Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1880)
- Date
- 1880-11-23
- Page
- Seite 740 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227333--38503-3307745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
740 selbe unterschrieben haben! Als ob jetzt in Deutschland noch I Weißt Du schon, gestern war ich bei Stöcker, das ist doch Mannesmuth dazu gehört, auf die Juden zu schimpfen, und | ein wahrhaft Deutscher Mann, der hat doch Charakter, den nicht vielmehr sie zu vertheidigen! Oder wollen die gedachten Blätter damit sagen: das Recht und die für dieses eintretende öffentliche Meinung wird von dieser Petition so verletzt, daß Muth dazu gehört, sich zu ihr zu bekennen! Kaum waren die obigen Borgänge vorüber, als ein neuer die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. Zu den Faiseurs der Stöcker'fchen Petition gehören zwei Grimnasiallehrer Di-. Jungfer und Dr. Förster. Der erstere hat muß man in seinen Bestrebungen unterstützen, worauf Dr. Förster in allerdings vorzüglich gemauscheltcr Tonart erwidertc: „Na, Straßmannlcben hat's ja schon abbekommen." In höchst indignirter Weife rief Herr Levin aus: „Diese Unverschämtheit geht denn doch zu weit" rc., während ich vor die Herren hintrat, ihnen erklärend, daß sie Beide ganz unverschämte Buben seien, von denen es eine Schande und Schmach sei, daß sie, anscheinend gebildete Leute, sich zum eine judengehässige Broschüre geschrieben: „Tie Juden unter j Sprachrohr solcher Hetzereien machten, wofür sie eigentlich Friedrich II.", der letztere in Stöckerschen Versammlungen die! Ohrfeigen verdienten. Jetzt sprang Dr. Jungfer von dein Petition empfohlen. Ueber die Sache selbst giebt der Brief,; am Endpunkte der Tour angclangten Wagen, sehr oft „ Schutzden der Betheiligte an den Director des Gymnasiums, an mann" rufend, herab. Ich stieg ebenfalls aus und Dr. welchem Förster fungirt, authentischen Aufschluß. Er lautet:! Förster, wohl annehmend, daß ich mich „drücken" wollte, Berlin, den <>. November 1880.;mir einige bezügliche Worte zu. Mittlerweile war ich . .! auf dem Trottoir angelangt und erwiderte Herrn Dr. F., Hochgeehrter Herr. i paß ich weit entfernt sei, mich zu „drücken", im Gegentheil Unter höflicher Bezugnahme auf die heute gehabte Unter-i frCue, daß durch den Schutzmann seine Identität rednng erlaube mir nachstehend den Hergang der beregten; werden würde, worauf dieser mir erwiderte: „Ach Affairc objectiv mitzutheilen. .... : was, Sie sind ja nur ein Jude." Die Antwort darauf war Gestern gegen fünf Uhr Nachmittag» bestieg ich in der; e|ne fxräftige Ohrfeige. An der Erwiderung derselben wurde 2eipzigerstraße den nach der Behrenstraße fahrenden Pferde- > ,^err j)r> görfteT durch das Publikum, welches Angesichts der bahnwagen. Ich kam in unmittelbarste Nähe der Herren; sjjtoöocation ohne Ausnahme für mich Partei nahm, verhin- Dr. Förster und Dr. Jungfer zu sitzen, die eine laur geführte > j,ert Drei Herren, von denen zwei Christen, gingen freiwillig Unterhaltung, tte sogenannte Judenfrage betreffend, führten. mit ,ur P^izei, um mir als Zeugen zu dienen. Da mich die Sache nichts anging. so achtete ich wcn-g da- Nach einigen Minuten trat Dr. Jungfer an mich heran rauf, bis schließlich Worte, wie „jüdische Journalistenlümmel", sagte ungefähr Folgende»: „In der Eigenschaft als „jetzt werden nicht mehr Worte gebraucht, e» giebt jetzt .Kartellträger wünsche ich Sie morgen in einer Ehrensache zu Deutsche Hiebe" (letzteres scharf accentuirti, „der 1. Januar besuchen, ich hoffe von Ihrer „Ehrenhaftigkeit", däß Sie zu 1881 wird schon bessere Resultate zeigen" :c. meine schärfere Hause sein werden." Ich entgcgnete, daß ich den Herrn Aufmerksamkeit erregten. Ter dicht besetzte Wagen leerte stch , zwischen 8 und Uhr erwarten würde. — Statt dessen erschien am Gensdarmenmarkt thcilweise und vertauschte ich meine! eingeschrieben" nachstehender Brief an Herren Kantorowicz, noch besetzte Reihe mit einem vis-<i-vis gelegenen, leer ge-; j^a. Köpnickerstraße: wordenen Platz. Ich saß neben Herrn Dr. Förster, schon, „Völlig unsatisfactionsfähig, wie Sie, theils auf Grund vorher hatte ein anscheinend jüdischer älterer Herr unter ^s heutigen Benehmens, theils auf Grund anderer Mit- Zeichen des gegebenen Aergerniffe» den Wagen verlassen. ^Heilungen, nach dem Urtheile aller sachkundiger Männer sind, Neben Herrn Dr. Jungfer saß ein Herr Levin, ca. .-><> Sabre; je^ mein Freund Herr Dr. fibil. Jungfer es vor, sich nicht alt. Die beiden Herren Doctoren müffen mich und Herrn burcfi weiteres Benehmen mit Ihnen zu beschmutzen, sondern Levin wohl als Juden erkannt haben, plötzlich sagte Dr. <z.:>ben Weg der Civilklage zu beschreiten, gez. Dr. Förster." . Cx rc v co Was meinen satisfactionsfähigen Charakter betrifft, so d. Recke-Bolmarstem, Maior a. T.. Hofchen-Commende; Dr. Rupp- . recht, Sanitätsrath, Hettstädt; Rudolf Meyer v. Schauensee, Nürnkönnen nur Lugner etwas denselben schädigendes ausgefagt bcrg; Schirmer, Gut-päckrer und Amtsvorsteher, Nmhaus b. Te-! haben. Daß ich, nach dem was vorgegangen, es für selbstlisch; Enst Schmeitzner, Berlagsbuchhandler, Chemnitz; Graf v. d.! . _ „ .. 3 _L . ' , Schulen bürg, Major a. D., Mitglied des Herrenhauses, Beetzendorf; > verständlich hielt, day ein Duell erfolgen muffe, wird nach »• .fÄ0®' Rittergutsbesitzer, Rudnik bei Ratibor; Seydel, Rittermeiner bezüglichen Acußcrung wohl Niemand bezweifeln, antsbefitzer und Fabrikbesitzer, Guben: Stromberger, Pfarrmcar,! .. , , . .. . , Biebesheim bei Darmstadt; Wahl, Amtsrichter. Alsfeld in Hessen;, AngestchtS des erhaltenen Briefes eriftiren die beiden beregten E- Watzdorff-Wielenburg; H. Werber. Buchdrucker Berlin; Dr. H^ren für mich natürlich nicht mehr. Camrllus Wendeler, Steglitz b. Berlin; H. Wredemann, Rechtsanwalt , , T* , _ , , und Notar, Chemnitz; Widemann, Juwelier, Dresden-Neustadt; C.! Mit hochachtungsvoller Ergebenheit Wilmanns, Amtsgerichtsrath, Berlin; Freiherr Hans Paul v. Wolirdmnnd dnntnrnwir: zogen, Bayreuth; v. Wulffen, Gei eral-Licut« uat z. D.. Breslau; . . Profesior Friedrich Zöllner, Leipzig. i Köpnickerftraße 10llu. H.