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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-21 · Heft 51 (21.12.1880) · p. Seite 811

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 51 (21.12.1880)
Date
1880-12-21
Page
Seite 811 (sequence 11)
Language
German
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811 Herr Kaufmann sich befand, die Hebung nicht nach dem Wunsche des Herrn Premier-Lieutenants v. Seydlitz ausgeführt, alle wurden ermahnt, strikter im Dienste zu sein, dem Herrn Kaufmann wurde jedoch von dem Herrn Premier-Lieutenant v. Seydlitz noch die ganz besondere Bemerkung gemacht, „er glaube, daß die Faulheit in der jüdischen Race liege". 4. Der Feldwebel Herr Gieseking, wenn derselbe Beranlaffung hatte, über den Herrn Kaufmann zu sprechen, so bezeichnete er denselben fast immer statt seines Namens mit der Devise: „der Jude". 5. Eines Tages war für den Herrn Kaufmann ein Packet angekommen. Während derselbe abwesend war, betrat der Feldwebel Herr Gieseking die Stube, worauf sich auch dessen übrige Coüegen befanden und richtete folgende Frage an Letztere: „Ist der Mauschel, der Jude, nicht da, er soll sich bei mir einen Futtersack (Packet) holen!" 6. In dienstlicher Nebereilung hatten mehrere, worunter auch Herr Kaufmann sich befand, ihren Brustbeutel vergeben. Es fand dieses statt in den ersten Tagen der Dienstzeit, wo vermuthlich Herr Kaufmann mit der schuldigen Disciplin noch nicht vollständig vertraut war und glaubte sich deshalb, wie auch feine übrigen Collegen dies gethan, bei dem Herrn Feldwebel Gieseking pflichtschuldigst entschuldigen zu müssen. Als Entgegnung hierauf trat der Herr Feldwebel mit überaus lauter Sttmme auf Herrn Kaufmann zu und sagte ihm: „Halten Sie Ihr Maul, Sie find nicht hier in der Synagoge, wo Sie Ihre Geschichten machen können." 7. Beim Einüben der Honneurs mußten alle bei dem Herrn Borgesetzten Vorbeigehen. Alle übrigen wurden dabei gefragt, wie zu grüßen sei, wenn dieser oder jener der höheren Herrn Borgesetzten ihnen begegne. Als jedoch Herr Kaufmann an die Reihe der Gefragten kam, wurde ihm die Frage und zwar in einem lachenden Tone von dem Herrn Sergeant Foy: „Wenn Ihnen ein Rabbiner begegnet, was thun Sie dann?" Wir könnten noch verschiedenes hierauf bezügliches Gravirendes mittheilen, was wir jedoch unterlassen. Welchen höchst betrübenden Eindruck diese Vorfälle auf den größten Theil der hiesigen Gemeindemitglieder gemacht, vermögen wir hier kaum zu schildern, um so mehr, da Herr Kaufmann, sowohl als Bildner der Jugend, wie auch als Religionslehrer, in allgemeiner Achtung steht. Wir fühlen uns deshalb als Vertreter der hiesigen Synagogen-Gemeinde gewissenhaft verpflichtet , einem Königlichen Hohen Generalcommando von diesem Vorfälle ganz ergebenst Kenntniß zu geben. da wir die bestimmte Ueberzeugung haben, daß das religiöse Bekenntniß eines Soldaten kein Motiv ist, dasselbe, wie hier geschehen, im Dienste und besonders in einer solchen Weise hervorzuheben. Schließlich gestatten wir uns noch die ganz gehorsamste Bitte auszusprechen, daß es uns äußerst angenehm wäre, wenn Köngliches Hohes. Generalcommando die Geneigtheit hätte, uns von dieser unserer Mittheilung gütigst demnächst bescheiden lassen zu wollen, damit wir in der Lage sind, hiervon den sich hierbei interessirenden Gemeindemitgliedern Kenntniß geben zu können. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnet ergebenst Der Vorstand (gez.) I. Löwenstein, C. Neustädter, H. Stein. Hierauf erfolgte die nachstehende Bescheidung: Münster, 19. Nov. 1880. .An den Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Preuß. Oldendorf. Auf die gefällige Vorstellung vom 16. d. M. theile ich ergebenst mit, wie ich Anordnung getroffen habe, daß bei Behandlung der Mannschaften seitens des Regiments überall stritte nach den Allerhöchst darüber gegebenen Vorschriften ver fahren wird. Der commandirende General (gez.) Graf Stolberg-Wernigerode. Halle, 8. Dec. Der zeitige Rector der hiesigen Universität hat in einer Mahnung an die hiesigen Studenten zum Frieden aufgefordert und jede Betheiligung an Agitationen iu einer jetzt vielbesprochenen Frage als gefährlich für die Einigkeit -und den Frieden der Hochschule perrhorescirt. Hannover, 30. November. Die bekannte Antisemiten - petitton ist auch dem hiesigen Magistrat mit der Bitte zugesandt, feine Kraft und feinen Einfluß dahin aufzubieten, dieselbe möglichst zu verbreiten und wirksam zu machen, ein Ansinnen, welches, wie der „Hann. Cour." hört, der Magistrat in richtiger Würdigung seiner Stellung energisch zurückgewiesen hat. Jever, im November. (Privatmitth.) Am 25. d. M. feierte die hiesige isrl. Gemeinde das Fest der Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Was in dieser, für die Bekenner des Judenthums so schweren Zeit diesen Act uns besonders erhebend macht und zugleich freudig Berührendes für die Glaubensgenossen in Deutschland enthält, ist theils die rege Betheiligung unserer christlichen Mitbürger, theils die Theilnahme der Orts- und Staatsbehörden der Stadt und des Kreises, insbesondere aber die hierbei gezeigte hohe Gnade unseres geliebten Landesherrn, Sr. König!. Hoheit des Großherzogs von Oldenburg. Infolge ergangener Einladung erschien am Tage der Einweihung der Cultusminister als Bertrcter Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, der sich vorher durch folgendes Schreihen wegen seiner Nichtbetheiligung hatte entschuldigen lassen. Oldenburg, den 22. November 1880. Auf Ihr an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtetes Schreiben vom 13./16. d. M., betreffend Ein-

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