Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1880)
- Date
- 1880-12-14
- Page
- Seite 792 (sequence 8)
- Language
- German
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792 Mäßigung, diese Zustimmung zu der Erklärung der Staats-1 eben durch die Verwerfung eines Schlußantrages und durch regierung von Seiten der Conservativen und des Centrums, I die Annahme eines Vertagungsantrages. Die rechten Gesollte sich als eine Maske erweisen, die mit mehr oder minder statten sollten nun erst auf der Tribüne erscheinen, bestimmter Absicht vorgenommen worden. Dies verrieth sich > (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Berlin, 1. December. (Privatmitth.) Es verstand sich ja von selbst, daß mit den Debatten im Abgeordnetenhause, namentlich wie sie am zweiten Tage (22. Nov.) geführt wurden, die Agitation nicht aufhören, sondern noch recht heftige Wellen schlagen würde. Das Hauptresultat jener Debatten bestand darin, daß sich die Parteien klarer Herausstellen und ihre Argumentation sich offenbaren mußten. Die Reden eines Bachem, Stöcker und Stroffer zeigten Jedem, daß der ganzen Agitation nur gewisse Leidenschaften, die ja bereits hinlänglich gekennzeichnet worden, und unhaltbare Behauptungen zu Grunde liegen. Dies wiesen die Reden Hänel's, Birchow's, Träger s, Lowe's, Richters und Rickert's sonnenklar nach, und besonnene Gegner, wie Reichensperger, Heydebrand und Windthorst drückten dieser Erkenntniß das Siegel auf. Die Wahl, auf welche Seite man treten wolle, steht nun Jedwedem frei. Das Urtheil ist gefällt, und wir haben hier nur noch über die weiteren Vorgänge zu berichten. — 2m Wahlverein der Fortschrittspartei im 4. Berliner Reichswahlkreise, in welchem Stadtverordneter Gehricke den Vorsitz führte, hielt am Freitag Abend Herr Abgeordneter Albert Träger einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die politische Situation, namentlich über die Judendebatte. — Eine Versammlung des Friedrichstädtischen Bezirksvereins war für gestern Abend 6 Uhr nach dem Vereinslocal, Leipzigerstraße 111 (Zennig), einberufen worden. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Stadtverordneten vr. Hermes „über die politische Lage". Die Antisemitenliga hatte sich recht zahlreich eingefunden. Herr Hermes wurde während seines Vortrags fortwährend durch Zwischenrufe „Ohos" unterbrochen, und man rief dem Redner Injurien zu, sodaß die Sitzung auf kurze Zeit unterbrochen werden mußte. Jndeß wurde doch die Versammlung ordnungsmäßig zu Ende geführt. — Der Magistrat hat beschloffen, gegen den Berfaffer des bekannten Ostend-Artikels „Judenspiegel" wegen Beleidigung der Stadtverordnetenversammlung und des Syndikus Eberty zu denunziren und die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung einzuholen. — Wie wir schon bemerkt haben, suchten die Agitatoren die Hauptbewegung in die studentischen Kreise zu verlegen, und dies ist ihnen gelungen. Wir haben schon erwähnt. was hinsichtlich der studentischen Theater-Aufführung geschehen. In einer desfallsigen Studenten-Versammlung, von ca. 250 besucht, trug der stuck, zur. Hirsche! darauf an: „Den Ertrag dem in Berlin zu errichtenden Lesfing-Denkmal zugutekommen zu lasten" und motivirte diesen Antrag, da in früheren Jahren der Ertrag einem wohlthätigen Zwecke gewidmet wurde, mit den Zeitumständen. Der Antrag wurde mit 134 gegen 105 Stimmen angenommen. Die letzteren legten beim Rector und Senate einen Protest ein, worauf der Senat jenen Beschluß „nicht des an sich durchaus berechtigten Zweckes willen, sondern aus Opporwnitäts-Rücksichten" annullirte und folgenden Beschluß am schwarzen Brett veröffentlichte: „Auf der zur Berathung einer in Aussicht genommenen academischen Theateraufführung am 20. November gehaltenen allgemeinen Versammlung der Studirenden ist auch über die Verwendung eines etwa erzielten Reingewinnes verhandelt worden. In dieser Versammlung ist ein Antrag zur Annahme gelangt, der, an sich wohl berechtigt, durch seine Motivirung Anstoß erregt hat, indem in tendenziöser Weise eine jetzt viel besprochene Tagesfrage in die ihr ganz fremde Angelegenheit hineingezogen wurde. Nun ist eine Studentenversammlung nicht der Ort, wo Fragen dieser Art zu erörtern, geschweige denn zum Austrag zu bringen sind. Die Gemüther werden erregt, und die Eintracht unter den Studirenden wird gefährdet. Berufen, das Wohl der Universität nach allen Richtungen zu wahren und den Frieden in der Studentenschaft aufrecht zu erhalten, finden wir uns veranlaßt, um weiteren Zerwürfniffen vorzubeugeu, der beabsichtigten academischen Theateraufführung die Genehmigung zu versagen. Berlin, den 25. November 1880. Rector und Senat der königlichen Friedrich Wilhelms-Universität (gez.) vr. A. W. Hoffmann." — Auch folgende „Erklärung" ist in den hiesigen Blättern erschienen. „Der Ausschuß der Studirenden der Berliner Friedrich Wilhelms-Universität sieht sich genöthigt zu erklären, daß er durchaus über allen pro- und antisemittschen Agitationen steht, daß er ferner mit dem in mehreren Zeitungen genannten „Comit«" zur Verbreitung der antisemitischen Petttion nicht zu identisiciren ist und daß er endlich gegen die vielfach verbreitete Meinung, als ob diese Bewegung von der „gesammten deutschen Studentenschaft" gebilligt werde, entschieden protestiren muß. I. A. des Ausschustes Gustav