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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-14 · Heft 50 (14.12.1880) · p. Seite 793

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 50 (14.12.1880)
Date
1880-12-14
Page
Seite 793 (sequence 9)
Language
German
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793 Benn, stucL theol., 1. Vorsitzender. — Es ist also immerhin nur ein Bruchtheil der hiesigen Studentenschaft, der sich auf die Seite der Antisemiten geschlagen hat. — Auch der Berliner Arbeiterverein hat sich am Montag mit der „Judenftage" beschäftigt und nach einem längeren, mit Beifall aufgenommenen Vortrag des Abg. Knörcke über das genannte Thema eine Resolution beschloffen, welche die antisemitische Bewegung als eine den Claffenhaß schürende Agitation entschieden verwirft. — Einer Mittheilung der „Bost. Ztg." über die Betheiligung der Juden an den Freiheitskriegen von 181.3 bis 1815 entnehmen wir Folgendes: Die Anzahl der Juden belief sich 1812 in dem damaligen preußischen Staate auf etwa 31,000 Seelen. Laut ungefährer, auf Ermittelungen des damaligen Kriegsministeriums beruhender Berechnung betrug die Zahl der jüdischen Freiwilligen in den Jahren 1813 bis 1815 etwa 500. Ueber die Auszeichnungen, welche Juden im Befteiungskriege erhalten haben, fehlen genauere Notizen. Einer der ersten mit dem eisernen Kreuze geschmückten Krieger war ein Jude Günzberg. Bon den Berliner jüdischen Freiwilligen erhielten wenigstens sechs das eiserne Kreuz: der Premier-Lieutenant S. A. Benda, die Seconde-Lieutenants: H. Fließ, F. Epenstein, F. Oppert, M. Löbel, Manche. Bon den Berliner Freiwilligen wurden außer den eben Genannten zu Lieutenants befördert: Na than Mendelssohn, Joseph Henoch Anker, Isert Meno Burg (der 1853 als Major der Artillerie gestorben ist, der einzige Jude, welcher es im preußischen Heere zum Stabsofsicier gebracht hat.) (Genauere Mittheilungen lasten sich über diesen Punkt nicht mehr feststellen. Es waren aber auch in den Provinzen viele Juden mit dem eisernen Kreuze geschmückt. Aus der Familie des Redacteurs ein Oheim, Ludwig Philippson, Sergeant im 27. Reg., ein Vetter, Dr. med. Jacobi in Züllichau. Aus dem Kriege von 1870/71 hat unser „Gedenkbuch" über 90 Juden mit dem eisernen Kreuze namentlich aufgeführt. Redact.) Leipzig, 24. Nov. Zur Characteristik der antisemitischen Agitation unter den Studenten wird Folgendes dienen: Der „Bolkszeitung" liegt ein Aufruf zur Sammlung von Unterschriften zur Antifemitenpetition unter der studirenden Jugend vor. Das Schriftstück ist unterzeichnet: Für das studentische Berliner Central-Comits die Sektion Leipzig. Stuck, tdeol.: von Langsdorfs. Fr. Bachmann. v. Feilitzfch. Stuck, zur.: Sulzer. von Heyden. Falke. Stuck med.: A. Hoffman«. A. Hoff. A. Kockel. Stuck, bist. u. phiL: Grotenfend. Groddeck. Chr. Hahn. Correspondenz führendes Mitglied des Central-Comites: Dulon, cand. zur. Leipzig Theatergaste 4 Part. In dem Aufruf heißt es u. A.: Da gilt keine Rücksichtnahme auf jüdische Bekanntschaften und dergleichen, — verschwinden ja doch die Einzelnen wieder vollkommen in der durch die Discretion der Stimmensammler noch dazu ganz zu beschränkenden Oeffentlichkeit.Gegen alle Schwierigkeiten, Einwendungen und Bedenklichkeiten, die uns von irgend einer Seite erhoben werden könnten, sichert uns der unsere Stellung so bescheiden abgrenzende Zusatz. So wenigstens meint einer unserer Herren Profestoren in Berlin, der in seiner Eigenschaft als academischer Lehrer, Staatsmann und Volksvertreter sicher in dieser Frage Autorität besitzt, wie kein Zweiter. Ihn hatten wir Studenten, die wir in Berlin während der Ferien zuerst an die Angelegenheit herantraten, um Rath geftagt, sowohl über die Opportunität einer derartigen Klausel im Speciellen, wie unseres Vorgehens im Allgemeinen, und der überaus fteundliche und detaillirte Bescheid, der uns von dieser Seite wurde, schloß mit den Worten: „Ich sehe nicht nur keinen Grund Ihnen abzurathen, sondern wünsche Ihnen vielmehr alles Glück dazu." — Obwohl nun angesichts der Hochachtung und des Vertrauens, das sich unser gütiger Herr Rathgeber durch seine weitbekannten politschen Vorträge und insbesondere in letzter Zeit durch sein wohlthuend maßvoll gehaltenes Wort zur Judenftage gerade unter der gesummten deutschen Studentenschaft gewonnen hat, wir uns des Werthes seiner Worte nur zu bewußt sind, so bitten wir Sie doch, wohl zu bemerken, daß bei der rein privaten Natur des uns gewordenen Rathes diese Mittheilung lediglich als eine vertrauliche zu behandeln ist. Sollte nun aber trotz Allem der Erfolg nicht überall ein durchschlagender werden, so würde es zur Noth sogar genügen, wenn wir selbst nur von einer Universität ein erfteuliches Resultat verzeichnet hätten; denn dieses könnte dann mit vollem Recht als Maßstab der gesammten Studentenschaft dem Reichskanzler vogelegt werden." Es geht hieraus so recht hervor, daß sich diese Agitation des Rathes und der Förderung des Herrn von Treitschke zu erfreuen hat, daß sie sich durch Verschweigung der Namensunterschriften solche verschaffen, und dem Reichskanzler als „Maßstab der gesammten Studentenschaft" den Erfolg an einer Universität infinuire'n will. Man sieht, daß der Jesuitismus doch viel weiter verbreitet ist, als in den Orden Loyola's. (Siehe übrigens noch die Mittheilung aus Breslau.) Bona, 29. Nov. (Privatmitth.) Den schimpflichen Angriffen und Schmähungen gegenüber, welche jüngst in Berlin gegen Lessing gewagt wurden und selbstverständlich in den ultramontanen, pietistischen und reaktionären Blättern den freudigsten Wiederhall fanden, constatiren wir mit Befriediegung, daß das unübertreffliche Meisterwerk „Nathan der Weise" noch heute auf der deutschen Bühne die würdigste und gewürdigtste Aufführung findet, und so in zahllosen Geistern seine Wirkung als Gegengift gegen die sich wider so bereitmachende Intoleranz und den schmählichsten Fanatisso

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