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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-16 · Heft 46 (16.11.1880) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 46 (16.11.1880)
Date
1880-11-16
Page
Seite 730 (sequence 10)
Language
German
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730 fahrungen in anderen Ländern keine allzudrückende Last, ob--! schon natürlich ie kleiner die Gemeinde ist, die Erfordernisse j um so größer werden. Wir würden sagen, es müßte in! solchem Falle eine Centralcaffe geschaffen werden, welche an! die Stelle des staatlichen Cultusetats treten müßte. Aber! die Erfahrung lehrt, daß dies eine Chimäre ist, wenn kein staatlicher Zwang vorhanden ist. Würde in dem angegebenen Falle doch auch die Consistorial-Bersaffung aushören. Ich glaube, daß die französischen jüdischen Journale gut thäten, diesen Gedanken auszufaffen und dafür mit allem Nachdruck einzutreten. Schwei;. Aus der Schweiz, 2. November. (Privatmitth.) Die Thätigkeit des H. vr. Kayserling, jetzt Prediger in Budapest, hat in den scheinbar dem Untergange geweihten altschweizerischen Judengemeinden Endingen und Lengnau manche segensreiche Spur hinterlaffen, die in mancher Hinsicht diesen gegenüber den auflebenden neuen Gemeinden immerhin noch einige Bedeutung giebt. So war die Gründung des „Culturvereins der Israeliten in der Schweiz" vor ungefähr zwanzig Jahren von diesen Gemeinden aus aus Anregung des vr. K., der auch Ehrenmitglied desselben ist, gegründet worden, und hatte sich über die ganze Ostschweiz ausgcbreitet. Das eigenthümliche Hinderniß, welches die wälschen Schweizer dem Eindringen von Institutionen aus dem Osten bei Jud' und Christ entgegenstellen, konnte allerdings auch dieser sowohlthätig wirkende Verein nicht übersteigen. Herrn vr. Kayserling folgte im Präsidium des Culturvereins der wackere Advokalvr.Guggenheim, wie man das hierzulande nennt, Fürsprech! in Baden, der die Bemühungen dieser Gesellschaft zur An-: strebung der Gleichstellung der Juden in unseren! Lande und! speciell im Canton Aargau, wo derselben am allerlängsten Hinderniffe in den Weg gelegt wurden, mit besonderem Nach-! drucke vertrat. Unter seiner Amtsführung waren namhaste Erfolge zu verzeichnen und die Trennung der Ortsgemeinden! in Endingen und Lengnau in jüdische und christliche mit selbständiger politischer Verwaltung zu Ende geführt. Im Jahre 1877 wurde vr. Kisch, Rabbiner in Zürich, an die Spitze der Verwaltung des Vereines gestellt, der aber nunmehr in politischer Beziehung, Gottlob, wenig zu thun hat, da die politische Gleichstellung in der Schweiz nun eine vollendete Thatsache ist. Immerhin hatte der Vorstand, dem seither, außer dem Präsidenten, die Herren Fürsprech Guggenheim in Baden, vr. med. Bloch in Endingen» vr. med. Bollag in Lengnau und Haas in Baden angehören, auch in den letzten Jahren noch Gelegenheit bei den Behörden zu interveniren. So in der, erst im letzten Jahre endgiltig gelösten Hei mathssrage der Aargauer Juden, in den, dem Mschlusfe des schweizerisch-rumänischen Handelsvertrages vorangegängenen Verhandlungen, in der mannigfach aufgetauchten Schächtfrage u. s. w. Immerhin hat dieses Gebiet nur eine ziemlich beschränkte Thätigkeit erfordert, so daß der Borstand danach strebte, die Wirksamkeit des Vereines von dem äußeren Reffort mehr auf das innere zu verlegen. Das Bestreben, den Verein in einen Gemeindebund umzuwandeln, führte trotz mehrer Conferenzen mit den Vertretern der verschiedenen Gemeinden, namentlich durch die Passivität der Wälschschweizer, zu keinem Resultate. Da der Culturverein als einfacher Stipendienverein, zu dem er sich degradirt sah, nicht fortvegetiren mochte, so versuchte man, durch Androhung der Auf-! lösung, das Jntereffe für denselben zu heben und ihm einen 1 größeren Wirkungskreis zu sichern. Am letzten Sonntag, den 31. October, war nun in Zürich Generalversammlung des Vereines, in welcher der Präsident, Rabbiner vr. Kisch, ein Projekt vorlegte, welches dem Verein eine bedeutende Thätigkeit und segensreiches Wirken von neuem eröffnet. Ohne den Verein auszulösen, solle von nun ab der Hauptzweck desselben auf ein anderes Gebiet verpflanzt werden; derselbe solle von nun ab die Gründung gemeinnütziger Institute für die Israeliten in der Schweiz zu seinem Hauptzwecke machen. Vorerst solle in einer der alten Gemeinden, wo durch den Wegzug so vieler Mitglieder billige Grundstücke zu haben und wo gute Schulen und wohlfeile Pflegekräfte vorhanden sind, ein Asyl und Waisenhaus ins Leben gerufen rverden. Das Vereinsvermögen solle hierauf verwendet und alle Anstrengungen gemacht werden, das Institut im größtmöglichen Maßstabe anzulegen. Als Muster standen dem Präsidenten ähnliche Asylhäuser in Amerika vor Augen, welche einzelstehenden älteren Personen, die ihre bescheidene Rente im Hause verzehren wollen, so wie anderen, die auf Bereinskosten darin untergebracht würden, im Verein mit den Waisenkindern ein Heim schaffen, worin sie einander wechselseitig physisch und moralisch fördern. Die Idee fand bei der Versammlung großen Anklang und der mit Acclamation wiedergewählte Vorstand erhielt den j Auftrag, sich mit geeigneten Kräften aus allen Theilen der ' Eidgenossenschaft zu verstärken und dann so rasch als möglich! ans Werk zu gehen. Bedeutende Summen wurden vorläufig i auf 5 Jahre als jährliche Subfidie theils sofort gezeichnet, i theils in Ausficht gestellt. i Jedoch wurde auch beschloffen, daß in diesem Jahre noch j die seit Jahren üblichen Stipendien an Studirende und Hand-! werter vom Vorstande bewilligt werden sollen.! Als sollte dem Culturvereine bewiesen werden, wie nöthig feine Thätigkeit auch in der alten Richtung noch jetzt sei,; meldet sich eine neue leider sehr bedenkliche Bewegung gegen das rituelle Schlachten an. Gestützt auf das in einer Brochüre des Rabbiner (!) Sterrr in Buttenhausen abgedruckte Gut-

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