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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-21 · Heft 51 (21.12.1880) · p. Seite 809

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 51 (21.12.1880)
Date
1880-12-21
Page
Seite 809 (sequence 9)
Language
German
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809 so wenig berührt worden, wie das in Berlin der Fall war; des Lichts gegen die Finsterniß" theilt Herr Stöcker vor Allem in der ersten Abtheilung sind die Liberalen siegreich geblieben j der akademischen Jugend zu, nun sie führt diesen Kampf bei und von den ausscheidenden Stadtverordneten sind nicht uns recht wacker, die Petition dürfte von 800 Studenten weniger als 23 wicdergewählt. In der zweiten Abtheilung höchstens 30 Unterschriften erhalten. Der historische Bergelang es der freien Vereinigung, drei bis vier hervorragende Stadtverordnete zu verdrängen, deren Candidaturen dann in der ersten Claffe erfolgreich ausgenommen wurden. Die Zahl der von der freien Vereinigung gegen die Liberalen durchgesetzten Candidaten beträgt vier, während eine größere Anzahl der von ihnen vorgeschlagenen Männer auch von liberaler Seite Unterstützung gefunden hatte und in Folge besten gewählt wurde. Es ist selbstverständlich und wünschenswerth, daß bei Communalwahlen die politischen Parteiunterschiede, wenn überhaupt, doch nicht mit der Schärfe betont werden, wie bei politischen Wahlen. Darum ist es schwer, den politischen Charakter der erfolgten Wahlen mit ziffermäßiger Präzision nachzuweisen. Eine Niederlage der liberalen Partei liegt aber nicht vor. — Der „Nat.-Zeitg." schreibt man: Tie Petition an den Reichskanzler „zur Einschränkung jüdischen Einflusses" liegt hier öffentlich von Morgens 8--1 Uhr und Rachmitags 3—7 Uhr in einem Locale der Mestergaste auf. Ein „Comite deutscher Gesinnungsgenossen", welches daselbst seinen Sitz hat und den Aufruf zur Unterzeichnung unter nochmaligem Abdruck des Wortlautes der Petition erläßt, fügt demselbem ein hat mit froher satirischer Laune, unter Assistenz des Herrn Prof. Rühl, die Petition unisono zurückgewiesen. Aus den Reihen der hier sehr stark vertretenen Couleurs wird mir die Mittheilung, daß sie das Schriftstück etwas energisch ad acta legen werden. Es zeigt sich hier deutlich, daß der Geist der neuen Zeit, den die „Grenzboten" in einer großen Zukunftspartei gegen die Judenheit erwachen und die „Schlesische Zeitung" vom 6. huj. an den Universitäten aufdämmern sieht, im Grund der Herren eigener Geist ist, der ihnen hallucinirend aus den Berliner Ulkscenen im Auditorium Lasson cntgegenleuchtet. Berlin und Leipzig nehmen in der Frage eine ganz eximirte Stellung ein. Vor 5 Semestern spukte bereits an der alma matsr Lipsiensis ein Stück Judenfrage herum und zur 150 jährigen Lessingfeier erlaubte ich mir in einem größeren Kreise von Commilitonen damals die Worte: „Wenn auch die Feier Lessings bei einem großen Theil unserer Zeitgenosten stark umnachtet erscheint, wenn auch schwarze Wolken am Horizont unseres Vaterlandes sich ballen, sie sind uns doch unverrückbar zu Häupten die Sterne Lessings und seiner Gefolgsmannen und in diesem Zeichen muß und wird der Sieg kommen. Ich fand Zustimmung und fand hinzu: „Bemerkt wird, daß die Unterschrift, welche auch durch! Gegner, aufrichtige, die vom Heliand an nur eine rechte Zuschrift abgegeben werden kann, nur dazu bestimmt ist, dem! christlich-germanische Literatur anerkennen wollten, und solche, an den Reichskanzler abgehenden Exemplar beigefügt zu werj die sich von persönlichen Antipathien leiten ließen. Diese den, daß es aber nicht in der Absicht liegt, die bereits zu! persönlichen Antipathien erwiesen sich leider als sehr stark, vielen Tausenden abgegebenen Beitrittserklärungen zu veröstent-1 und — cs muß gesagt werden — ein großer Theil jüdischer lichen." Das Comitv scheint danach zu fürchten, daß die größere Commilitonen, namentlich in Berlin, verdient diese Miß- Theilnahme an seinen Bestrebungen von der Geheimhaltung 1 achtnng. Diese modernen jüdischen Studenten sind allem derselben — auf eine solche kommt es schließlich doch hinaus Andern eher als dem Judenthum ergeben, ihnen gilt das — abhängig sei, und es beeilt sich, zur schnelleren Förderung Wort aus dem gegnerischen Lager: „Mögen sie die rcligiösseiner Zwecke diese zuzusichern. i nationale Gemeinschaft pflegen, aus der sie ihr sittliches Leben Bekanntlich hat der städtische Gymnasialdirektor gegen nähren." Das eitle Hervordrängen dieser Gruppe cbaractcden Di*. Fechner einen Antrag auf Disciplinar-Untersuchung j risirt ein Wort des Anatomen Reichard, der die Erklärung wegen seiner Unterzeichnung des Aufrufs zur antisemitischen i der „Philosemiten" unterzeichnet hat. Ein jüdischer Mediciner Petition bei dem Provinzial-Schulcollegium gestellt. Dies > bestand bei ihm sein Examen vorzüglich, „sind Sic Jude?" fragte hat nun den Antrag als unbegründet abgelehnt und den! ihn der Profestor. Ja, erwiderte Freund F. „Dann geben Direktor angewiesen, dem Profestor Dr. Fechner von dieser - Sie mir Ihre Hand, Ihre Glaubensgenostcn auf dem seiner Entscheidung Mittheilung zu machen. Herr I)> . Fechner Präparirfaal schreien viel, wisten aber weniger", schloß hat eine derartige Mittheiluug bereits erhalten. der Professor. Schon vor einem Jahre wurde die Stimmung Aus Ostpreußen, 7. Dez. (Privatmitth.) Aus Ihre in den Berliner Hörsälen in Folge davon eine unangenehme; werthe Anfrage nach der Stimmung, welche gegenüber der , brutale Schimpfereien fanden sich am schwarzen Brett. Mit antisemitischen Petition an der Universität Königsberg herrscht,! dem Vorfall Laston ist eine acute Krisis cingctreten, möge und nach der Aufnahme, welche die Petition in hiesigen hüben und drüben eine andere Richtung siegen. Die ein- Kreisen überhaupt gefunden, kann ich Ihnen heute Bericht! festige Streberei gewisser jüdischer Commilitonen darf in erstatten, da die Petition nunmehr seit einigen Tagen aus! einem Examenerfolg keinen Freibrief für arrogantes Sich- Leipzig unserer Albertina übermittelt wurde. „Den Kampf gehenlassen sehen. Wer noch keine vertiefte Bildung durch

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