Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1880)
- Date
- 1880-11-02
- Page
- Seite 699 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227330--38459-3307692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
699 und ist zu wünschen, daß dem Beispiele der hauptstädischen j wird täglich gesicherter; dieselben genießen eine vollständige Gemeinde, deren Beiträge in erster Reihe die segensreiche Gleichheit der Rechte, haben mehrere Male das Wahlrecht aus- Wirksamkeit des Vereines ermöglicht haben, alle Gemeinden! geübt und 3 von ihnen sind Canditaten für die Deputirtendes Vaterlandes recht bald folgen werden. Dem Berichte, j kammer gewesen. H. Gabriel Almosnino in Sofia ist von der der in ungarischer und deutscher Sprache erschienen ist, geht j Regierung zum Großrabbiner der Israeliten von Bulgarien ereine Abhandlung von Prof. Dr. D. Kaufmann voraus: „Die > nannt worden und Sr. Hoheit der Fürst bezeugt den Israeliten Spuren Al-Batlajusi's in der jüdischen Religions-Philosophie ■ bei jeder Gelegenheit die wohlwollendsten Gesinnungen, nebst einer Ausgabe der hebräischen Uebersetzungen (!) seiner i bildlichen Kreise." Sie werden auf diese Abhandlung wohl Bonn, 2-1. Oet. (Notizen.) Der „Fränk. Courier" noch zurückkommen. schreibt aus Nürnberg vom 22. Lei.: „Mit großem Bedauern vernehmen wir, daß Herr I>v. Lev in, Rabbiner der Belgien. Ostende, im October. In der jüngsten Saison befanden sich auch die Herren von Rothschild und von Bleichröder aus Frankfurt a. M. und Berlin allhier. Es fehlte an einer Localität zur Feier des Jom Kippur, und Herr v. Bleichröder stellte seinen Glaubensgenoffen einen Saal in seinem Hause zu Gebote. Er ließ auch Herrn v. Rothschild hiesigen israelitischen Gemeinde, sich entschlossen hat, sein Amt niederzulegen, um ganz der wiffenschaftlichen Thätigkeit obliegen zu können. Sein Weggang von hier ist für die Stadt Nür berg ein großer Verlust zu nennen. Ausgerüstet mit einem umfaffcndcn Wissen und großer Beredsamkeit, wußte sich Dr. Levin durch seine große Liebenswürdigkeit, sowie durch sein humanes und tolerantes Auftreten, sehr zur Thora aufrufen und spendete dafür 6000 Mark. Herr bald beliebt zu machen, fo daß sein Name in allen Kreisen v. Rothschild schenkte 20,000 Mark zur Erbauung einer hiesiger Stadt mit großer Hochachtung genannt wird." -Synagoge. Auf diese Weise wird man in Zukunft den Gottesdienst in einem eigenen Tempel feiern können. Frankreich. Paris, 22. Oct. Die Leser werden sich erinnern, daß seit einigen Jahren hier eine Caffe der jüdischen Gemeinde aus freiwilligen Beiträgen besteht, aus welcher die erforderlichen Mittel gezogen werden, um die Institutionen der Gemeinde zu erhalten, für welche die vom Staate gebotenen Cultuskosten nicht ausreichen. Tie Unentbehrlichkeit einer solchen Caffe leuchtete ein und die Spenden waren bedeutend. Der jüngste Bericht der Verwaltung zeigt nun, daß die Zahl der Spender von Jahresbeiträgen bedeutend gewachsen ist, von -1-17 im Jahre 1874 stieg sie auf 1110 im Jahre 1870 und einmalige Gefchenkgeber, die 187-1 nur 74 betrugen, waren 1879 zu 481 angewachsen. Demungeachtet hat sich die Summe der eingelaufenen Gelder vermindert, und der Bericht beklagt dies heftig. Jndeß sollte man anderer Meinung sein. Je größer die Zahl der Beitragenden und Spender wird, auf desto sicheren Füßen steht die Easse, die sich auf eine immer größere Theilnahme stützt. Wenn die mißlichen Erwerbsverhältniffe wieder gewichen sein werden, werden die Spenden auch wieder eine größere Höhe erreichen, während der anfängliche Enthusiasmus einiger Wenigen bei allen Anstalten nur eine geringe Bürgschaft bietet, da man auf seine Dauerhaftigkeit nicht rechnen kann. Bulgarien. Ans Bulgarien, im October. Der Alliance isr. nniv. wird berichtet: Die Lage der Israeliten des Fürstenthums Bonn, 24 üct. (Literarische Notizen). Esther Königin von Persien und Medien. Ein Drama in fünf Aufzügen von B. Hause. Eisenach, Selbstverlag. 1880. Ter Berf. hat sich hinsichtlich seines Stoffes an das bliblische Geschichtsbuch gehalten; die Motive Hamann's in geschickter Weise durch das Streben nach der Krone und dem Besitze Esthers bereichert; auch die Verhältnisse der Juden aus den politischen Gesichtspunkten des modernen Staatsrechts zur Anssprache gebracht. Alles dies genügt aber nicht, um ein gutes Drama zu schaffen und den ästhetischen Forderungen zu genügen. Was dem Verfaffer besonders mangelt, ist die poetische Knappheit im Ausdruck. Es werden nicht allein unerträglich lange Reden und Monologe gehalten, sondern der ganze Styl ist weitschweifig und wortreich und die Flickwörter nehmen den größten Raum der Verse ein. Dem kommen nun eingeschobcne sentimentale Svenen nicht zur Hülfe, wie der Abschied der Esther von Mardechai und den zwei Kammermädchen, bevor sie zur Königin geht, der eine verwässerte Nachahmung aus Marie Stuart ist. Andere Üccncit grenzen nahe ans Komische, z. B. wie Mardechai wegen des Trauerrisses in seinem Gewände nicht zur Königin gelassen wird, sich vor die Stirne schlägt, daß er dies vergessen und schnell nach Hause läuft, um sich anzukleiden. Kurz, der ante Wille und die gute Gesinnung reichen nickt aus, um ein gutes Drama zu schaffen, und das biblische Epos in seiner Gedrängtheit und seinem effectreichen Gange ist bis heute noch unübertroffen. — 44: