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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-21 · Heft 51 (21.12.1880) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 51 (21.12.1880)
Date
1880-12-21
Page
Seite 807 (sequence 7)
Language
German
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807 Blätter: „Am Freitag Abend 8 Uhr waren gegen 400 als eine Kundgebung der hiesigen Studentenschaft an Se. Studenten, welche sich der Petitton an den Reichskanzler an-Magnificenz den Herrn Rector abgehen, um ihn und unsere geschloffen hatten, zu geschäftlichen Mittheilungen bei Rönisch,! anderen hochverehrten Herren Lehrer zu überzeugen, daß wir Unter den Linden, versammelt. Der Besitzer des Lokals hatte stets unser Gerechtigkeitsgefühl, nicht aber persönliche Antidarauf bestanden, daß sehr vielen, etwas zu spät kommenden Pathien zur Richtschnur unseres Denkens und Handelns Commilitonen der Eintritt in die überfüllten Säle versagt nehmen werden. Das Comitä. Riens, stud. math. Koppenwerde. Die Versammlung verlief ohne Debatte und trennte sich schon um 10 Uhr. Mit Bezug auf die lärmende Demonstratton gegen Profeffor Laffon sprach man sich, berichtet die „Post", einstimmig dahin aus, daß „dieselbe als Folge verschiedener provocirender Vorgänge leider zwar erklärlich, nichtsdestoweniger aber höchst bedauerlich sei". Gleichzeitig kamen alle Anwesenden, eingedenk der Mahnungen Profeffor Heinrich von Treitschke's, überein, jeden neuen Tumult, wie er von anderer Seite geplant sein sollte, nach besten Kräften zu verhindern. Es sei zu erwarten, „daß auch Profeffor Laffon die Form zu einem entgegenkommenden Schritte finden und seine jüdischen Schüler von weiteren Provocationen (wie demonstratives Klatschen) zurückzuhalten wiffcn werde." (Man sieht, diese Leute wollen jetzt die Schuld von ihren Schultern auf die der jüdischen Studenten wälzen. Diese sollen provocirt haben, während die große Masse der Tumultuanten sich absichtlich in das Laffon'sche Colleg begeben hatten, um zu tumultuiren!) Die obenerwähnte Erklärung der Studenten ist in folgender Veröffentlichung enthalten: Es geht uns der nachstehend gedruckte Ausruf mit der Bitte um Veröffentlichung und dem Bemerken zu, daß derselbe nicht zur Cirkulation in den Hörsälen besttmmt sei, sondern lediglich auf Privatwege verbreitet werden solle. Die Comitm mitglieder erklären sich zur Entgegennahme von Beitrittserklärungen an die Studentenschaft Berlins christlicher Religion bereit. Der Aufruf lautet: Commilitonen! Unbeirrt von den Leidenschaften des Tages hat die deutsche Studentenschaft stets den Sinn einer schönen Brüderlichkeit zu pflegen gesucht. Wenn irgendwo, so haben bei uns ideale Gesinnungen, ideale Besttebungen eine Stätte gefunden. Commilitonen! Die Nation darf erwarten, daß wir diesen Grundsätzen gerade jetzt getreu bleiben, wo eine zwieträchtige Bewegung den allgemeinen Frieden des Vaterlandes zu gefährden droht. Statt uns in Hader zu stürzen, wollen wir daran sesthalten, daß ein theures Band uns deuffche Studenten Alle,! Christen und Juden, umschlingt: die Liebe zum gemeinsamen Baterlande. Darum, thenre Commilitonen, lasset uns offen erklären, daß wir das Verfahren derjenige: unserer Commilitonen mißbilligen, welchetm Begriffe sind, für die antisemitische Agitation Partei zu nehmen. Die Unterzeichneten fordern deshalb die Commilitonen auf, mit ihnen Zeugniß dafür abzulegen, daß die Mehrheit der Berliner Studentenschaft diejenige Unbefangenheit besitzt, welche allein die geziemende ist. Gleichzeitig soll diese Unterschriftensammlung straße 77. Alfred Fischer, stud. med., Schäferstraße 8. Herzberg, stud. rer. mit., Neue Königstr. 87. Schubert, stud. jur.. Charlottenburg, Spreestr. 26. Fleischer, cand. jur., Charlottenburg, Lützowstr. 9. Schmilinsky, stud. med., Charlottenbnrg, Berlinerftraße 137. Geißler, stud. phil., Charlottenbnrg, Knefebeckstr. 2. Wolff, stud. phil., Fennstr. 18. Spangenberg, stud. phil., Teltowcrstr. 54. Knicke, stud. phil., Tieckstr. 21. Francke, stud. med., Keffelstr. 29. Heilborn, stud. med., Breiteftr. 28. I. — Der „Börsen Courier" macht darauf aufmerksam, daß Flugblätter, von der Anlisemiten-Liga berausgegeben, neuerdings sogar vor den Thüren hiesiger Gymnasien an die Schüler, und selbst an Schüler von sieben bis acht Jahren vertheilt worden seien. — Der ,.K. Z." schreibt man: „Die Colporteure, welche bisher lediglich die Verbreitung der Stöcker'schen Inden- Petition betrieben haben, haufiren gegenwärtig mit Unterschriftsbogen für Aufhebung der obligatorischen Civilehe und versichern geschäftig, Fürst Bismarck sei dafür und wünsche nur, sich auf recht viele Unterschriften ans allen Schichten des Volkes stützen zu können". Ja nun, das Geschäft soll leben! Nach der obligatorischen Civilehe kommt wieder ein anderes Stück der bestehenden Gesetzgebung an die Reihe, bis die ganze „gute alte Zeit" wieder hergestellt ist. Wie übrigens das Volk von der „Majestät des Gc setzes", von welcher jetzt wieder öfter die Rede ist, durchdrungen sein soll, wenn es immerfort aufgefordert wird, gegen die verfassungsmäßig bestehenden Gesetze zu demonstrircn, und ihm weiß gemacht wird, es brauche nur in Massen seinen Namen unter den ersten besten Wisch zu schreiben, um die Gesetze zu Falle zu bringen, das ist nicht erfindlich, wohl aber führt es zur Anarchie und zu der Bor stellung von der Bolksfouveränität, welche doch die Ultramontanen und Reactionäre ebenso perhorresciren, wie fürchten! Aber der Zweck heiligt ja die Mittel. Nun, das ist aber mals eine Gelegenheit, bei der sich ein Theil der deutschen Studentenschaft betheiligen kann. Ihre eigene Zukunft ist dabei ebenso engagirt, wie bei der Gleichstellung der Juden. Diese letzteren können übrigens damit zufrieden sein, wenn die Agitation gegen sie immer mehr ihre Maske abwirft. — Bon Hrn. Mannheimer ist gelegentlich der Feier feiner silbernen Hoch zeit eine Schenkung in Höhe der großen Summe von hunderttausend Mark an die jüdische Altervcrsorgungsanstalt in der Großen Hamburger Straße gemacht worden. Berlin, 12. Dec. (Privatmitth.) Für Stöcker war

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