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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-23 · Heft 47 (23.11.1880) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 47 (23.11.1880)
Date
1880-11-23
Page
Seite 744 (sequence 8)
Language
German
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744 seitens eines Theiles der Presse und in den Wählerversammlungen in jüngster Zeit ausgesetzt war, für seine Pflicht, sein lebhaftes Bedauern über diese Vorgänge auszusprechen und ihn, den hochverehrten Abgeordneten seines Wahlkreises, der Hochachtung und des vollsten Vertrauens in sein politisches und kommunales Wirken zu versichern." — Die Sieger im 33. Communal-Wahlbezirk fangen bereits an, sich der Bundesgenofsenfchaft der Christlich-Socialen und Antisemiten zu schämen, und geben diesem Gefühle in einer Erklärung Ausdruck, die lautet: „33. Communal-Wahlbezirk. Bei der heute stattgefundenen Stadtverordneten-Wahl erhielt Herr Dr. Straßmann 633 Stimmen, Herr Direktor Bergschmidt 866 Stimmen. Letzerer ist mithin gewählt. Die dritte Wählerclasse hat bewiesen, daß sie das Jntereffe ihrer Gegend zu wahren versteht und nicht den entstellenden Berichten und Zumuthungen einer souveränen Partei gehorsamst Folge leistete. Alle Beschuldigungen unsauberer Bündnisse weisen wir eben so entschieden wie wahrheitsgemäß zurück. Das Comitv". Diese Erklärung mag eine durchaus aufrichtig gemeinte sein und die „unsauberen Bundesgenoffen", welche sich beeill hatten, noch am Dienstag Abend den „Sieg der Germanen" in einem Extrablatt zu verkünden, mögen sich nunmehr für das freundliche Compliment bei besagtem Comite bedanken. Wir sind indeß, meint das „Tgbl.", der Ansicht, daß die Zurückweisung der Bundesgenoffenschast etwas zu spät kommt, daß sie vielmehr hätte erfolgen müssen, ehe der Mohr seine Schuldigkeit gethan. Und diese hat er sowohl bei der Agitation wie bei dem Wahlakt selbst im vollsten Maße erfüllt. Danzig, 9. Nov. Am 2. und 3. November waren in Danzig die Rabbiner Ost- und Westpreußens versammelt, behufs Gründung eins Verbandes zur wirksamen und einheitlichen Förderung der ihnen anvertrauten Interessen. Anwesend waren die Rabbiner der Städte Danzig, Graudenz, Thorn, Könitz, Elbing, Tirschau, Pr. Stargardt, Neuenburg, Berent, Briefen und aus Ostpreußen die drei Rabbiner der Provinz Dr. Bamberger - Königsberg, Friedeberg-Tilsit und Dr. Rüls - Memel. Den Vorsitz führte Herr Dr. Bamberger, die Rednerliste Dr. Rüls, Schriftführer ist Herr Dr. Klein-Elbing und Beisitzer sind die Herren Oppenheim-Thorn und Friedeberg-Tilsit. Die Rabbiner von Straßburg, Zempelburg und Culm fehlten entschuldigt. haben aber ihren Beitritt zu den Beschlüssen erklärt. Nach eingehenden Statuten- Berathungen constituirte sich der Verband in der zweiten Sitzung am 2. November. Zweck des Verbandes ist neben dem gegenseitigen Austausch von Erfahrungen in der Amtsverwaltung überhaupt — die Herstellung eines möglichst einheitlichen Schul- und Lehrplans für den Religions-Unterricht, die Ausbildung geeigneter Lehrkräfte, womöglich durch Gründung eines eigenen Lehrerseminars und die Begründung der Institution von Wanderlehrern für benachbarte kleine Gemeinden ohne Religionslehrer. In das Auge gefaßt wurde auch die zweckmäßige Regelung des Wohlthätigkeits- und Armen-Unterstützungswesens in den Gemeinden. Natürlich gehört allen gemeinsamen Angelegenheiten in Bezug auf die rechtliche und sociale Stellung der Bekenner der jüdischen Religion das Jntereffe des Verbandes. Eine Reihe von Zusätzen zu den Zielen der Vereinigung — einen Pensions- Fonds für Rabbiner-Wittwen der Provinz zu gründen, einen allgemeinen Rabbiner-Verband Deutschlands in Anschluß an die Provinzial-Berbände von Posen und Pommern herbeizuführen — wird als sicherlich wünschenswerth, gegenwärtig aber als unausführbar abgelehnt. Der Schluß der ersten Sitzung erfolgte gegen Mittag und vereinigte ein gemeinsames Diner die Collegen. In der zweiten Sitzung, die Nachmittags 5 Uhr eröffnet wurde, wird beschloffen, daß amtirende Religionslehrer nach Beschluß der Generalversammlung auch ausgenommen werden können. Dieselben haben kein Stimmrecht und sind außerordentliche Mitglieder. Der Jahresbeitrag für die Mitglieder wird auf b Mark festgesetzt. Das ganze Statut wurde nach endgültiger Feststellung einstimmig angenommen. Im nächsten Jahre tagt der Verband in Thorn. Zu Mitgliedern des Verbandsausschuffes für das nächste Jahr werden die Herren Dr. Bamberger, Dr. Oppenheim und Dr. Rosenstein-Graudenz gewählt. Auf Grund einer Resolution des Herr Dr. Rüls wird der Ausschluß der religiösen Parteifrage für den Verband betont. Die Resolution soll durch die Mittheilung in der Presse ersetzt werden. (Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die Versammlung erklärt, daß ihre Tendenz keine legislative bezw. reformatorifche, sondern nur eine rein administrative, auf einheitliche Verwaltung und Gestaltung der Berufsthätigkeit ihrer Theilnehmer gerichtete sei, und daß vorzugsweise die drei wichtigen Angelegenheiten: Religionsschule, Armenpflege und juridischen Seite der Glaubensvertheidigung in den Kreis ihrer Berathungen gezogen werden soll.") Nach Diskussion einer Reihe interner Verwaltungsangelegenheiten schließt die Sitzung Abends 7 Uhr und rüsten sich die Mitglieder zu dem Festmahl, das ihnen als Ehrengästen die vereinigten 5 Danziger Gemeinden in den Festräumen des Kaiserhofs gaben. Das Souper zählte an 130 Gedecke. Der folgende Morgen vereinte den Verband zur letzten Arbeit. Die mißbräuchliche Ausübung der Functionen Seitens mancher Schächter wird discutirt und die Frage erörtert. Herr Dr. Rosenstein > hatte mitgetheilt, daß ihm eine ausgedehnte Dispensation der Jüdischen Schüler an Sabbathen und Feiertagen verbrieft sei und erbittet er sich, das betreffende Schreiben des Provinzial-Schulkollegiums den Verbandsmitgliedern in Abschrift zugehen zu lassen. Herr Dr. Rosenstein übernimmt für die nächstjährige Versamnilung das Referat über den Religions-

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