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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-07 · Heft 49 (7.12.1880) · p. Seite 776

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 49 (7.12.1880)
Date
1880-12-07
Page
Seite 776 (sequence 8)
Language
German
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eigentlich angefangen hat bedrohlich zu werden, das war der Zeitpunkt, wo wir wenigstens die Besorgniß in uns haben aufdämmern sehen, daß der Reptilienfonds (hört, hört! links.) nicht ganz fern von der Bewegung stehe. Es war die Zeit, wo gewisse bedeutende Juden namentlich in den Parlamenten unbequem wurden. Da leitete sich eine generelle Bewegung ein, die mit sehr viel stärkeren Mitteln arbeitete. Meine Herren, von daher datirt die Begründung einer Reihe von Zeitschriften, welche, wenngleich nicht unmittelbar dem Namen nach, doch dem Wesen nach specifisch antisemitisch sind, wie z. B. das vorhin von Herrn Abgeordneten Seyffarth citirte Liegnitzer Blatt, welches sich sogar nicht scheut, seine Judcnhetze unter der Firma „patriotische Zeitung" zu verbergen. Diese Blätter, von welchen wir hier in Berlin einige ganz besonders ausgezeichnet haben, sind plötzlich in einer Zahl und mit einer Ausstattung zu Tage getreten, daß man in der That ftagt: wo kommen denn die Mittel alle her, um eine solche Bewegung zu unterhalten? Meine Herren, es läßt sich nicht leugnen, daß wir gerade auf dem Gebiete der artificiellen Preffe im Lause der letzten Jahre erstaunliche Dinge erlebt haben, und daß die verschiedensten Parteien — ich darf wohl in dieser Beziehung selbst an gewisie Erinnerungen der Conservativen anklopfen — im Laufe der Jahre so mannigfache und bittere Erfahrungen gemacht haben, daß wir alle wohl wünschen möchten, daß der Friede des Landes dadurch gesichert würde, daß gewisie Kreise sich mit der Presie weniger beschäftigten. Daß es jetzt noch Vorkommen kann, daß Männer wie Herr Reichensperger, sich so sehr über den Charakter einer gewissen Presie täuschen, daß sie ein Blatt, welches Herr Moritz Busch herausgiebt, für liberal halten und ein Blatt, welches wie die schlesische Zeitung sich zu den schlimmsten Artikeln in dieser Frage verstiegen hat, uns in die Schuhe schieben, das ist doch ein Zeichen, daß es nicht mehr möglich ist, sich in der Unsumme von Papier, welches gegenwärtig über das Land verbreitet wird-, zurechtzufinden. Könnte namentlich nach dieser Richtung hin eine Verkleinerung cintreten, könnte die Att von Streitblättern, welche den consessionellen Hader Hervorrufen und unterhalten, unterdrückt werden, dann würde in der That recht viel erreicht werden; (Sehr gut! Zuruf: unterdrücken?) — ich meine unterdrücken insofern, als man ihnen die Mittel entzieht, durch welche allein sie bestehen, nicht daß man sie durch den Staatsanwalt unterdrücken soll. Und so, meine Herren, will ich meine Bemerkungen schließen, in der Hoffnung, daß sie etwas dazu beitragen werden, wenn wir weiter discutiren, wenigstens die einzelnen Streitpunkte schärfer auseinander zu halten, als dies bisher zu meinem Bedauern der Fall gewesen ist. (Bravo!) (Fortsetzllng folgt.) Zam hundertjährigen Sterbetage Gottholb Ephraim Lesfing's. Berliner Zeitungen enthalten Folgendes: „Am nächsten 15. Februar sind 100 Jahre seit dem Tage vergangen, an dem die Freunde der Aufklärung und der Geistesfreiheit einen schweren Verlust erlitten. Gotthold Ephraim Lessing starb in Braunschweig in seinem 53. Lebensjahre. Der Verein „Berliner Presse" hat beschlossen, den hundertsten Todestag durch eine Erinnerungsfeier zu begehen. Er giebt damit in einer Zeit, in welcher der Pastor Götze wieder umgeht und der Patriarch neues Material für Scheiterhaufen sammelt, eine Anregung, die ihm den Dank und seinem Unter- I nehmen die Unterstützung der fteisinnigen Männer unserer Stadt erwirbt." Wir glauben, daß es an dieser einfachen Notiz genügen werde, um in Deutschland in größerem Umfange zur Gedächtnißfeier des größten deutschen Denkers und Dichters anzuregen. Wir unsrerseits wollen nicht unterlassen, allseittg auszusordern. Seit 1878, wo ein Jahrhundert verflossen war nach Vollendung des „Nathan der Weise" und wo dieses Ereigniß nur vorübergehende Aufmerksamkeit weckte, ist in Deutschland so Vieles geschehen, was uns Lessing und seine herrlichen Geisteserzeugnisse nnr nm so theurer und verehrungswürdiger macht, daß uns eine allseiiige und erhebende Feier seines Todestages nur um so gebotener erscheinen läßt. Gilt es doch nicht Ads die Person, sondern in erhöhtem Grade die Grundsätze, die er verkündigte, die Lehren, die er mit aller Kraft seines Genies zum vollendeten Ausdruck brachte, und deren energische Verbreitung noch heute so überaus noth thut. Erklärung. In Nr. 43 erhoben wir, auf Grund von Petersburger Zuschriften, einen „Protest gegen eine öffentliche Disputation in St. Petersburg". Daß wir in dem Proteste der Person und den Leistungen des Herrn A. Zederbaum nicht zu nahe treten wollten, wird Jedermann aus der Fassung desselben erkennen. Aber auch heute müssen wir die Ansichten, die wir darin über solche „öffentliche Disputationen" aussprachen, voll auftecht erhalten, und find der Zustimmung aller Einsichtigen gewiß. Die Unparteilichkeit und Gerechtigkeit, deren wir uns stets nach Kräften befleißigen, nöthigt uns jedoch im vorliegenden Falle zu folgenden Bemerkungen. Der Erfolg, den Herr Zederbaum mit seiner Herausforderung des Lutostanski erreichte, ist ein durchaus günstiger und seinen Absichten gemäß. Lutostanski hat eine Anzahl Bände ver-! öffentlicht, namentlich unter dem Titel „der Talmud und die > Juden", in denen er aus allen bekannten juden und talmud-

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