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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-28 · Heft 52 (28.12.1880) · p. Seite 820

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 52 (28.12.1880)
Date
1880-12-28
Page
Seite 820 (sequence 4)
Language
German
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820 dem germanischen Metall für seine Ausgestaltung einige j tischen Agitation aufgefordert habe, wie der studentische Auf- Prozent Israel beizusetzen waren." jruT es, ohne ihn zu nennen, so andeutet, daß alle Welt Wir gestehen offen, daß wir keinen rechten Begriff von j Herrn v. Treitfchke darunter versteht, der, die Eigenthümlichkeiten der einzelnen deutschen Stämme! Schließlich wendet sich Mommsen an die Juden. Bieldecomponirenden oder abschleifenden Wirksamkeit der Juden! leicht lag es ihm im Sinne, die Juden möchten die (ihnen haben. Wollte Mommsen damit sagen, daß die Juden mit ihrem ganzen Herzen an der Idee des ganzen deutschen Reiches, an der Einheit der deutschen Nation hängen und von dem Partikularismus der einzelnen Stämme nichts wißen und nichts wissen wollen, so hätte er gewiß recht, aber hätte dies klarer aussprechen müssen. Dann fällt es aber wieder auf, daß er schließlich den Juden einen jüdischen Partikularismus vorwirft, ohne zu bemerken, daß dieser nicht nationaler, sondern nur religiöser Art ist, daß er in keiner Weise politische, sondern lediglich sittlich-religiöse Zwecke hat. — Indem sich unser Verf. an Treitfchke wendet, fragt er: „Was heißt das, wenn er von unfern israelitischen Mitbürgern fordert, sie sollen Deutsche werden? Sie sind es ja, so gut wie er und ich. Er mag tugendhafter sein als sie; aber machen die Tugenden den Deutschen? Wer giebt uns das Recht, unsere Mitbürger dieser oder jener Kategorie wegen der Fehler, welche im Allgemeinen dieser Kategorie, es sei auch mit Recht, zur Last gelegt werden, aus der Reihe der Deutschen zu streichen?" Das Austteten des Herrn v. Treitfchke wird wie folgt charatterisirt: „Was Herr v. Treitfchke, der Mann, dem unter allen ihren Schriftstellern die deutsche Nation in ihren letzten großen Krisen den meisten Dank schuldet, deffen Feder eines der besten Schwerter war und ist in dem gewendeten aber nicht beendeten Kampfe gegen den alten Erbfeind der Nation, sagte, war damit anständig gemacht. Daher die Bombenwirkung jener Artikel, die wir alle mit Augen gesehen haben. Ter Kappzaum der Scham war dieser „ttefen und starken Bewegung" abgenommen; und jetzt schlagen die Wogen und spritzt der Schaum." „Ohne Zweifel hat Herr v. Treitfchke diese Wogen und diesen Schaum nicht gewollt, und es fällt mir nicht ein, ihn für die einzelnen Folgen seines Auftretens verantwortlich zu machen. Aber die Frage ist doch unerläßlich: was hat er gervollt? Jene „tiefe und starke Bewegung" hatte doch wohl irgend einen Zweck? Ein kleines klares Wort darüber wäre nützlicher gewesen als all die ziellosen großen. Nur so viel ist klar: jeder Jude deutscher 'Nationalität hat den Artikel in dem Sinne aufgefaßt und ausfassen müssen, daß er sie als Mitbürger zweiter Classe bettachtet, gleichsam als eine allenfalls besserungsfähige Sttafcompagnie. Das heißt den Bürgerkrieg predigen." Er fordert Treitfchke aus, zu erklären, ob er wirklich der Rathgeber gewesen sei, der die Studenten zur antisemivon ihm zugeschriebene) decomponirende Natur gegen sich selbst verwenden. Denn allerdings merkwürdiger Weise hat dieses decomponirende Wesen sich an ihnen selbst nie bewährt, weshalb wir eben die Richttgkeit dieses Naturelements in den Juden stark bezweifeln. Er tadelt die vielen specifisch jüdischen Vereine. Dies ist aber nur ein Zeugniß, daß Mommsen in seinem Jdeengange die wirklichen Berhältniffe übersieht. Wer zählt mehr specifische große und kleine Vereine und Veranstaltungen als die Katholiken? Bon ihnen sind die Protestanten und die Juden ausgeschlossen. Wir erinnern z. B. nur an die katholischen Gesellenvereine und Herbergen. Wie viele specifische Vereine und Anstalten haben nicht die Protestanten? Bon ihnen sind die Katholiken und die Juden ausgeschlossen, z. B. die Universitätsstipendien. Wie? sollen nun die ausgeschlossenen Juden um der abstracten Idee willen, gar nichts Eigenes besitzen zu sollen, damit Christen keinen Anstoß daran nehmen, ihre Armen und Hülflosen verhungern, ihre Kranken verschmachten, ihre Waisen verkümmern lassen? Welcher Menschenfreund wird dies fordern! Diese und keine anderen Zwecke, höchstens noch die des religiösen Unterrichts, haben die jüdischen Vereine, keine polittschen, keine nationalen, keine hierarchischen. Jedermann weiß übrigens, daß den allgemeinen Vereinen irgend welcher Art die Juden niemals fernbleiben, wenn man sie zuläßt. Uebrigens ist das Bereinswesen zu sittlichen und religiösen Zwecken altjüdisch und reicht bis in die älteste Zeit des Iudenthums zurück. So groß ist nun unser decomponirendes Element nicht, um mit einem Male unsre blühenden Wohlthättgkeitsanstalten aufzugeben. — Mommsen geht noch weiter, er fordert die Juden aus, Christen zu werden, sobald sie nur aus Opportunitätsrücksichten Juden bleiben. Er sagt zwar: „Wem sein Gewissen, sei es positiv oder negativ, verbietet, dem Judenthum abzusagen und sich zum Christenthum zu bekennen, der wird dem entsprechend handeln und die Folgen auf sich nehmen." Aber er schließt: „Der Eintritt in eine große Nation kostet seinen Preis; die Hannoveraner und die Hessen und wir Schleswig-Holsteiner sind daran ihn zu bezahlen, und wir fühlen es wohl, daß wir damit von unserem Eigensten ein Stück hingeben. Aber wir geben es dem gemeinsamen Vaterland. Auch die Juden führt kein Moses wieder in das gelobte Land; mögen sie Hosen verkaufen oder Bücher schreiben, es ist ihre Pflicht, so weit sie es können ohne gegen ihr Gewissen zu handeln, auch ihrerseits die Sonderart nach bestem Vermögen von sich zu thun und alle Schranken zwischen sich und den übrigen deutschen Mitbürgern mit entschlossener Hand niederzuwerfen."

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