Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1880)
- Date
- 1880-12-21
- Page
- Seite 803 (sequence 3)
- Language
- German
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803 Ganzen hat sie die Eigenschaften und die Fehler der hochcivilisirten Völker, d. h. vortreffliche Eigenschaften und erträgliche Fehler. Das Bild, welches Eurotza etwa zeigen würde, wenn es einzig von Israeliten bevölkert wäre, dürfte seltsam scheinen. Es gäbe dann keine Kriege mehr; das sittliche Gefühl würde demnach nicht so häuflg beleidigt, Millionen von Menschen würden nicht den nützlichen Arbeiten aller Art entrissen, und die Staatsschulden und die Steuern würden geringer werden. Den bekannten Tendenzen der Israeliten zufolge würde der Cultus der Wissenschaften, der Literatur, der Künste, besonders der Musik, sehr weit getrieben werden. Industrie und Handel würden blühen. Man würde nur wenige Angriffe auf Personen sehen, und die Vergehen gegen das Eigenthum würden selten ausgeführt. Der Reichthum würde durch die Wirkung einer mit Sparsamkeit verbundenen, intelligenten und regelmäßigen Arbeit ungemein zunehmen. Dieser Reichthum würde große Mildthätigkeit üben. Die Geistlichkeit würde mit dem Staat gar nicht oder nur über Nebendinge in Conflict kommen. Unglücklicher Weise gäbe .s manche Bestechungen und wenig Festigten bei den Beamten. Die Heirathen wären frühzeitig, häufig und ziemlich allgemein in Achtung gehalten; demnach wären auch die Uebel, welche aus Sittenlosigkeit hervorgehen, selten. Dieser Umstand, sowie einige gute hygienische Vorschriften würden dazu beitragen, die Bevölkerung gesund und schön zu machen. Die Geburten wären häufig, die mittlere Lebensdauer länger. Aus allen diesen Ursachen würde die Bevölkerung ungemein zunehmen. Es wäre etwa der Zustand Chinas, mit mehr Moralität, mehr Intelligenz, mehr Geschmack und ohne die scheußlichen Ausstände und Schlächtereien, die das himmlische Reich entehren." „Zur Entwerfung dieser Skizze bedarf es keines Aufwandes von Phantasie, denn sie beruht auf wohlbekannten Thatsachen. Aber ich beeile mich, hinzuzufügen, daß eine in solcher Weise zusammengesetzte Gesellschaft nicht lebensfähig wäre. Wenn in Europa oder in den benachbarten Ländern nur einige Nachkommen der alten Griechen oder Römer, der Cantabrer oder Celten, der Germanen, Slaven oder Hunnen zurückgeblieben sein sollten, so würde die ungeheure israelitische Bevölkerung, die wir annahmen, bald unterjocht, zerstampft und beraubt sein. Je größer ihr Reichthum, desto schneller ihre Plünderung. Je schöner die Rasse, um so mehr würde man sie behandeln wie die Circassierinnen und die jungen Gefangenen, die einst in Babylon weinten. Und wenn es keine Barbaren mehr in Europa geben sollte, so würden sie über's Meer herüber kommen. Mit einem Worte, die Annahme einer großen, sehr civilisirten, d. h. sehr humanen, sehr milden, sehr intelligenten und sehr reichen Bevölkerung ohne Plünderer und Despoten, welche aus ihr Nutzen ziehen, läuft ebenso den Thatsachen zuwider, wie die Annahme eines Continents, der nur von den Pflanzenfressern ohne Raubthiere bewohnt wäre. Man kann theoretisch eine höchst civilisirte Gesellschaft construiren, die von der Barbarei entfernt wäre, aber das wäre kein vollkommener Zustand, denn eine solche Gesellschaft könnte sich nicht vertheidigen." „Wie kommt es, daß diese kleinen, in der Welt zerstreuten jüdischen Gemeinden Eigenschaften und Fehler besitzen, welche einem vorgeschrittenen Zustand der Civilifation am besten entsprechen? Aus den gewöhnlichen Ideen der Philosophen und Geschichtsschreiber läßt sich diese Thatsache nicht erklären." „Wenn die Religion allein den Charakter der Juden und Christen bestimmte, so müßte man gerade das Gegcn-! theil von dem sehen, was man findet. Die Israeliten lasten! sich vorzugsweise durch das Alte, die Christen durch das Neue Testament leiten. Nun müßte gerade das Alte Testament j rauhe Sitten erzeugen und gewisse Ungerechtigkeiten entschuldi- | gen. Es stellt Gott als einen Rächer dar, der an mehreren | Generationen das Unrecht eines Vaters straft, der ein Volk 1 auscrwählt hat und somit die anderen vernachlässigt. Das , Neue Testament im Gegentheile ist von Milde, Wohlthätigkeit und Unterwürfigkeit durchdrungen. Gott wird in ihm! vorzugsweise als gut und mitleidig dargestellt; er nimmt alle j Menschen, ohne Unterschied^der Race und Herkunft, als seine! Kinder an. Die Milde und Demuth sind sogar bis zur j Uebertreibung anempfohlen, wie in dem Gebote, die andere I Backe darzubieten, wenn man auf die eine geschlagen wurde.! Nun sollen gerade die Juden bis zum Gehorsam gegen diese I seltsame Vorschrift demüthig sein, während die Christen häufig!hochmüthig, gewaltsam, ausschließlich in ihren Neigungen J und über die Maßen streng in ihren Gesetzen sind. Wenn j bic Religionen allein die Völker gebildet hätten, so könnten j die Juden ganz gut gewaltthätig sein, während die Christen ■ unterwürfig sein müßten. Das Gegentheil ist aber jber Fall."! „Man sagt: die Juden sind unterwürfig, mißtrauisch,! sparsam und ihren Angehörigen zugethan, weil sie seit langer \ Zeit verfolgt wurden. Aber viele christliche Völker sind auch ' verfolgt und in verschiedener Weise unterdrückt worden, ha-! ben aber unter solchen Verhältnisten stets gesucht, sich zu! empören. Die Juden haben geduldet und geschwiegen, während die Spanier unter den Arabern, die Polen, die Irländer und andere mehr sich ganz anders betrugen, wenn sie j glaubten, Ursachen zu Klagen zu haben. Die verhältnißmäßige > Milde der Israeliten hängt also weder von ihrer Religion,; noch von ihrer Behandlung ab. Die Naturgeschichte kann das! Räthsel allein lösen." I „Die jüdische Race ist eines der ältesten Culturvölker. ^das sich niemals mit einem anderen gemischt hat. Während -der brutalen Rohheiten des Mittelalters halten die Juden 51*