von Antisemiten an die Oeffntlichkeit zu treten und Studentenversammlungen abzuhalten. Wir kommen so zu den gegenüber der Bewegung haben wir gesagt: es sind in der! allerärgsten gesellschaftlichen und öffentlichen Zuständen, die Thal nicht vollständig normale Verhältnisse vorhanden — ■ sich denken lassen. Redner bestreitet ferner, daß er sich von aber auch eurerseits keine Uebertreibungen, keine Einseitig-! persönlichen semitischen Sympathien leiten lasse; er sei früher feiten! Das ist meiner Auffassung und meinem Gefühl nach das, was im großen und ganzen im Laufe dieser zwei Tage zur Erscheinung gekommen ist." Es folgte noch eine lange Reihe persönlicher Bemerkungen, von denen die meisten dahin gingen, Stöcker die Jmmoralität seiner Behauptung gegen die Unterzeichner der „Erklärung" vorzuhalten und ihn moralisch zu zwingen, die Namen zu nennen, worauf er jedoch immer wieder auswich. Hervorheben wollen wir nur noch die Bemerkung Hobrecht's, daß er sich aus der Rede Stöcker's überzeugt habe, wie besorgnißerregend das Verfahren Stöcker's sei. Wie ein vom Sturm aufgeregtes Gewässer nicht alsbald zur Ruhe kommt, sollten diese Debatten noch mehrfache Scenen im Abgeordnetenhause nach sich ziehen. Am 3. Dec. hatte der Abg. v. Ludwig einen Antrag eingebracht auf eine Statistik der Gründer nach ihrer Religion und politischen Stellung. Er benutzte diese Angelegenheit, eine „Judenhetzrede" zu halten, wie ein Abg. sie bezeichnete. Man braucht nur den Namen v. Ludwig zu nennen, um zu wissen, welche Rolle er im Abgeordnetenhause spielt, und wie er von allen Seiten desselben desavouirt wird, was von Schorlemer-Alst ausdrücklich im Namen des Centrums that. Kam doch auch der Zwischenruf eines Abgeordneten vor: „Untersuchen, ob der Mann noch zurechnungsfähig sei!" Nachdem die Staatsregierung den Antrag zurückgewiesen, antwortete kein einziger Redner dem v. Ludwig, vielmehr betraf die Debatte nur noch jene Verweigerung Stockerls, die Namen der Gründer unter den Unterzeichnern der „Erklärung" zu nennen. Eine Liste derselben war unterdeß in der „D. Landeszeit." und der „Germania" gegeben worden. Stöcker verneinte jedoch, daß diese Liste die seinige fei. Wir heben nur aus einer Rede Birchow's folgende bezeichselbst als Antisemit angegriffen worden, habe sich aber gerechtfertigt. Für ihn sei nur die Gerechtigkeit maßgebend. In einem Petersburger Blatte würden jetzt die Deutschen ganz ebenso wie bei uns die Juden als gewandte und schlaue Intriganten angegriffen, welche die Feinde der russischen Nationalität seien. Die Abgeordneten hätten ihr Mandat nicht kraft ihres Germanenthums oder Christenthums, sondern um das gleiche Recht Aller zu schützen! Man möge sich nur erst wieder gegenseitige Achtung angewöhnen, dann würden Angriffe wie die der Deutschen Landeszeitung bald zu den Unmöglichkeiten gehören." (Beifall links.) Eine andere Aeußerung des Abg. Struve lautete: „Wird diese Verleumdung dahin fortgesetzt und gesteigert, daß auf die Forderung, die Namen zu bezeichnen, der Betreffende sich der Namensäußerung enthält, so ist das eine außergewöhnliche Feigheit." (Anhaltender Lärm rechts, welchen der Redner vergeblich zu übertönen versucht.) In der Sitzung vom 10. December legte endlich, von confervativer Seite gedrängt, Stöcker seine Liste auf den Tisch des Hauses, und gab dabei eine Erklärung ab, die also lautete: „Als die Erklärung vom 14. November erschien, mußte es mit Recht auffallen, daß unter derselben einige am Gründungstaumel der siebziger Jahre hervorragend betheiligte Namen zu finden waren. Dies wurde die Veranlassung, nachzuforschen, wie viele an irgend welchen Gründungen jener Zeit betheiligte Personen sich der Erklärung angeschloffen hatten. Es fand sich aus zuverlässigen Quellen, den Beilagen zum Handelsregister und den gedruckten Veröffentlichungen, welche den Börsenblättern jener Periode beilagen, daß mehr als ein Viertel der Unterzeichner irgendwie mit Gründungen verbunden waren. (Lachen links.) Das habe ich in meiner Rede auf meine persönliche Verantwortung zum Aus nende Stellen hervor: „Was sind denn das für Germanen,! druck gebracht. Da die Form meines Ausdruckes die Miß-