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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-21 · Heft 51 (21.12.1880) · p. Seite 812

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 51 (21.12.1880)
Date
1880-12-21
Page
Seite 812 (sequence 12)
Language
German
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812 Ladung Seiner Königlichen Hoheit zn der am 25. d. M. stattfindenden Einweihung der neuerbauten Synagoge in Jever, habe im Höchsten Aufträge ich ergebenst zu erwiedern: Seine Königliche Hoheit lasten dem Herrn Landrabbiner und dem Synagogengemeinderath für die Einladung Höchst Ihren Dank sagen. Seine Königliche Hoheit sehen Sich zu Ihrem Bedauern an einer persönlichen Anwesenheit bei der Feier gehindert und haben deshalb mich zu beauftragen geruht, Höchst Sie bei derselben zu vertreten und der Gemeinde die lebhafte Theilnahme Seiner Königlichen Hoheit an der Vollendung des neuen Gotteshauses auszudrücken. An Ganz ergebenst den Herrn Landrabbiner Dr. Glück (gez.) Tappenbeck Hierselbst und den Synagogenge- Minister, meinderath in Jever. Ueber die Feier selbst berichten die Jeverländischen Nachrichten: Auf die Feier der Einweihung der neuen Synagoge unserer isrl. Gemeinde am Donnerstag wird gewiß jeder Theilnehmer mit Beftiedigung zurückblicken. Angefichts der in einem großen Theile unseres deutschen Vaterlandes herrschenden Krankheit der „Judenhetze" war es sehr erfreulich, daß Seine Königl. Hoheit unser Großherzog durch Entsendung seines Cultusministers seine Theilnahme an seinen israelitischen Unterthanen offenen Ausdruck gab. Aber auch die hiesige christliche Bevölkerung, speciell auch die gebildeten Stände, haben durch ihre Theilnahme an der religiösen Feier (eine beträchtliche Anzahl hat auch am Festesten Theil genommen) bewiesen, daß sie auch für ihre jüdischen Gemeindegenosten ein Herz haben und weit davon entfernt sind sich von jener Seuche anstecken zu lasten, die dem deutschen Volke wahrlich nicht zur Ehre gereicht. — Der Weihegottesdienst war ein sehr erhebender auch für die christlichen Zuhörer. Der Gesang wurde unter Begleitung der Stadt-Capelle recht gut ausgeführt. Der Landrabbiner, Dr. Glück, sprach über die Bedeutung und die Segnungen des Gotteshauses; seine Predigt war in edler Form gehalten und machte mit ihren schönen Gedanken den erbauendsten Eindruck. — Bonn, 5. Dec. (Notizen.) Man schreibt uns aus Bradford (England) vom 28. Nov. Letzten Mittwoch wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der verdient, in der Allgem. Zeitung des Judenthums erwähnt zu werden. Es ist Charles Calman, der verdienstvolle Präsident der hiesigen jüdischen Gemeinde. Bor Jahren war er aus Thüringen hierher gekommen, um sich dem Großhandel zu widmen. Mit seinem Erfolg und der Vermehrung seiner Glücksgüter hat er aber auch nicht sein Judenthum vergesten, sondern vor 7 Jahren mit noch einigen edelgesinnten Glaubensgenossen eine jüdische Gemeinde gegründet, in einer Stadt, in der man vorher kaum etwas vom Judenthum wußte. Ein jüdischer Begräbnißplatz ward durch seine Bemühung damals angelegt. Ganz besonders ließ Herr Calman es sich angelegen sein, die Gelder für die nun ihrer Vollendung nahende Synagoge zu sammeln. Der Dahingeschiedene war ein bescheidener, ruhiger Mann, voll des reichsten Wissens und bei Juden und Christen hoch angesehen, welches auch die große Zahl der ihn zur letzten Ruhestätte begleitenden Mitbürger bewies. Am Grabe hielt der Rabbiner Dr. Strauß eine tiefgefühlte, des Verstorbenen Verdienste würdigende Rede und am letzten Samstag eine Predigt über das Thema: Das Räthsel des menschlichen Lebens und seine Lösung, worin des Hingeschiedenen abermals feierlichst gedacht wurde. Vergangenen Sonntag wurde eine Gemeindeversammlung abgehalten, in der eine Beileidsadreffe an die Familie des sel. Herrn Calman beschlossen wurde. Solche Männer, wie unser Präsident gewesen, sind heutzutage selten und ihr Verlust ist groß für das Judenthum. Die hiesigen Zeitungen widmeten dem Verstorbenen ehrenvolle Nachrufe. Irgend welchen Unterschied kennt man hier Gott sei Dank nicht, und Verschiedenheit der Religion ist keine Ursache, einen Mann scheel anzusehen. Feuilleton. welche die Spitzen der hiesigen Gesellschaft nach dem allge- Das Loncert in -er Synagoge zu Wiesbaden.! Obgleich über dieses Concert bereits kurz berichtet wor-1 den, so wird doch folgendes Referat aus der „Wiesb. Montags- Zeit." interessiren. Das Concert in der hiesigen Synagoge zum Besten des Pensionsfonds für die israelitischen Cultusbeamten, welches verfl. Freitag Abend stattsand, darf als ein Glanzpunkt der Saison bezeichnet werden. Nur mit Mühe vermochten wir uns einen Weg durch das dichtgedrängte Publikum, welches die Synagoge umlagerte, wie durch die endlose Wagenrcihe, meinen Rendez-vous der Synagoge führte, zu bahnen, doch in der Synagoge selbst herrschte, trotzdem Alles bis auf den letzten Platz ausverkauft war, die musterhafteste Ordnung, Dank der Umsicht und Zuvorkommenheit der Mitglieder des Comitvs, welche jede einzelne Person an ihren Platz geleiteten; bei Eintritt in die prachtvolle Synagoge waren wir wahrhaft ftappirt über den imposanten Totaleindruck, welchen dieser herrliche Tempel Gottes auf uns machte, und fragten wir uns erstaunt, wie es möglich war, daß uns bei wiederholten Besuchen, welche wir der Synagoge mit fremden Gästen, allerdings am Tage, machten, dieses herrliche Gottes-

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