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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-30 · Heft 48 (30.11.1880) · p. Seite 762

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 48 (30.11.1880)
Date
1880-11-30
Page
Seite 762 (sequence 10)
Language
German
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hervor, daß ich der Üeberzeugung bin, daß eine runde und volle Erklärung von seiten der königlichen Staatsregierung, niemals werde sie sich dazu verstehen, diesen verfassungsmäßigen Grundsatz antasten zu lasten, jener garstigen Bewegung die praktische Spitze abbrechen wird. (Sehr richtig!) Ich bin der festen Üeberzeugung, daß in dem Augenblick, wo auch eine conservative Regierung in Preußen erklärt, dieser verfastugsmäßige Grundsatz könne allen Erwartungen und allen Agitationen zum Trotz niemals preisgegeben werden; ich bin der festen Üeberzeugung. daß eine runde und volle Erklärung in diesem Sinne von wesentlicher Bedeutung ist für den vielfach gestörten, weniger äußeren als inneren Frieden. Ich bin auch der festen Ucberzengung. daß einer solchen Antwort gegenüber insbesondere jene unserer jüdischen Mitbürger, die jetzt abgeschreckt worden sind, die in der Freudigkeit ihres Wirkens gestört worden sind «.Lachen rechts), — ja, m. H., das find Thatsachen, die Sie nicht leugnen, die Sie von Ihrem Standpunkte aus beklagen nicht mögen, die aber stattfinden. (Ruf: Wucher!) Sie sagen mir: Wucher! M. H., Derartige antisemitische Redensarten werden einem selbst aus diesen Tribünen entgegengeworsen! So tief hat die Leidenschaftlichkeit gewüthet; ich muß sagen in einzelnen Köpfen, und füge ich hinzu, in einzelnen Herzen. Ich sage also, eine volle und runde Beantwortung seitens der Staatsregierung wird vor Allem auch unseren jüdischen Mitbürgern, die sich vielfach hochverdient gemacht haben um Staat, Gemeinde und in allen bürgerlichen Lebensverhältnisten, wiederum die volle Sicherheit zurückgeben, die Freudigkeit des Schaffens, auf welche sie ein volles Recht haben wie jeder andere Staatsbürger. Ich bin vor allen Dingen der Üeberzeugung, daß gerade das Halt, das man der Bewegung durch eine solche runde und volle Erklärung entgegensetzt, von der entschiedensten Wirkung sein wird für die Bestrebungen der Führer und Lehrer im Judenthum, welche die volle Affimi lation der noch nicht voll in uns aufgegangenen Reste des jüdischen Volkes herbeisühren wollen. M. H.! Ich hoffe und wünsche und glaube, daß die königliche Staatsregierung sich veranlaßt sehen wird zu der Erklärung, wie ich sie gewünscht habe. Allein ich erkläre ganz offen, daß, wenn ich die Erwartung hegen müßte, daß die königliche Staatsregierung eine solche Erklärung nicht abgäbe, daß sie in Verzögerungen und Ausweichungen sich einließe, daß sie sich, ich weiß nicht, an welchen formalistischen Kleinkram anklammern würde, ich diese Interpellation doch gestellt haben würde, denn ich halte dafür, daß die Verantwortlichkeit, welche die Staatsregierung aus einer solchen Zögerung und Ausweichung treffen müßte, klar vor dem Lande und vor uns gestellt werden muß, und ich glaube, daß die Regierung unter einer solchen Voraussetzung auch selbst wünschen müßte, die Verantwortlichkeit zu ihrem Theile mitzutragen für den Weitergang, für das Weiterwachsen einer Bewegung, die ich in Uebereinstimmung mit dem Verbiet des ganzen europäischen Congreffes betrachte als eine Schande unserer europäischen Civilisation, unserer nationalen Ehre. (Beifalls links. Unruhe rechts.) — Darauf erwidert Graf zu Stolberg-Wernigerode: M. H.! Die vorher verlesene Interpellation des Abg. Hänel ging davon aus, daß eine Petition an den Reichskanzler und Ministerpräsidenten eingereicht sei, welche die wörtlich aufgeführten Forderungen enthält. In Anlaß deffen richtet die Interpellation die Anfrage an die königliche Staatsregierung, welche Stellung die königliche Staatsregierung Anforderungen gegenüber einnimmt, die auf Beseitigung der volleu verfaffungsmäßigen Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger zielen. Hierauf muß ich zunächst conftatiren, daß eine solche Petition wie die hier erwähnte bisher an die königliche Staatsregierung nicht gelangt ist und daß diese daher auch nicht in der Lage war, den Inhalt derselben in amtliche Erwägung zu ziehen. Gleichwohl nimmt die königliche Staatsregierung nicht Anstand, die an sie am Schluß gerichtete Frage dahin zu beantworten, daß die bestehende Gesetzgebung die Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntniffe in jeglicher staatsbürgerlicher Beziehung ausspricht und die Regierung nicht beabsichtigt, eine Aenderung dieses Rechtszustandes eintreten zu lasten. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Berlin, 16 Nov. Man wird neugierig sein, zu erfahren, wie Herr Stöcker die jüngsten Vorgänge in feinen Versammlungen darzustellen sucht. Man berichtet: „Der Fall Kantorowicz hatte die Freitags-Zusammenkunft der Christlich-Socialen zu einer der zahlreichsten Versammlungen dieser Partei gemacht, da Jedermann hoffte, eine Kritik aus dem Munde des Hofprediger Stöcker zu hören. So war denn der geräumige Emberg'sche Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, und draußen harrte noch eine große Menge solcher, welche ohne Mitgliedskarte sich vergeblich den Eintritt zu erzwingen versuchten. Jene Hoffnung sollte nur in ganz bescheidenem Maße in Erfüllung gehen, denn Herr Stöcker berührte, nachdem er sich des längeren über das Jnseratenwesen und seine Reform durch den Staat verbreitet 'hatte, die berüchtigte Affaire in Form der Beantwortung einer im Fragekasten gefundenen Anfrage nur ganz kurz:

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