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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-21 · Heft 51 (21.12.1880) · p. Seite 813

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 51 (21.12.1880)
Date
1880-12-21
Page
Seite 813 (sequence 13)
Language
German
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813 Haus nicht in seinem vollen Werthe erkannten, welches von! Jos« Lederer, A. Peschier, H. Philippi, wie des Männerchors Herrn Oberbaurath Hofrnann erbaut, bis in die kleinsten Details so edel, schön, styl- und kunstgerecht ausgeführt ist, daß es ein harmonisches Ganzes bildet, wie wir in der weiten Welt, wir sagen nicht zu viel, noch kein schöneres sahen. Größere, durch verschwenderische Pracht überladenere sahen wir wohl in Paris, Marseille rc., schönere nicht! Und wenn Frank-- furt uns in mancher Beziehung überbietet, wenn sein Opernhaus rc. das schönste Deutschlands ist, seine Synagoge reicht, wie man zu sagen pflegt, der hiesigen, welche ein wahres Schmuckkästchen von Architectur ist, das Waffer nicht; wir möchten allen, die etwa Zweifel hegen, ob das von uns Gesagte nicht etwa übertrieben sei, ersuchen, die Synagoge Freitag Abends, wo sie, wie wir hören, während des Gottesdienstes beleuchtet ist, zu besuchen, und man wird sich überzeugen, daß wir in diesem kurzen Referate, welches ja nur dem heute stattgehabten Concerte gelten soll, dieses herrliche Baudenkmal nicht voll und ganz zu würdigen vermochten. Erstaunt bewunderten wir noch den imposanten Bau, da plötzlich ging eine Bewegung durch das Auditorium, welche uns aus all den Betrachtungen riß, in welche uns der Anblick des herrlichen, in der magischen Beleuchtung so andachtsvoll stimmenden Gotteshauses versetzt hatte, — ehrfurchtsvoll begrüßt schritten II. K. K. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen und S. H. der Erbgroßherzog von Meiuingen, mit seiner hohen Gemahlin und Gefolge, durch das Kirchenschiff nach der von Herrn Hofkunstgärtner A. Weber auf das Prachwollste geschmückten Estrade vor dem Allerheiligsten zu, wo Fauteuils im Halbkreise für die Allerhöchsten Herrschaften bereit standen, und wie ein Strahlenkranz reihten sich die Träger Hoher Erlauchter Namen im Halbkreis Zu Füßen der Estrade, wir nennen nur Ihre Durchlaucht die Frau Prinzessin Ardeck, Se. D. Prinz Nicolaus von Naffau, Herrn Regierungspräsident o. Wurmb u. A., um kuh zu sein, die gesammte Laute volee war vollzählig vertreten. Die Herren Simon Heß, erster und Louis Heymann, zweiter Präsident des Synagogen-Gesangvereins hatten bei Eintritt in die Synagoge Namens des Gesammtvorstandes, welcher die Allerhöchsten Herrschaften am Hauptportale empfing, I. K. K. Hoheit der Frau Kronprinzessin und Höchstderen Tochter, der Frau Erbgroßherzogin von Meiningen, je ein prachtvolles Bouquet überreicht, welches in huldvollster Werse acceptirt wurde. Nachdem die Allerhöchsten Herrschaften kaum Platz genommen, begann das Concert unter W. Jahns persönlicher Leitung durch eine von Herrn E. Uhl auf der schönen Orgel meisterhaft vorgetragene „Orgel-Sonate" von Mendelssohn. (Wir bemerken hierbei, daß die Akustik der Synagoge nichts zu wünschen übrig läßt und dadurch alle Borträge zur besten Geltung gelangten) Hieran reihten sich in prompter Reihenfolge die Borträge von Frl. Hedwig Rolandt und der Herren des Synagogen-Gesangvereins unter der trefflichen Leitung des Dirigenten, Herrn Koch, und schloß das Concert mit dem von Herrn Hofkapellmeister Jahn componirten „Lobgesang" für Solo, Chor und Orgel (Text von H. Dickmann), welcher von dem durch den Theatercorps verstärkten Synagogen-Gesang verein ganz brilliant executirt wurde; in den Soli's brachte Herr Philippi seine mächtige sympathische Stimme zur vollen Geltung und als es feierlich durch den Tempel erklang: „Er ist einzig und ewig Gott, unser Herr!" und der Chor mit seinen prachtvollen sonoren Stimmen jubelnd einfiel: „Singe, Israel, dem Höchsten! Er behütet Zion ewig. Halleluja!" da erfaßte alle Anwesenden eine so weihevolle, begeisterte Stimmung, da überkam es Alle so sonderbar, als fühle man die Nähe Gottes, des Ewigen Höchsten, dem wir ja Alle, wenn auch in verschiedenen Zungen, unter verschiedenen Namen und in verschiedenen Tempeln preisen. Haben ja doch die Angehörigen aller Nationen, die Völker aller Zungen, die Bekenner aller Religionen bereits eine „Universalsprache, welche das, was in jedem Herzen unbewußt schlummert, zum Leben erweckt, eine Sprache, in welcher wir uns verstehen, begreifen, miteinander denken, fühlen, lernen, die göttliche Kunst, die Macht der Töne", und mit dem Dichter rufen wir begeistert aus: „Musik, du mächtige, vor dir verschwindet der armen Sprache ausdrucksvollstes Wort! Warum auch sagen, was das Herz empfindet? Lebt doch in dir die ganze Seele fort!" — Mögen anderwärts finstere Fanatiker immerhin Haß anstatt Liebe predigen und des Glaubens halber Bürger gegen Bürger hetzen wollen, hier bei uns, — das bewies der Verlauf des herrlichen Concertes in der Synagoge, — ist kein Feld, auf welchem religiöser Fanatismus fruchtbaren Boden findet, und die Anwesenheit der Allerhöchsten Herrschaften bewies uns klar, daß die hiesige Bevölkerung in Bezug auf Toleranz sich in vollem Einklang, wie mit unserem erhabenen Kaiser, so auch mit dem künftigen Herrscher unseres gemeinsamen Vaterlandes befindet. Möge es immer so sein!— Der pekuniäre Erfolg des Concertes soll, wie der künstlerische, ein ganz außerordentlicher sein. Die Allerhöchsten Herrschaften sprachen dem Comit« gegenüber ihre vollste Anerkennung über den Verlauf des Concertes aus, und mag diese Anerkennung sowie das Bewußtsein einen edlen Zweck gefördert zu haben, sämmtliche Mitwirkenden für ihre viele Mühe und Hingebung entschädigen.

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