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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-14 · Heft 50 (14.12.1880) · p. Seite 795

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 50 (14.12.1880)
Date
1880-12-14
Page
Seite 795 (sequence 11)
Language
German
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heit, daß das friedliche Nebeneinanderleben aller Confessionen in hiesiger Stadt niemals gestört oder nur getrübt werde. Er forderte hierauf die Stadtverordneten, sofern sie dergleichen Anschauungen huldigten, auf, sich von ihren Sitzen zu erheben, was von allen Stadtverordneten geschah. Aus Thüringen den 26. Nov. In der jüngsten Versammlung des landwirthschaftl. Hauptvereins für das Herzogthum Gotha theilt der Vorsitzende mit, daß eine Zuschrift der Herren vr. Förster und vr. Jungfer (Berlin) eingelaufen sei, worin der Borstand ersucht werde, die an den Reichskanzler gerichtete Eingabe gegen die Ausbreitung des Judenthums durch die Vereinsmitglieder unterzeichnen zu lasien. Der Vorsitzende bemerkte sofort, das er eine Unterzeichnung der Eingabe nicht befürworten könne, da durch dieselbe Zustände heraufbeschworen werden sollten, die in das Mittelalter zurückführten. Hierauf wurde die Petition zwar verlesen, aber es erhoben sich soviel Aeußerungen des Mißfallens, daß die Sache damit beendigt ist. — Andererseits haben wir bereits einige Beispiele gebracht, wie die Juden vorkommenden Falls sich doch nicht allein auf den stillen Aergcr und tiefe Bekümmerniß beschränken, sondern mannhaft Widerstand leisten. So schreibt man aus Bromberg, daß gegen 50 jüdische Familien einem der dortigen Apotheker, welcher seiner Sympathie für die bekannte antisemitische Petition gesprächsweise Ausdruck gegeben hatte, in aller Form die Kundschaft aufgekündigt haben. Breslau, 16. Nov. Tie antisemitische Petition an den Reichskanzler trug aus Breslau, wie s. Z. erwähnt, u. A. auch die Unterschrift des Prof. vr. Fechner, Oberlehrers am hiesigen confessionslosen Gymnasium „Johanncum", an dem vier Juden als Lehrer angcstellt sind. Auf eine Beschwerde jüdischer Bürger hat nun der Magistrat von Breslau folgende Antwort ertheilt. Nach Anhörung des Curatorii des Johannes-Gymnasiums in der Angelegenheit, betreffend die Berheiligung des Profeffors vr. Fechner an der dem Fürsten Reichscanzler zu überreichenden und in den öffentlichen Blättern abgedruckten Petition hat das Magistrats-Collegium in heutiger Sitzung, ohne sich auf eine Kritik des Inhalts dieser Petition einzulasien, seine Ansicht dahin ausgesprochen, daß es mit der amtlichen Stellung des Profeffors vr. Fechner als Lehrer an einer unserer höheren Lehranstalten nicht vereinbar scheint, in so demonstrativer Weise seine social-politischen Anschauungen kundzugeben, daß ein solches Vorgehen, welches geeignet erscheint, das Vertrauen der Schüler und ihrer Eltern zu dem gedachten Lehrer zu erschüttern und die auch für das Schulintereffe so wichtige kollcgialische Eintracht unter den Lehrern der Anstalt zu gefährden, als tactlos und tadelnswerth bezeichnet werden muß und daß dasselbe insbesondere durch eine etwaige Berufung auf das allgemeine verfassungsmäßige Pctirionsrecht nicht gerechtfertigt werden kann. Zugleich ist beschloffen worden, dem Direktor Herrn Professor vr. Müller anheimzugeben, ob er die Disziplinaruntersuchung gegen den Professor vr. Fechner bei dem königlichen Provinzialschulkollegium beantragen will. Der Magistrat hies. königl. Haupt- und Residenzstadt. Unterz: Friedensburg. Götz — Wie wir bereits in vor. dir. bemerkten, hatte die „Schles. Presse" nicht angestanden, ein Schreiben des Generals v. Wulften anfzunehmen, das alle bisherigen Jnvektiven gegen die Juden noch überbot, das sich jedoch als eine antisemitische Fälschung herausstellte. Die „Bresl. Z." schreibt hierüber: „Ein geachteter Mitbürger, Herr Carl Schlesinger, Vicefeldwebel a. D., fühlte sich von mehreren, in dieser Erklärung gegen die jüdischen Einjährig-Freiwilligen enthaltenen Beleidigungen auf das Tiefste verletzt und begab sich zu dem Herrn General, um demselben die Frage vorzulegen, ob und welche Genugthuung er für diese auch ihm in seiner Person als Militär zugefügte Beleidigung zu geben geneigt sei. Herr Schlesinger war nicht wenig überrascht, zu erfahren, daß Herr General von Wulften keine Ahnung von dem Pamphlet hatte. In der loyalsten Weise gab der Herr General Herrn Schlesinger die schriftliche Erklärung ab, daß er zu dem „Mach, werk auch nicht die leiseste Beziehung habe", und ersuchte ihn, dies so schnell als möglich in den weitesten Kreisen zu verbreiten. — Bon der Erbitterung, welche gestern in Folge dieser unglücklichen Affaire in unserer Stadt herrschte, kann man sich kaum eine Vorstellung machen, und es war daher um so erfreulicher, daß noch im Laufe des Abends in dem, wie jeden Sonntag, zahlreich besuchten verschiedenen geselligen Vereinigungen die energischste Dementirung erfolgen konnte. . . Mit General von Wulften sind wir der Ansicht, „daß das Pamphlet ein Schurkenstreich ist, deffen Ursprung zu erfahren Jedermann, er mag Jude oder Christ, Liberaler oder Conservativer sein, die Pflicht hal." Die „Schles. Presse" hat eine Belohnung von 500 M. auf die Entdeckung des Fälschers ausgeschrieben. — Amtsgerichtsrath Milde aus Lublinitz, deffen Namen unter den Unterzeichnern der Antisemiten-Petition sigurirt, erklärt in der „Bresl. Ztg,", daß er die Petition gar nicht unterschrieben habe, „da er als richterlicher Beamter jedem Gerichtseingeseffenen, ob Christ ob Jude, gerecht zu werden sich bemühe." Königsberg, im Nov. (Privannitth.) Es ist mir er ftculich. Ihnen in gegenwärtiger Zeit über eine für einen weiten Kreis unserer Glaubensgenossen wahrhaft productive Organisation berichten zu können, welche in jüngster Zeit in unserem Altprcußen ins Leben trat. Ich meine die constituirende Versammlung des Verbandes der Rabbiner Ost- und Westpreußens in Danzig, über die Sie bereits referirt haben (Nr. -17), und habe ich durch die freundlichen Mittheilungcn jü*

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