Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1880)
- Date
- 1880-11-30
- Page
- Seite 763 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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763 „Ich kann heule noch nichts über die Sache sagen und bitte auch Sie, Ihr Urtheil noch zurückzuhalten, aber das kann ich Ihnen sagen: so wie der Vorgang in der sortschrittlichen Presse steht, ist er gewiß nicht gewesen." — Als der Herr Hofprediger des Weiteren gefragt wurde, ob denn die Partei nicht Stellung nehmen werde gegenüber dem Stadtverordnetenbeschluß bezüglich der beiden Lehrer, antwortete er: „Ich halte die Sache für viel zu unwichtigem darüber Beschlüsse zu fassen; die Leute (die Stadwerordneten) besorgen, wenn sie so auftreten, unsere Sache und werden es dahin bringen, daß das, was jetzt Straßmann passirt, das nächste Mal noch vielen anderen passirt". Nun, den Propheten spielen, ist leicht; jedenfalls klingt kein Siegesbewußtsein heraus!') — Der von dem Vorstand der jüdischen Reformgemeinde zu Berlin auf Verleihung von CorporationSrechten gestellte Antrag ist, wie wir hören, allerhöchsten Orts ablehnend beschieden worden. Als Grund hierfür wird der Artikel 13 der Berfassungsurkunde angeführt, nach welchem Religions- und geistliche Gesellschaften nur durch Gesetz Korporationsrechte verliehen werden können. Berlin, 16. Nov. (Privatmitth.) Das (orthodoxe) Rabbiner-Seminar in Berlin fährt in dem löblichen Gebrauche, einen Jahresbericht zu veröffentlichen, fort und schließt sich hieran den Rabbinerseminaren zu Breslau und Pest an, während die „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums" solche Berichte nicht giebt, nachdem sie es ein einziges Mal gcthan. Der Bericht für das Jahr 5640 hat als Beilage: „Maimonides, Commentar zum Tractat Makkoth im arabischen Original und in berichtigter Uebersetzung" von Prof. vr. I. Barth. — Zu den Erwerbungen hebräischer und arabisch-hebräischer Handschriften der hies. kön. Bibliothek in den letzten drei Jahren gehört das arabische Original des Mischna-Commentars von Maimonides, das um so wichtiger ist, je fehlerhafter die hebräische Uebersetzung dieses wichtigen Werkes ist. Hier erhalten wir nun eine Probepublikation des arabischen Textes und der verbesserten hebräischen Uebersetzung, die zu einer baldigen Her- I) Bis zu welchen Erfindungen diese ganze Sippe bereits gelangt ist, ersieht man aus folgender der „Deutsch. Landeszeit.", des Organs derAgrarierentnommenen Nachricht: „Es hätten die Referend are.eines der hiesigen Gerichte in einer Petition an den Justizminister gegen die Znmnthung protestier, mit I ud en in einem Local zusammen arbeiten zu müssen. Ein Bescheid soll hierauf noch nicht erfolgt sein, doch sei dem berechtigten Verlangen der deutschen Referendare bereits in sofern Rechnung getragen worden, als die jüdischen Eollegen in einem Zimmer separat untergebracht sind." (!!!) — Die „Schles. Presse" brachte einen Brief gegen die Juden, unterzeichnet v. Wulffen, General-Lieut. a. D., welcher Brief sich später als eine Mystificarion herausstellte. Da sich Herr v. W. in diese Gesellschaft durch Unterzeichnung der „Petition" begeben, so mag er auch den Bortheil einer solchen genießen! Uebrigens ist es zu verwundern, wie eine gesinnungsvolle Redaction ein solches Product des raurasnius senilis auch nur als „Eingesandt" aufnehmen kann! An dem Oderstrande scheint die Verwirrung so groß, daß jeder Maßstab des Schicklichen verloren gegangen! ausgabe des ganzen Werkes den Weg eröffnen mag. Das Seminar wurde von 13 ordentlichen und 9 anderen Hörern besucht. Es ist erfreulich, daß unter diesen 22 jungen Männern 10 aus Deutschland sind, die übrigen aus Rußland und Ungarn, 1 aus London. Die Jahreseinnahmen beliefen sich auf 42,549 Mark, die Ausgaben auf 25,673 M., also mit einem Ueberschuß von 16,875 M. Das Vermögen bestand am 1. Sept. 1880 in 152,266 M., von denen 108,326 M. als Einzahlung auf das Haus gebucht worden. — Die „Post" erfährt, daß das Provinzial-Schulkollegium der Provinz Brandenburg beschlossen habe, die DiSciplinar-Untersuchung gegen die vvr. Förster und Jungfer einzuleiten. Dieser Beschluß erfolgte auf eigene Initiative des Collegiums, lediglich in Erwägung der bekannten Thatsachen. — Die Ankündigungen der „Wahrheit", denen zwei Illustrationen beigedruckt waren, sind gestern polizeilich von den Säulen entfernt worden. — „Tagebl." und „Börs-Cour." berichten: Unser vor Kurzem hier verstorbener Mitbürger, der Rentier Isidor Kraft, hat in seinem soeben veröffentlichten Testament die Hälfte seines nachgelassenen Vermögens, und zwar die Summe von fünfmalhundertausend Mark, zu einer Stiftung bestimmt, aus welcher arme Nähterinnen ohne Unterschied der Confession, welche das 36. Lebensjahr überschritten haben, unterstützt werden sollen." — Der „B. B.-C." berichtet: An eine distinguirte Persönlichkeit hat die Kronprinzessin von Deutschland ein Schreiben gerichtet, worin sie die Judcnhetze aufs Tiefste bedauert. Die hohe Frau bezeichnet diese Hetze als jeder inneren Würde entbehrend, während sie ihre Symathie derjenigen Haltung bezeigt, welche der israelitische Theil der Bürgerschaft der Hetze gegenüber gezeigt habe. Die Kronprinzessin betont ferner den üblen Eindruck, welchen für Deutschland im Auslände diese Agitation hervorbringen müßte. — Hans v. Bülow, über dessen Betheiligung an der Antisemiten Petition allgemeines Erstaunen herrschte, hat, wie das „Tageblatt" erfährt, an den neuerdings vielgenannten vr. Förster folgendes Telegramm gerichtet: „Ersuche hierdurch ergebenst um Unterlassung fernerer Ausbeutnng meines Namens in Zeitungen. Agitation geziemt mir nicht". Darmstadt, im November. (Privatmitth.) Seit mehreren Jahrzehnten hat man unter den Israeliten des Großherzogthums Hessen hie und da das Bedauern ausgesprochen, dass an den beiden Lehrerseminarien des Landes, zu BenSheim und zu Friedberg, kein jüdischer Religionsunterricht erthcilt und die Zöglinge jüdischer Confession keine Gelegenheit fänden, sich die für ihren künftigen Beruf als Religionslehrer nöthigen Kenntnisse erwerben zu können. Als nun vor ungefähr 2 Jahren in der 2. Kammer der Stände eine deßfallfige Interpellation an die Regierung gerichtet wurde, gab diese die Erklärung ab: an dem neuzugründenden Seminar 48*