Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1880)
- Date
- 1880-11-30
- Page
- Seite 758 (sequence 6)
- Language
- German
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_758 _ Confesfionen war diese Clausel des europäischen Vertrages! mente zu üben, sich schneller zu nationalisiren. Diese verbestimmt. (Ruf: Nein! Ruf: Bloß für die Juden!) Es I meintliche Sanftmuth der Bewegung, sie ist längst geschwunden, ist richtig, den nächsten Anlaß gaben allerdings die Juden^ Meine politischen Freunde und ich leugnen schlechterdings weil man das Prinzip aus die verschiedenen christlichen Eon-! nicht. daß es gewisie Mißstände und Aergernifse auch in fessionen für unantastbar hielt. (Lachen im Centrum.) Redner jüdischen Kreisen giebt. (Aha! Sehr gut!) M. H., die Angeht sodann auf die Verhandlungen näher ein, welche auf! erkennung, daß dies der Fall sei, geben uns täglich auch dem europäischen Congreß über die Stellung der Juden in > unsere jüdischen Mitbürger (Ruf im Centrum: „So?"); es jenen Ländern geführt wurden, und citirt Aeußerungen Bisj giebt ausgezeichnete Männer unter unfern jüdischen Mitbürmarcks zu Gunsten der Gleichberechtigung der Juden in den' gern, welche es sich zur Lebensaufgabe machen, das zu vergenannten vier Ländern, sowie die Aeußerungen des franbreiten, was sie Selbstkritik des Judenthums nennen. M. H., zösischen Bevollmächtigten, der bei der Verhandlung der das ist unbestreitbar, daß auch in jüdischen Kreisen noch vielrumänischen Judenfrage den Ausspruch gethan: Man wird! fach eine gewisie Sucht nach schnellem Reichthum, ein geaus lange Zeit nicht eine so feierliche Gelegenheit finden, um, wisies nervöses Andrängen nach äußern Ehrensiellungen sich aufs neue die Grundsätze zu befestigen, welche die Ehre und; geltend macht, daß sie sich zusammendrängen in den größern den inner« Frieden der Civilisation ausmachen. (Hört! links.); Städten, daß sic einen Zusammenhang, ein gegenseitiges Ab- Der Reichskanzler habe diesem Ausspruch rückhaltslos zugeschließen in gewisien Kreisen noch aufrecht erhalten, welches stimmt, habe auf die verfasiungsmäßige Gesetzgebung des sie eben uns fremder stellt. Ja, m. H., es ist vollkommen deutschen Reichs hingewiesen und hinzugefügt: es sei ein hohes richtig, daß damit in gewisien jüdischen Kreisen Charakterzüge allgemeines Jnteresie, daß die Grundsätze, welche in der aufrecht erhalten bleiben und fortgepflanzt werden, die uns innern Politik befolgt werden, auch auf die äußere Politik subjectiv nicht angenehm und objectiv durchaus nicht lobens- Anwendung fänden. Durch jene Clausel habe also die volle; werth sind. Allein wir fragen allerdings diesen Anklagen Parität der jüdischen Bevölkerung eine europäische Anerken-i gegenüber: Verlangt man denn Wunder vom Himmel? Wie, nung gefunden. So, m. H., ist es nicht irgendwelche agi meine Herren, wir sollen die Juden mehr als ein Jahrtausend tatorische Versammlung gewesen, nicht eine fortschrittliche, geknechtet, mit Füßen getreten haben, wir sollen sie nach Benicht eine liberale, nicht eine verjüdelte Gesellschaft gewesen darf todtgeschlagen haben (Unruhe), ja, nach Bedarf todtge- — allerdings, m. H., wenn Juden darunter gewesen sind, schlagen haben (sehr gut!), wir sollen sie ausgestoßen haben muß ich um Nachsicht und Verzeihung bitten (Heiterkeit), — ans unserer nationalen Gemeinschaft, aus unserer Ehegemeines war eine Versammlung der Vertreter der europäischen schaff, wir sollen sie gezwungen haben, gewisse bürgerliche Mächte, es waren die ersten Staatsmänner Europas, welche > Erwerbszweige ganz ausschließlich zu betreiben — und dieser dem Grundsatz eine feierliche Anerkennung verschafften, daß mehr als tausendjährigen Vergangenheit gegenüber, m. H., die volle Anerkennung der religiösen Parität und infolge - da will man die Forderung aufstellen, daß die Rückwirkung dessen auch die volle Anerkennung der bürgerlichen und staatsderselben mit einem Schlage beseitigt sei? Wie lange datirt bürgerlichen Gleichberechtigung der Inden eine sehr mesent^ denn die Emancipation der Juden in Deutschland? Kauür liche Grundlage der europäischen Civilisation, ja, der staat-j ein Lebensalter, ja, die volle Emancipation derselben kaum lichen Ehre sei, daß ohne Anerkennung dieser Grundlage der j ein Jahrzehnt. Welches Wunder der Welt sollte es denn Eintritt in die europäische Völkerrechtsgemeinschaft verweigert! bewirkt haben, daß die Rückwirkung jener elenden, jener derwerden müsse. (Hört, hört! links.) Um die nämliche Zeit,: ächtlichen Lage, in die unsere Gesetzgebung sie hineingestoßen als so das europäische Verdict in dieser Frage gesprochen; hatte, nicht in gewisien Kreisen auch noch heute ein gewisses wurde, accentuirte sich immer schärfer und leidenschaftlicher Leben weiter führe? M. H., eine derartige Anforderung geht jene Bewegung, vvr deren häßlicher Gestalt wir heute stehen.; schlechterdings gegen die Natur der Sache. Kennen Sie nicht (Sehr gut! links.) Anfangs schien es, als ob diese Bewedie Lage der Griechen im Orient, die Geschichte des Fügung einen Unterschied zwischen guten und schlechten Juden nariotenthums in Konstantinopel, wissen Sie nicht, daß nicht machen wollte, zwischen solchen Juden, die sich unserer Civilietwa die Herrscher und Unterdrücker derselben, daß objective sation assimilirt hatten, und solchen, die ihr immer noch fremd i Beobachter dieser griechischen Classe genau die nämlichen Untugegenüberstehen. In dieser Voraussetzung haben auch Männer genden, genau die nämlichen Mißstände und Aergernisse dieser im von höchster Bildung, bei denen es unrecht wäre, wenn man j Orient gedrückten Rasse Wort für Wort, Zug um Zug nachsagen, sie mit der vulgären Judenhetze in Verbindung bringen wollte, die heute gewissen Kreisen unserer jüdischen Mitbürger nachgedieser Bewegung eine gewisse Unterstützung geliehen in der sagt werden? M. H., vor allen Dingen verstößt das so flagrant Meinung, daß es gelingen könnte, durch eine solche Bewe-! gegen alle Billigkeit, daß ich in der That hierüber auch nicht gung gleichsam einen sanften Druck auf gewisse jüdische Eledas mindeste Wort verliere, und gerade weil so diese Anforde-