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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-21 · Heft 51 (21.12.1880) · p. Seite 804

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 51 (21.12.1880)
Date
1880-12-21
Page
Seite 804 (sequence 4)
Language
German
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804 Handelsbeziehungen erfunden, welche die Völker verbinden, wie z. B. den Wechselbrief. Sie trieben Künste und Wifsenschaften. Schon vor zweitausend Jahren hatten sie bemerkenswerthe moralische und intellektuelle Begriffe, welche die Tradition um so bester erhalten hat, als die allgemeine Zerstreuung doch die Jsolirung der Race nicht hinderte. Daher kommt es, daß ein Israelit, wenn er auch seinem Urgroßvater oder einem weiter entfernten Ahnen gleicht, dennoch die Eigenschaften und Fehler eines civilisirten Menschen und zugleich jene schöne Bildung seiner Race besitzt, die von den Künstlern mit so viel Recht bewundert wird." „Die christlichen Völker im Gegentheile treten kaum aus der Barbarei heraus. Ihre Civilisation hat in Central- Europa seit drei Jahrhunderten und in Rußland erst seit Peter dem Großen begonnen. Sie haben noch immer gegen ihre früheren Gewohnheiten des Raubes, der Ungerechtigkeit, der moralischen und physischen Gewaltthätigkeiten zu kämpfen. Im Süden unseres Continents giebt es noch Bevölkerungen, welche die Blutrache für eine Tugend halten, selbst wenn sie gegen die Nachkommen eines Beleidigers geübt wird. Die westlichen Küsten Europas haben Bewohner aufzuzeigen, welche über einen Schiffbruch jubeln, weil er ihnen Gelegenheit zum Plündern giebt. In unseren civilisirtesten Staaten verbrannte Historiker, wie Treitschke, dieses Buch vielleicht nicht gelesen haben werden, (was kümmern den Don Quixote der Geschichtswiffenschaft die Naturwissenschaften?) habe ich die ganze charakteristische Stelle wörtlich übersetzt. Sie rührt von einem Manne her, dessen Borfahren als Protestanten aus Frankreich nach Gens flüchteten und der in der Botanik denselben hohen Rang erklommen hat, welchen fein Vater vor ihm einnahm. Eine alte Naturforscherfamilie — und so hat denn auch Alph. de Candolle die Verhältnisse ganz objektiv mit dem Auge des Naturforschers untersucht." Was Herr Carl Bogt nun weiter in seiner energischen und drastischen Weise über die Judenhetze iu Deutschland sagt, übergehen wir hier. Es gipfelt in dem Satze: Wenn Ihr sagt, die Juden seien Euch überlegen, warum thut Ihr es ihnen nicht zuvor? Unsere Leser wissen, daß wir diese Behauptung von der Ueberlegenheit der Juden stets mit aller Kraft zurückgewiesen haben, weil sie factisch unwahr ist und von unsren Gegnern nur als ein Mittel benutzt wird, um den Haß des Volkes gegen uns zu wecken. Denn die meisten Menschen hassen den, den sie sich überlegen glauben und von dem sie voraussetzen, daß er diese Ueberlegenheit zu ihrem Schaden mißbraucht. Aber es ist eine wahre Lächerlichkeit, von der Ueberlegenheit der Juden der großen man vor zweihundert Jahren die Ketzer und vor hundert! Jahren die Hexen. Noch im 18. Jahrhundert waren arbi-> träre Verhaftungen an der Tagesordnung, und Leute von hohem Range schämten sich nicht, ohne Scheu vor Gesetzen und Gerichten, die Niedergestellten prügeln zu lassen. Im Anfang unseres Jahrhunderts henkte man noch in England einen Menschen wegen eines geringfügigen Diebstahls. Die Kriege sind noch immer scheußlich und die Seeräuberei kaum außer Mode gekommen. Seinen Voreltern ähnlich zu fein, ist demnach unter uns nicht ganz gefahrlos. Die Gewaltthätigkeit unserer Ahnen muß nach den Gesetzen des Atavismus von Zeit zu Zeit wieder auftauchen. Diese Gewaltthätigkeit war in Folge einer langen Gewohnheit ein Instinkt! geworden; es braucht Zeit, um andere Instinkte zu schaffen.! „Gestern", sagt Galton in seinem Buche: Rereäitarv Oenius,! „gestern war der Mensch noch ein Barbar; man darf deshalb! nicht verlangen, daß die natürlichen Fähigkeiten seiner Race sich schon im Berhältniß zu den wirklichen Fortschritten umgestaltet hätten, die er gemacht hat. Wir Menschen der Neuzeit, wir sind wie Bestien, welche in ein Land verpflanzt sind, das ungewohnte klimatische Verhältnisse und Nahrung bietet. Unsere Instinkte gehen in diesen veränderten Verhältnissen irre." „So lauten die Naturgesetze." — Karl Bogt fügt hinzu: „Ich wüßte nicht, wie man den Kern der ganzen ekelhasten Treitschkerei und Stöckerei, die jetzt in Deutschland umgeht, besser ausschälen könnte. Aber gerade, weil selbst deutschen Nation gegenüber zu fabeln. Carl Bogt weiß dies so gut wie wir; aber er bedient sich des von den Judenhetzern so vielfach gebrauchten Arguments, um seinen Spott über diese auszugießen. Die Verhaudlunz -es preußische» Abgeordnetenhauses. (Fortsetzung.) Nach der zweiten Debatte (am 22. Nov.) konnte das Manöver nickt mehr unklar bleiben, über das die Rechte und das Centrum sich vereinigt hatten. Am ersten Tage sollten die gemäßigten und besonnenen Führer (Heydebrand- Reichensperger und Windthorst) sprechen, am zweiten Tage, den der Bertagungsantrag ermöglichte, die eigentlichen Repräsentanten der beiden alliirten Parteien für die antisemitische Bewegung hervortreten. Hierzu hatte man den Kölner Advokaten Bachem, Stöcker und den als wilden Sprecher bekannten Stroffer gewählt. Daß die Parteien selbst durch den Mund dieser Männer redeten, das erweist sich aus ihrer Uebereinstimmung mit sämmtlichen Organen derselben Parteien, als auch aus dem leidenschaftlichen Ungestüm, mit welchem die eigentlichen Parteigruppen ihre Redner unterstützten. So zerfiel die Debatte in vier Rededuelle, von denen das erste von Bachem und Eugen Richter ausgefochten wurde. Jeder Unparteiische wird urtheilen, daß dieser Gang mit einer totalen Niederlage des ultramontanen Advokaten schloß. Nachdem nämlich der Abg. Dr. Meyer (Breslau)

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