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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-23 · Heft 47 (23.11.1880) · p. Seite 746

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 47 (23.11.1880)
Date
1880-11-23
Page
Seite 746 (sequence 10)
Language
German
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beweist die Anwesenheit der Kronprinzlichen Herrschaften -ei diesem Synagogen-Concerte abermals, wie erbaben dieselben über den traurigen Geist sind, welcher sich jüngst in Berlin so laut vernehmbar gemacht hat. Oesterreich-Ungarn. Ofen, im November. Betreffs Ucbergabc des neuen israelitischen Friedhofes in Ofen hat die Friedhofs-Commission mit den Vertretern der Ofener israelitischen Cultusgemeinde folgendes vereinbart: Der 1500 Quadratklaster enthaltende Grund wird der Gemeinde unentgeltlich überlassen und ist der neue Friedhof am 1. August nächsten Jahres zu eröffnen, zur selben Zeit aber auch der alte Friedhof zu schließen. Der letztere bleibt 3" Jahre unberührt und gehr daun sammt! den daraus bcffndlicheu Baulichkeiten in das Eigenthum der Stadt über. Im neuen Friedhof hat die Cultusgemeinde ein Leichenhaus für sechs Leichen erbauen zu lassen und einen Aufseher zu halten. Ta die Herstellung einer Straffe für die Cultusgemeinde mit großen Kosten verbunden wäre, so wurde derselben gestattet, die Leichen durch den christlichen Friedhof zu transportiren, wogegen, nach Angabe der Vertreter der Cultusgemeinde, ein rituelles Hindernis; nicht obwaltet. Agram, 10. November. Bei dem starken Erdbeben, das heute die Stadt und das Land bis in weite Ferne betroffen, und durch welches viele Gebäude, darunter besonders die Kirchen, bedeutenden Schaden erlitten, hat auch der israelitische Tempel gefährliche Nisse erhalten und die gewölbte Decke stürzte ein, glücklicher Weite Minuten vor Beginn einer Trauung. Das allgemeine Unglück ist sehr groß, und noch hören die Erdstöße nicht auf! Aus Ungarn, 14. Nov. «Privatmitth.) Das in Ungarn, besonders in Pest, eine „Dcutschcnhetze" stattffndet, ist von deutschen wie ungarischen Blättern eonstatirt. Haben doch darunter auch die Juden zu leiden, von denen eine große Zahl in ihren Familien noch deutsch sprechen, obschon sie im Ganzen große Anstrengungen machen, sich zu magyarisiren. Das Eigenthümliche ist nun, das; die deutschen Blätter, z. B. die „Köln. Z.", die ungarische Negierung wegen ihres Schweigens beim Beginn dieser Teutschenhetzc in Ausdrücken tadeln, die wörtlich ans die „Judenhetzein Deutschland paffen würden! Jedoch der Unterschied ist der, daß Tis,za endlich jedoch das Wort ergriffen, um die Dcutschcnhetze zurückzuweisen und selbst dem deutschen Theaterdirector Müller ein Privilegium für ganz Ungarn er thcilte, während in Deutschland hinsichtlich der „Judenhetze" von einer analogen Kundgebung nichts verlautet. Bian lese den betr. Artikel der „K. Z." im ersten Blatt vom 12. Nov. unter „Oesterreich" und man wird finden, daß er Wort für Wort auf die „Judenhetzein Deutschland angewendet werden könnte. „Was du aber nicht willst, das dir geschehe, das thue auch einem Anderen nicht." Italien. Rom, 31. Oktober. Einer der einflußreichsten Männer Italiens, in der Statistik uud Bolkswirthschaft ausgezeichnet, dabei ein unabhängiger selbständiger Charactcr, ist der Abg. Luzzati, ein Israelit. Die „Köln. Ztg." läßt sich über - ihn schreiben; „Der Abg. Luzzati, einer der wenigen, welche sich wirkliche, wenn auch vielleicht nur palliative Verdienste um die nationalökonomische Lage Italiens erworben, hat dieser Tage in Cerignola eine Tischrede gehalten, die der Wiedergabe werth ist, weil sie der Ansicht vieler, freilich meist außerhalb der parlamentarischen Kreise stehender Personen ausdrückt. „Man soll", sagt er, „nichts mehr von der gegenwärtigen Organisation der Parteien, nichts mehr von der alten Linken und der alten Rechten hoffen, die beide unfähig sind, eine neue Lage zu schaffen, welche die ökonomischen und moralischen Bedingungen unsres Landes verbessern könnte." Er wünscht, daß die Größe des Nebels und der Patriotismus die alten Bande der jetzt ohne Ansehen dastehenden Parteien sprenge und daß sich eine neue Mehrheit mit dem Programm einer sittlichen, ökonomischen und politischen Wiedergeburt bilde, ohne welche das Vaterland rmr dem Scheine nach befreit (re;3ent:u sein würde." Lu.zzati spricht da öffentlich aus, was alle wohlmeinenden Enttäuschten denken und wünschen." Nußtaud. St. Petersburg, S. Nov. Wie wir dem Petersburger „Herold" entnehmen, sollen nach Mittheilung der „Nowosti" in Bezug auf die Frage über den Aufenthalt nichtrussischer llnterthanen mosaischer Confessio n in Rußland die Botschafter von Deutschland, Frankreich, Oesterreich Ungarn uud der Türkei sich an das auswärtige Amt gewendet und über diese Angelegenheit Auskunft erbeten haben. Nmnänien. Bremen, 2. Nov. Ter „Weser-Ztg." zufolge werden im Laufe der nächsten Monate an 3000 rumänische Juden, welche der politischen Verhältnisse wegen nach Amerika auswandern wollen, sich hier an Bord der Norddeutschen Lloyd dampser cinschiffen. Diese Nachricht spricht durch sich selbst mit lauter Stimme. Europa hatte eine Gelegenheit, der Gerechtigkeit thatkräftig zu genügen: es begriff dies, aber unterließ cs! — Es hat sich ein Comit^ in Rumänien gebildet, welches, unter Beihilfe reicher Glaubensgenossen in Deutschland und Frankreich, die Uebcrfahrtskosten, sowie den Ankauf von Wohnungen und Ländereien in Amerika bestreitet.

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