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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-09 · Heft 121 (9.10.1838) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 121 (9.10.1838)
Date
1838-10-09
Page
Seite 489 (sequence 3)
Language
German
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489 Und grünt cs nicht, und fällt es welkend ab, ES kann den Kranz des Siegers nicht entehren. # Und wenn vom Kampfe nun in stummer Feier Ein Trauerzug in Jacobs Tempel kehrt: Da naht ein Jüngling sich mit schwacher Leier — Ihm gab daS Schicksal nicht das mächt'ge Schwerdt, Doch Liebe, die er treu im Busen pflegt; Und bangend tritt er in deö Tempels Hallen, Um, was die Brust ihm wundersam bewegt,. In Klagelieder seufzend hinzulallen. Wol kann er nicht den starren Blick gewöhnen, Wol ängstet ihn die dumpfe Todeöluft — Doch naht er rasch, und wirft mit heißen Thränen' Sein EintagSblümchen auf des Helden Gruft. Und grünt eS nicht, und fällt. es welkend ab, ES kann den Ruhm deS Helden nicht entehren:. Waö ewig, reichet über Tod und Grab, Was zeitlich ist, das muß die Zeit zerstören! IT. Xlnftx Glaube. ES steht ein Felsen unerschüttert Dem Flammenrad der Ewigkeit, Den Sturm und Regen nie verwittert, Den nie gehöhlt der Strom der Zeit; Und ihm entspringt ein Quell von Wahrheit,. Er bricht der Lüge Damm entzwei, Und alle Nebel werden Klarheit, Und alle Seelen licht und frei; Ein Felsen ist'S, doch schön umblühet, Von Laub und Blumen hold umkranzt, Wo hier die Rose bunt erglühet, Bescheiden dort daS Veilchen glänzt. Da reift die Hoffnung ewig Garben, Selbst bei deö Winters rauhem Gruß, ES spielt der Wunderschmelz der Farben Auch bei deS Lenzes Abschiedskuß. Wohl Dir im tiefsten Herzen kündet,. Jeschurun, laut mein Saitenklang, Wo dreier Fels, so fest gegründet, Trotz aller Mächte Riesendrang. Seit so viel Jahre hingeschwunden, Auf deinen Höh'n in deinem Fall, Stets hast du Kraft und Muth empfunden. Schon bei deö Namens Wiederhall. Ist nicht dein höchstes Gut im Glauben? Beutst du nicht hier den Feinden Trutz? Wol mochten sie dir Alles rauben, Doch nie der Treue Felsenschutz. Und wo den Altar du gebauet, Erhebt sich jetzt der Freiheit Thron — Du hast gehofft, du hast vertrauet, Und schuldend bringt die Seit den Lohn. Drum ob die Grenzen sich erweitern, Du weiche nie von deinem Hort; Im- Leben kann die Hoffnung scheitern — Doch ewig steht der Rettung Port! (Fortsetzung folgt.) Co^rrespondenzen, Auszüge, Repliken, Prag, im August 1838. Ich vermuthe^. warum Ihr Correspondent S. es unterläßt, cmf gewisse Angriffe zu antworten; Angriffe, die um so unwürdiger erscheinen, als sie in Ausdrücken, die schon längst aus dem Wörterbuche der civilisirten Welt gestrichen sind, und an einem Orte hervorgebracht wurden, von welchem aus man ganz andere Dinge als Repliquen auf einen vermeintlich beleidigenden Zeitungsartikel erwarten sollte. Ich kann ihn nur loben, daß er einen Menschender Herzensergießungen ähnlicher Art fähig ist, feiner moralischen Selbstvernichrung überläßt, und wie jener fahrende Ritter von der traurigen Gestalt seine eigene Lanze gleich an der ersten Windmühle, die ihm aufstößt, zersplittern laßt. Unangenehm aber wäre es, wenn er sich durch eine solche Opposition von einer fernem Besprechung der hiesigen Angelegenheiten abschrecken ließe; und in der That scheint dieses aus seinem längeren Stillschweigen hervorzugehen, wo doch Manches einer Erwähnung durch die Allgemeine Zeitung des Judenthums bedürfte. Doch sie sollen nicht ohne Correspondenten bleiben. Möge O zusehen, daß er den Ereignissen nachkommt, mag er die Leichenreden fürchten; ick habe keine Furcht, weder vor Leichenreden, noch vor Reden, die von vermoderten Leichen, aus einer längst verwettcrten Zeit, mit ihren unbekannten Klagelauten zu uns herübcrtönen; wir verstehen keine Flüche, keine Verwünschungen mehr, diese Zauberformeln üben keine Gewalt mehr über uns, und die Menge, die sonst solchen Reden mit thränendeu Augen zubörte, steht nun ruhig da, zuckt die Achseln, und vergißt ob der lächerlichen Polemik vom Leichenrednerstuhle herab, daß die Rede dem Andenken eines frommen Manneö gilt. Bewunderungswürdige Beredsamkeit! Und so vernehmen Sie denn. Rabbi S. Kauder starb, und es war nicht ein Einziger in der Gemeinde, der ihm nicht einige Worte lobender Anerkennung nachzusagen wußte. Man felgte ehrfurchtsvoll seiner Leiche, fi.rirte seiner Wittwe eine lebenslängliche Pension. Sie sehen., man weiß hier Verdienste zu schätzen. Kurz nach dem Leichenbegängnis kam es zur Sprache, wie man den erledigten Platz würdig besetzen könnte. Daß dabei die Worte „Zeitgemaßheit" und „Notwendigkeit" nicht gespart worden, können Sie sich denken. Aber Worte sind keine Thaten, es sollte und mußte etwas geschehen. Der will den erledigten Platz, die halten ihn nicht für fähig ihn anzunehmen. Jntriguen, Subscriptioncn, Mes war in Bewegung; ein endloses Gewirre! Einige Wenige riefen, wir müffen einen Mann habender mir kräftigen Armen uns und unsere Kinder dahin zurückführt, von

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