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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-07 · Heft 49 (7.12.1880) · p. Seite 775

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 49 (7.12.1880)
Date
1880-12-07
Page
Seite 775 (sequence 7)
Language
German
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Richtung kur; hervorzuheben. Es wird darauf hingewiesen, daß in den Berliner Schulen und namentlich in den höheren, das Procentverhältniß der jüdischen Kinder immer größer werde. Da heißt es nun: Ein solcher Trieb nach socialer Bevorzugung, nach höherer Ausbildung, verdient an sich die höchste Anerkennung; nur bedeutet er für uns einen Kampf um das Dasein in der intensivsten Form. Wächst Israel in dieser Richtung weiter, so wächst es uns völlig über den Kops. Denn man täusche sich nicht; auf diesem Boden steht Race gegen Race und führt nicht im Sinne des Hasies, aber im Sinne des Wettbewerbes einen Racestreit. Ja, meine Herren, wenn Sie untersuchen, worin der Unterschied zwischeu Haß und Wettbewerb besteht, so werden Sie zugestehen müsien, daß es hier nicht mehr auf das wie ankvmmt. Denn wenn Jemand seine Kinder in die Schule schickr und sie etwas lernen läßt, und wenn nachher die Kinder anderen Kindern zuvorkommen, die nichts gelernt haben, so werden Sie das doch für eine edle Art des Wettstreites hallen müsien. Ich weiß in der That nicht mehr, was die Leute machen sollen, um vorwärts zu kommen. Ist denn das nicht die vornehmste und beste Art, die man finden kann und gegen die, man sollte glauben, niemand etwas einwenden kann? Wenn ich meine Kinder sich entwickeln lasse und ihnen das Beste verschaffe, was ich erreichen kann, und sie da vorwärts bringe, ja, meine Herren, dann kann ich wohl bedauern, daß nicht alle meine Mitbürger in der Lage sind, das zu thun, von mir wird man jedoch nicht verlangen, daß ich allen gleichmäßig helfe. Wenn die Juden wohlthätig sind, dann kann man es ihnen nicht verdenken, daß sie zunächst ihren Freunden gegenüber sich so zeigen und nicht denjenigen gegenüber, welche gegen sie feindlich anftreten. Aber wenn man ihnen ihre Bildung vorwirft und daraus einen Gegenstand macht, den man geradezu in darwinistischem Sinne als Kamps ums Dasein bezeichnet, dann hört jede mögliche friedliche Entwicklung auf, da ist kein Frieden mehr;u halten, wenn Sie so weit gehen, daß Sie dem Bater einen Vorwurf daraus machen, daß er seine Kinder in eine höhere Schule schickt. Meine Herren, wir sind immer der Meinung gewesen, daß Bildung und Erziehung dazu beitragen und von selbst dahin führen werden, die Gegensätze abzumildern und wir haben diese Meinung nicht bloß theoretisch gewonnen, sondern praktisch, wir haben sie aus eigenen Wahrnehmungen und aus den Kreisen, in welche wir hineinsehen können. Nun, meine Herren, machen wir es freilich nicht so wie Herr v. Heydebrand, der seine Juden alle correct sindet, (Heiterkeit) und nur von anderen Juden, wie es scheint, gehört hat, daß es schlechte Juden seien. Wir urtheilen nach unseren Erfahrungen innerhalb der Kreise, die uns zugäugig sind, und die sind nicht ganz klein, wie ich bemerken muß. Wir haben in der That die Meinung, daß wir berechtigt sind, auf Grund dieser Wahrnehmungen ein Urtheil zu haben. Ja, meine Herren, da behaupte ich ja nicht, daß alle diese Juden durchaus persönlich angenehme Leute wären; ich habe auch durchaus nicht die Absicht, etwa für ihre einzelnen Eigenschaften durchweg zu plaidiren oder zu sagen, alles, was sie machen, ist vortrefflich und gut. Ich gehe nicht so weit, etwa alle diejenigeu Juden, die in einer bestimmten Branche, zum Beispiel in der Presie, beschäftigt sind, für vortreffliche Juden zu halten oder dasjenige, was sie schreiben, alles zu billigen — ich wünschte wohl, sie hätten sich gerade in diesem etwas praktischer und etwas klüger benommen. Jndesien muß ich doch sagen, das wird auch aus den Kreisen des Judenthums offen anerkannt." Der Redner citirt die Broschüre des Prof. Breslauer. „Nein, meine Herren, wir halten diese Race für eine sehr gut beanlagte, wir glauben, daß sie in der That zu den höchsten Leistungen beanlagt ist, und daß es nur darauf ankommt, ihr diejenige Erziehung und Bildung zu geben, um diesen Anlagen auch den vollkommensten Ausdruck zu gewähren. Dazu ist aber nichts mehr geeignet als ein guter Schulunterricht, und wir freuen uns in der That, daß es den jüdischen Mitbürgern möglich ist, ihren Kindern eine gründlichere Ausbildung zu Theil werden zu lassen. Meine Herren, die conservative Partei in Preußen kann sich, wie ich glaube, des Bortvurfs nicht entschlagen, daß sie es gewesen ist, aus deren Reihen heraus diese Bewegung sich entwickelt hat. Ich darf daran erinnern, daß der erste große Ansatz, der nach dieser Seite genommen worden ist, ganz positiv aus den Reihen der conservativen Partei hervorgegangen ist zu der Zeit, als zuerst die goldene Internationale von da aus in Angriff genommen wurde, namentlich seit 1875, wo die bekannte, zuerst gegen den Reichskanzler gerichtete Opposition ihre ersten Proclamationen auswarf. Die Coalition, welche damals in Waffen gegen den Reichskanzler stand, die ja nicht nach allen Seiten den Beifall der confervativen Partei hatte, aber doch sicherlich in deren Grenzen sich befand, hat in den bekannten Artikeln der Kreuzzeitung, der Reichsglocke und was sich daran schloß, die Angelegenheit ausgenommen. Meine Herren, ich will nicht untersuchen, wie viel damals die „Germania" zu dieser Bewegung beigetragen hat; wenn ich mich dieser Untersuchung unterziehen wollte, so dürfte ich in der Lage sein, einige Beiträge zu li.'fern. Ich will aber nur die Ausgangspunkte bezeichnen und da muß ich anerkennen, daß der eigentliche Anstoß aus dem confervativen Lager hervorgegangen ist. Allerdings so lange nur in jenen Händen die Bewegung blieb, ist sie ziemlich wirkungslos und in sehr unmerklicher Werse verlaufen. Das zweite Stadium, in welches sie eingetreten ist, und von wo an sie

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