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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-23 · Heft 47 (23.11.1880) · p. Seite 743

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 47 (23.11.1880)
Date
1880-11-23
Page
Seite 743 (sequence 7)
Language
German
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743 namentlich auf dem Gebiete des Schulwesens herausbilden I und da umsomehr große Gefahren drohen, als sie ganze Classen der Bevölkerung gegen einander ausregen. Der Magistrat hegt die Hoffnung, daß Seitens der Behörde in angemessener Weife werde energisch eingeschritten werden. — Im Abgeordnetenhaufe ist folgende Interpellation eingebracht worden: Seit geraumer Zeit macht sich gegen die jüdischen Staatsbürger Preußens eine Agitation geltend, welche zu bedauerlichen Ausschreitungen und zu einer weiter greifenden Beunruhigung Anlaß gegeben hat. In Verfolg dieser Agitation wird eine an den Herrn Reichskanzler und Ministerpräsidenten gerichtete Petition verbreitet, welche die Anforderungen erhebt: 1) daß die Einwanderung ausländischer Juden, wenn nicht gänzlich verhindert, so doch wenigstens eingeschränkt werde; 2) daß die Juden von allen obrigkeitlichen (autoritativen) Stellungen ausgeschlosien werden und daß ihre Verwendung im Justizdienste — namentlich als Einzelrichter — eine angemessene Beschränkung erfahre; 3) daß der christliche Charakter der Volksschule, auch wenn dieselbe von jüdischen Schülern besucht wird, streng gewahrt bleibe und in derselben nur christliche Lehrer zugelafsen werden, daß in allen übrigen Schulen aber jüdische Lehrer in besonders motivirten Ausnahmefällen zur Anstellung gelangen; 4) daß die Wiederaufnahme der amtlichen Statistik über die jüdische Bevölkerung angeordnet werde. In Veranlassung dessen erlaubt sich der Unterzeichnete an die königliche Staatsregierung die Anfrage zu richten: welche Stellung nimmt dieselbe diesen Anforderungen gegenüber ein, die auf Beseitigung der vollen verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger zielen? Berlin, 13. Nvvember 1880. Dr. Hänel. Diese Interpellation wird am Sonnabend den 20. November auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die Sachlage ist ganz dieselbe wie vor einigen Wochen im Ungarischen Abgeordnetcnhause, dessen Verhandlung über eine gleiche Interpellation wir in Nr. 41 ausführlich miltheilten. Möge der Verlaus im preußischen Parlamente ebenso günstig aussaven. Die „Köln. Z." sagt: „Die Volksvertretung wird so Gelegenheit finden, vor Preußen, Deutschland und dem Aus lande zu bekunden, daß die überwiegende Mehrheit den Krieg von sich abweift, den Herr Stöcker oder vielmehr diejenigen, welche sich seiner bedienen, gegen die gewährleisteten Rechte einer friedliebenden, pflichttreuen Bevölkerung führen." iiX\ i ii cj >11 cictj Lief} tc 11. Deutschland. Berli«, 10. Nov. (Privatmitth.) Mit der Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens! ist ein atler Spruch. Was? könnte man aber auch Anderes sagen, wenn man erfährt, was man jetzt in Berlin ausbieten darf und noch zahlreiche Abnehmer dafür findet? Der abgesetzte „Privatdocent" vr. Düh-' ring hielt — wir geben folgenden Bericht nach der „Germania", also keinem, dem Vortragenden ungünstigen Blatte — int: Hotel de Rome den angekündigten Vortrag über die „lieber-! schätzung Lessings". vr. Dühring schilderte Lessing als! Kunstkritiker, als Dichter und als Wortführer der Juden. j Nach Dr. Dühring ist es nicht unwahrscheinlich, daß Lesfing' aus jüdischem Stamme entsprossen sei. Man habe Lessings! Stammbaum ziemlich weit verfolgt, und wenn man auch I nicht gerade Beweise für die jüdische Abstammung dabei gefunden, so sei Lessings Denk- und Schreibweise doch vollständig jüdisch, ganz abgesehen davon, daß auch der Name „Lessing" etwas jüdisch klingt. Nach diesem Eingang verlangt wohl keiner unsrer Leser nach Weiterem. Nun, Dühring ist sicher, daß ihn in analoger Weise niemand aus jüdischen Ursprung zurücksühren werde, obgleich Dühring gerade so wie Lessing „jüdisch klingt." Tenn dazu müßte er doch. wie Lessing, durch Verstand und Gefühl einige Veranlassung geben, was Herrn Dühring gänzlich fehlt. Wir wollen hier nur noch den Schluß ansühren: „Unverkennbar zeige Lessing Talent im Einzelnen, namentlich in der Kritik, aber im Großen und Ganzen sei er klein als Schöpfer neuer genialer Gedanken, klein in der Ausstellung neuer Principien und Gesichtspunkte. Sein größtes Verdienst sei das, was ihm die Juden zugeschrieben: Die Wortsührunng fürs Judenthum. Die Juden könnten ihn reclamiren und feiern, aber attch — behalten". Wahrlich ein solch' großartiges Geschenk würden wir mit höchstem Danke annehmen — nur müßte es aus besseren Händen gereicht werden. — In der Ange-! legenheit des vr. Straßmann wollen wir noch Folgendes mittheilen: vr. Straß mann hat in der vorgestrigen Ber- I sammlung des Bezirksvereins für das Stralauerviertel nach; der „Boss. Ztg." durch einen Bevollmächtigten die Erklärung abgeben lassen, daß er nur die im 27. Communalwahlbczirk auf ihn gefallene Wahl annehmen werde, da er besonderes Gewicht daraus lege, von der 3. Abtheilung gewählt zu werden. — Der Louis enstädtische Bezirksverein hat in seiner Versammlung vom 5. d. M. folgende Resolution einstimmig zum Beschluß erhoben: „Der Verein erachtet es gegenüber den Angriffen, welchen Herr vr. W. Straßmann

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