Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1880)
- Date
- 1880-12-14
- Page
- Seite 791 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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791 von uns verlangen, müssen Sie selbst auch uns gewähren. > Verfahren wirklagen, —der Theil, sage ich ausdrücklich — Meine Herren, ich bin der Meinung, daß die socialpolitische Frage über die Stellung der Juden in unseren christlichen Staaten in der Presse nicht immer in der richtigen Weise behandelt worden ist, und daß manchmal die Behandlung eine solche, daß die jüdischen Mitbürger sich dadurch allerdings verletzt fühlen konnten, das muß ich von meinem Standpunkt aus auf das Bestimmteste mißbilligen. Wenn überhaupt diese Frage heute schon behandelt werden soll, dann muß sie behandelt werden mit der äußersten Objectivität, der äußersten Ruhe, ohne alle persönliche Pointen, ohne verletzendes Beiwerk. Ueber meinen Zweifel darüber, ob man sie überhaupt in Volksversammlungen bringen durste, habe wird uns, glaube ich, nicht ohne Grund vorwerfen können: wir haben das, was wir thun, in euren Schulen und auf euren Universitäten gelernt; (sehr wahr!) denn die Erschei-- nungen, über welche wir in der Presse klagen, fallen nicht den Juden zur Last, die an dem Glauben ihrer Väter festhalten, und welche die Gebote achten, welche unter dem Donner von Sinai verkündet worden sind, sie fallen demjenigen Theile zur Last, welcher ungläubig geworden ist, den ungläubigen Christen die Hände reicht, und so gemeinschaftlich über das positive Christenthum, in welcher Gestalt es ihnen auch entgegentritt, herfällt; (sehr wahr!) und wenn wir uns über diese beklagen, so müssen wir dieselben nicht als eine ich vorhin schon mich ausgesprochen. Ich bin der Meinung, I jüdische, sondern als eine ungläubige Gesellschaft bezeichnen, daß sie nicht dahin gehört, (Hört! hört! links.) — oder! die uns also behandelt." wenigstens nicht eher dahin gehört, als bis auf dem Gebiete i Er meint dann, daß auf wirthschaftlichem Gebiete die der Wissenschaft und nach den Erörterungen in Wissenschaft- > Gesetzgebung refvrmirt werden müsse und fährt fort: licher Form feste und bestimmte Resultate gewonnen sind." '■ „Dann werden alle die Klagen vermindert werden und ver- „Meine Herren, die Erörterung dieser Frage stößt hüben! stummen, die man jetzt nach meiner Ansicht einseitig und mit und drüben auf Stimmungen, welche durch die Art, wie die! Unrecht den Juden im allgemeinen und allein zuschreibt. Erörterung geführt wird, gar leicht aufgeregt, excitirt werden, (Sehr wahr!) Meine Herren, ich weiß, daß das weitgreikönnen; und die Folgen kann niemand ermessen." sende Gedanken sind; ich weiß, daß sie auch vielfach be „Wenn ich in dieser Weise offen und klar das mißbilligt I kämpft werden können, aber das mußte ich aussprechen, um habe, was ich mißbilligen muß, so sage ich auf der anderen meinen Satz zu begründen, den ich nach wie vor aufrecht Seite, daß die Erörterungen ganz bestimmt nicht eingetreten erhalte, gegen die Juden im allgemeinen, so wie es geschieht, wären, wenn ein Theil unserer jüdischen Mitbürger nicht vorzugehen, muß ich meinestheils laut mißbilligen." selbst die Veranlassung dazu gegeben hätte. Meine Herren, Er schließt: einer der Hauptpunkte, worüber die Juden bei der Verhanddie Debatte, da „Uebrigens wünsche ich meinestheils, daß sie einmal Platz gegriffen hat, doch die lung ihrer Angelegenheiten sich beklagen und beklagen können, Leidenschaft nicht weiter auftegen möge. Ich wünsche ist nach meinem Dafürhalten der, daß man, wenn ein einzelner Jude oder eine Mehrzahl von Juden, ein Theil derdringend, daß wir uns an diesem Beispiele sammt und sonders, keiner ausgenommen, klar machen, wie dringend selben, etwas gethan hat, was mit Recht gerügt werden nothwendig es ist, nach allen Seiten hin gerecht und billig zu muß, das verallgemeinert und generell hinstellt, als ob es die ganze Äudenschaft träfe. Das ist grundverkehrt und sein gegen unsere Mitbürger, mögen sie ein Bekenntniß haben, welches es sein mag, daß wir uns durchdringen von grundverletzend. Wenn man Klagen über einzelne oder über der Nothwendigkeit, die Ausnahmegesetze überall aufzuheben, einen Theil hat, so soll man die einzelnen und diesen Theil namentlich auch die schweren Ausnahmegesetze, welche die concret fassen; aber niemals die Sache generell hinstellen und Katholiken und ihre Kirche und auch die Protestanten gläudadurch die ganze Judenschaft verletzen, unter der es biej Ingen Bekenntnisses treffen und drücken, damit das Gleichallerwürdigsten Männer giebt." | gewicht der Kräfte hergestellt wird. Insofern kann diese De- Er wirft nun einem Theile der Juden vor, sich am! batte von Nutzen sein, wenn wir sie richtig auffassen und Culturkampfe betheiligt zu haben. Er belobt die Mäßigung, i richtig weiter entwickeln. Sollte das aber nicht sofort gedie in der bisherigen Debatte beobachtet worden, und fordert! schehen können, dann bitte ich Alle, daß die Erörterung, dazu auf, diese Mäßigung auch gegen die Katholiken zn üben.! welche fortgeführt werden möchte, geführt wird in objectiv Hierüber wie auch über die Schulen und das Schulaufsichts-! sachlicher, leidenschaftsloser Form, ohne Verletzung der Eingesetz läßt der Redner sich weitläufig aus, und sagt dann ' zelnen und der Personen, daß wir im Frieden und mit friedweiter: „Diejenigen würdigen Mitglieder jüdischen Bekenntnisses in unserem Lande, die ich kenne, haben mir oft mit Bedauern gesagt, wie sehr sie es beklagen, daß in den Schulen der Glaube ihrer Väter in den Kindern verwischt werde; und der Theil der jüdischen Mitbürger, über dessen lichen Waffen kämpfen, und daß wir uns immer bewußt bleiben des schönen Satzes: Was Du nicht willst, das Dir geschehe, das thue auch keinem Anderen!" (Bravo!) So verlief die Debatte des ersten Tages, und man konnte mit derselben wahrhaft zufrieden sein. Aber diese