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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-12-07 · Heft 49 (7.12.1880) · p. Seite 772

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 49 (7.12.1880)
Date
1880-12-07
Page
Seite 772 (sequence 4)
Language
German
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772 Er führt Orte an, wo bis jetzt der beste Friede ge-!das ganze Land hinter uns haben bei der Vertheidigung dieherrscht und durch die Agitatoren der Petition gestört worden! ser Position?" sei. Er fährt fort: „Was mich aber ganz besonders bewegt, hier das Wort zu ergreifen, das ist der Umstand, daß man diese Frage zu einer Frage der Religion gemacht hat, daß man das Christenthum als in Gefahr hingestellt hat, daß man vom christlichen Standpunkte und vom christlichen Princip aus gerade diese Judenfrage schüren zu müsien glaubt." „Ich halte diese Agitation vielmehr für unchristlich und daß diese Frage mit Christenthum garnichts zu thun hat. Wir sind durch die Juden in unserem christlichen Bewußtsein nicht gestört, und wir werden in unserer christlichen Kirche nicht an« gegriffen." Noch weniger zutreffend sei das nationale Motiv. Die Juden hätten sich in Krieg und Frieden als gute Patrioten erwiesen und in Fragen der Noth hätten sie sich dem Redner in edelster Weise wohlthätig erwiesen.— Der konservative Abg. vr. v. Heydebrand und der Lasa: „Meine Herren, es wird mir fern liegen, durch meine Ausführungen oder Ausdrücke auch nur irgend einen unserer jüdischen Mitbürger verletzen oder reizen zu wollen, ich stehe den Personen ohne jede Animosität gegenüber, und ich halte es gerade nach den Ausführungen des Herrn Borredners für nothwendig, an dieser Stelle die Bemerkung nicht zu unterlasten, daß diejenigen Juden, mit denen ich bisher in Der kehr zu kommen Gelegenheit hatte, ich als achtungswerthe und gute Staatsbürger kennen gelernt habe." Er schiebt nun alle Schuld auf „die Presse, welche in so großer Zahl unter dem Einfluß unserer jüdischen Mitbürger steht" — immer dieselbe unerwiesene Behauptung, und srägt daher, „ob nicht ein Theil unseres deutschen Judenthums selbst die Schuld trägt an dem Unfrieden des Augenblicks?" Er bemängelt nun die Interpellation und den Angriff auf das P^titionsrecht, der in ihr enthalten sei. Er meint, die Erregung gegen die Juden sei überall vorhanden, und in Paris wirke die Alliance isr. univ. dafür. Die konservative Partei stehe auf dem Boden des gegebenen Rechtes und wolle das Staatsbürgerrecht der Juden nicht angreifen. Er wirst aber den Juden vor, „daß ihre (!) Vertreter sowohl hier wie im Reichstag sich fast ausschließlich in den Reihen der Opposition befinden^. Auch bewiese die jüdische Preste keine Achtung vor den christlichen Institutionen. Er schließt mit dem Satze: „Meine Herren, die Gegensätze lasten sich mildern, wir können wiederum zu einem stiedlicheren Zustand mit unfern jüdischen Mitbürgern gelangen, den wir alle wünschen, wenn dieselben mit etwas mehr Pietät dem Glauben, den Sitten, den Gefühlen des deutschen Volkes gegenüberstehen, wenn sie mit etwas mehr Respekt den christlichen Institutionen des Staates begegnen wollten, besten milde Gesetze sie selbst in der ausreichendsten und ausgiebigsten Weise schützen. Sind diese Forderungen unberechtigt? Wissen wir nicht, daß wir Der Abg. vr. Birchow folgt, und wir heben aus seiner trefflichen Rede die Hauptstellen hervor. Nachdem er gezeigt, daß die Absicht der Interpellanten gewesen sei, dem Volke zu erkennen zu geben, daß jene Agitation weder in der Staatsregierung, noch im Abgeordnetenhause einen Boden habe, fährt er fort: „Nun, meine Herren, wenn ich die Antwort, welche die Königliche Staatsregierung gegeben hat, als eine korrekte bezeichnet habe, so kann ich doch nicht leugnen, daß sie im Ganzen wohl etwas wärmer hätte sein können. Sie war ja correct, aber kühl bis ans Herz hinan! Sie wird trotzdem ihre Wirkung thun, aber ich glaube, die Sachlage, wie sie sich vor unseren Augen darstellt, hätte eS wohl motiviren können, noch einige Schritte weiter zu gehen. Es war nicht ganz richtig, wenn der Herr Vorredner sagte, die Antwort sei genau dieselbe, die der Ministerpräsident Tisza gegeben hat. Tisza ist ein ganzes Stück weiter gegangen, indem er direct gesagt hat, daß in dem Augenblick, wo die Preste oder eine Person gegen irgend welche Confession, Nationalität oder Kreise des Landes hetze, es das gesetzliche Recht und die Pflicht der Regierung sei, dergleichen Agitationen entweder zu verhindern oder mit der Wucht des Strafgesetzes zu treffen. Meine Herren, unsere jüdischen Mitbürger haben das Gefühl, daß die Herren Minister nicht geneigt sind, so weit zu gehen, und ich darf in dieser Beziehung ein sprechendes Factum hier mittheilen, welches sich auf den Herrn Minister des Innern bezieht. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat sich schon am 17. Oktober des Jahres 1879 an den Herrn Minister des Innern mit folgendem Schreiben gewendet: Ew. Excellenz naht der ehrerbietigst Unterzeichnete Vorstand Namens der von ihm vertretenen Gemeinde mit der ganz gehorsamsten Bitte um Schutz gegen Angriffe und Verunglimpfungen, welche eine Aufreizung gegen die jüdische Religionsgesellschaft in sich schließen und nachgerade in bedenklicher Weise überhand nehmen. Schon seit Jahr und Tag häuft die unter dem Namen christlich-sociale Arbeiterpartei bestehende Bereinigung, geleilet von dem Herrn Hofprediger Stöcker, in Wort und Schrift die bittersten Schmähungen gegen die Bekenner des jüdischen Glaubens. Was jedoch früher seltener und nur in vereinzelten Fällen geschah, das wiederholt sich systematisch in zahlreichen Flugschriften und fast allwöchentlich in öffentlichen Versammlungen. Man scheut sich nicht, durch Verlästerungen und Verdächtigungen der Juden — ihrer Lehre und ihres Lebens — die Masten gegen sie aufzureizen und so den konfessionellen Frieden zu stören und

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