Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1880)
- Date
- 1880-11-23
- Page
- Seite 741 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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741 Gegen diesen Brief veröffentlichten die beiden Menschen eine Erklärung, von der aber selbst die „Germania" gesteht, daß sie an der Sache und dem Urtheil über sie nichts ändere. In der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 11. Nov. kam die Angelegenheit zur Sprache, da beide städtische Lehrer sind. Auf eine Anfrage des Stadtv. I)r. Hermes über das in den Zeitungen mitgetheilte unangemessene Benehmen zweier Lehrer an höheren Lehranstalten, der Doctoren Förster und Jungfer, will der Stadtschulrath Cauer sofort antworten. Der Stadtv. Hermes führt daher die Angelegenheit weiter aus und bemerkt, daß die durch Stöcker hervorgerufene Judenhetze verabscheuenswerth und verächtlich sei. Was die an. Lehrer betreffe, so gingen ihre Leistungen nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus (Stürmische Unterbrechung, bei der züge mitgemacht hat. Es ist vielleicht interessant hinzuzufügen, daß nicht nur er, sondern auch seine sämmtlichen fünf Brüder als Einjährig-Freiwillige ihrer Dienstzeit genügt und die letzten Feldzüge mitgemacht haben.') — Endlich scheint cs doch lichter zu werden' Endlich schüttelt man den Alp ab, der auf den Geistern lag'. Folgende Erklärung erschien soeben in den Berliner Blättern: Erklärung. Heiße Kämpfe haben unser Vaterland geeint zu einem mächtig aufstrebenden Reiche. Diese Einheit ist errungen worden dadurch, daß im Bolksbewußtsein der Deutschen das Gefühl der nothwendigen Zufammengehörigkcit den Sieg über die Stammes- und Glaubenssätze davontrug, die unsere Nation wie keine andere zerklüftet hatten. Solche Unterschiede den einzelnen Mitbürger entgelten zu lassen, ist ungerecht der Vorsteher bemerkt, daß die S.ualisicarion der betr. Lehrer j und unedel und trifft vor Allem Diejenigen, welche ehrlich nicht zur Anfrage gehöre) und die jetzige Judenhetze sei eine Schmach unseres Jahrhunderts. (Bravo.) Stadtschulrath Cauer legt Verwahrung gegen die ausgesprochene Kritik ber Qualification der au. Lehrer ein; ist aber in der Sache einverstanden mit dem Vorredner. Redner habe sich überzeugt, daß die in den Zeitungen enthaltene Darstellung, wenn auch mit einer Verwechselung der beiden bethciligten Lehrer ganz richtig sei und daß der Director l bereits beim Schul-Collegium eine Disciplinar-Untersuchung beantragt habe. Ter Director sei durchaus entrüstet über den Vorfall und der Magistrat werde die strengste Bestrafung fordern. Die Stellung der qu. Lehrer und ihre Wirksamkeit an der Schule sei im höchsten Grade gefährdet; es dürfe aber die gerechte Entrüstung nicht auf alle Lehrer ausgedehnt werden. (Bravo.) und ernstlich bemüht sind, im treuen Zusammengehen mit der Nation die Sonderart abzuwerfen. Von ihnen wird cs als ein Treubruch derer empfunden, mit denen sie nach gleichen Zwecken zu streben sich bewußt sind, und es wird dadurch verhindert, was das gemeinsame Ziel ist und bleibt: Die Ausgleichung aller innerhalb der deutschen Nation noch von früher nachwirkenden Gegensätze. In unerwarteter und tief beschämender Weise tvird jetzt an verschiedenen Lrten, zumal den größten Städten des Reichs, der Racenhaß und der Fanatismus des Mittelalters I) Wir entnehmen dem „B. B. C." Folgendes: Was I>cn re. Förster anlangt, so haben wir zu erwähnen, daß derselbe als Student Ausnahme in die Familie eines hiesigen geachteten jüdischen Bankiers Sch. als Hauslehrer gefunden hatte und daß man ihm dort sogar noch vor zwei Jahren das Vertrauen schenkte, ihn mit den heranwachsenden Söhnen eine Reise unternehmen zu lassen. Die betreffende Familie hatte Herrn Förster eine in jedem Sinne sehr angenehme tadtv. I)r. Langerhans beantragt auch hier eine Be-, Position bereitet, ohne sich natürlich dessen versehen zu können, daß derselbe später zu derartigen hetzerischen Ausschreitungen übergehen sprechung und hält cs für Pflicht der Versammlung, in diese Sache ein Wort mitzusprechen. Unsere jüdischen Mitbürger und unter ihnen hochverdiente Männer, sind öffentlichen Insulten ausgesetzt und wir müssen unsere Entrüstung darüber aussprechen. Wo Verleumdung, Haß und Neid gepredigt werde, seien die Säle immer voll; wir können solche Tinge nur mit Verachtung strafen (Bravo). Tie Angelegenheit ist hiermit erledigt. Herr Edmund Kantorowiez hat gestern an das Landwehr-Bezirkscommando ein. officielles Schreiben gerichtet, in welchem er demselben Mittheilung von dem unqualificirbaren Benehmen des Reserve - Lieutenants I>r. Bernhard Förster macht, in dem er ferner dem Landwehr-Commando anzeigt, daß er denselben vor Zeugen für sein Benehmen körperlich gezüchtigt habe und in dem er ersucht, die Angelegenheit beim Ehrengericht des Regiments anhängig zu machen. Wir möchten erwähnen, daß Herr Edmund Kantorowicz selbst :oldat gewesen ist und als freiwilliger Artillerist zwei Feld-j dieses Factums für interessant. würde. Wir können es übrigens zur Charakterisirung der Persönlichkeit des Herrn Förster nicht unterlassen, hier einen Vorfall mit zutheilen, der etwa zwei Jahre zurückdanrt. Es wurde damals in dem Wagnerischen Restaurant, bei dem sogenannten ^.Schweren Wagner", der Geburtstag des Kaisers von den Reserveofsicieren^ des Regiments, bei dem Förster gestanden hatte, gefeiert. Zu dieser Feier war ein Börsenmann als ehemaliger Bicefeldwebel eingeladen worden und es war dies die einzige Persönlichkeit, die in Civil anwesend war. Förster kam später und nach kurzer Zeit begann derselbe, sich in Redensarten in dem Sinne jener, deren er sich in einem Pserdebahnwagen am Montag schuldig gemacht har, za ergehen. Der betreffende Börsenmann, der einzige Anwesende jüdischen Glaubens, stand auf und bat seinen Nebenmann, mir ihm herauszukommen. Er ersuchte den betreffenden Herrn, dem p. Förster mitzutheilen, daß er Satissaction von ihm verlange. Die Angelegenheit kam vor den Ehrenrarh der Osficiere und dieser entschied, daß Förster Satissaction zu geben habe. Nach mehreren Tagen schickte indeß Förster^ einen Freund zu dem beleidigten Börsenmann mit der Bitte, ob sich die Sache denn nicht „im Guten beilegen ließe". Der betreffende Mörsen - mann erklärte, er wolle auf die Satissaction mit den Waffen nur unter der Bedingung Verzicht leisten, wenn Förster nicht nur einfach deprecire, sondern dies in einem Briefe, den der Beleidigte ihm vorschreiben werde, thäte. Förster erklärte sich hierzu in der Thal bereit und schrieb einen, solchen abbiltenden Brief. Zur Charakerisirung der Persönlichkeit des Herrn Förster halten wir die Erwähnung