Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1880)
- Date
- 1880-11-02
- Page
- Seite 695 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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des Anderen für ein und dasselbe, also unterschiedslos zulsonderes heißen. Wollte aber H. damit sagen, daß der erklären. Oben hatte H. behauptet, „durch die Gegenüberstellung mit der geschaffenen Welt werde Gott die Absolutheit geraubt" — und hier ist ihm der „Wille Gottes das schöpferische Princip in Gott, das sich in einem Weltproceß bethätigt, der einen zeitlichen Anfang und ein zeitliches Ende" habe. Wie? ist hier die Welt, das Universum, das Sinnlich-Wahrnehmbare nicht Gott „gegenübergestellt"? d. h. das Geschaffene vom Schöpfer unterschieden, das Endliche vom Unendlichen, das Werdende und Vergehende vom Ewigen? Ist das etwas Anderes als Theismus? Raubt H. dadurch nicht Gott die Absolutheit ganz wie der Theismus? d. h. wenn dieser das wirklich thäte! Denn das Wort „Gegenüberstellung" hilft Herrn Hartmann nichts. Die „zeitliche" Welt ist geschaffen, von Gott geschaffen, also von Gott verschieden, wie Hartmann selbst die „Jdentistcation des raumzeitlichen Universums mit Gott" verwirft — das ist also einfach 1. Mos. 1,1: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde d. i. die Welt;" wir stehen wirklich noch da, wo Moses stand. Es wird also auch von H. das Absolute und das Individuelle unterschieden: würde daher das Individuelle eine Beschränkung des Absoluten sein, so würde auch H. „der Gottheit die Absolutheit rauben." — Ferner erkärt H., daß er „fern sei von einer Erniedrigung des absoluten Geistes zur Gesammtheit der endlichen (bewußten) Geistesproceffe." Er hat hiermit die Jdentificirung des menschlichen Denkens, Fühlens und Wollens mit dem absoluten Geiste, mit Gott, verworfen, für eine Erniedrigung Gottes erklärt; das menschliche Denken, Fühlen und Wollen ist ihm durchaus verschieden von dem Gottes, wie er denn auch diesen „Unterschied von Gott und Mensch" ausdrücklich „vor jeder Verflüchtigung" verwahren will. Wir fragen nun: was bleibt denn da für das „Weseneins" Gottes und des Menschen übrig, das doch das Characteristikum des concreten Monismus, die Grundlage der Zukunftsreligion sein soll? Wenn weder der menschliche Leib, noch das menschliche Denken, Fühlen und Wollen mit Gott eins ist, wo ist denn nun das Wesen des Menschen, das dennoch mit dem Wesen Gottes eins sein soll?... H. will sich in eine Subtilität flüchten. Welche ist diese? Er sagt: „Ich sehe in dem Willen, und zwar als Moment oder Attribut des absoluten Geistes verstanden, das schöpferische Princip in Gott." So allgemein gefaßt ist die Lehre, daß der Wille Gottes die Welt geschaffen, eine sehr alte. Wenn es 1. Mos. 1,4 heißt: „Und Gott sprach: es werde Licht, da ward Licht", so heißt dies nichts Anderes, als: Gott wollte, daß es Licht werde, und es ward, also7!„der Wille Gottes ist das schöpferische Princip in Gott." Es bleibt also H. nichts übrig, als dieser Wille ist „Moment oder Attribut des absoluten Wille Gottes das Wesen Gottes sei, und so mit dem Willen Gottes das Wesen Gottes in die geschaffenen Dinge kam? Dann hätte er sich deutlicher aussprechen sollen und sagen, was er unter dem vieldeutigen Attribut versieht, obschon er den Sinn dieses Wortes durch „Moment oder Attribut" schon abgeschwächt hat. Aber auch dies würde H. nichts helfen. Wäre nach seiner Meinung der Wille Gottes Wesen Gottes, so daß dadurch das Wesen des Geschaffenen mit Gott weseneins geworden, so wäre eben fein Unterschied zwischen Gott und dem Dinge; es würde ferner jedes geschaffene Ding ebenso weseneins mit Gott sein, wie der Mensch, der Stein ebenso weseneins mit Gott, wie der Mensch — und dann sind wir wieder beim Pantheismns und Naturalismus angelangt, die Hartmann doch perhorresciren wollte... Hiermit wären wir mit der vorliegenden Schrift Hartmanns nach dem Rahmen dieses Blattes und seiner Aufgabe fertig. Allein wir wollen die Frage, namentlich über den letzten Punkt, nicht umgehen, sondern auch positiv beantwotten, und gestatten uns deshalb, einige Sätze aus dem zweiten Theile unserer ausführlichen Darstellung der Israelitischen Religionslehre (Leipzig 1862 S. 32) wörtlich anzuführen, schon auch damit man nicht glaube, daß wir unsre Ansichten nach den Deductionen Hartmanns gemodelt hätten, da wir vielmehr nur die altbewährten Lehren des Judenthums vortragen. Es ist der Paragraph über die Allgegenwart Gottes. „Hier frägt es sich nun, wie ist Gott in allen Dingen ohne diese selbst zu sein, ohne daß sein Wesen zu ihrem Wesen geworden? Die Antwort lautet: sein Schöpfungsgedanke und sein Wille sind in jeglichem Dinge, dadurch werden die Dinge und sind sie so, wie sie sind. —Schon wenn ein menschlicher Künstler oder Werkmeister Etwas fertigt, z. B. ein Uhrmacher eine Uhr, so legt auch er seinen Kunstgedanken und seinen Willen in das Werk, denn nach jenem und durch diesen fertigt er es, und die Einrichtungen des Werkes werden und sind vermittelst jener. Aber der Mensch kann doch nur den von Gott geschaffenen Stoff nach den von Gott in diesen gelegten Gesetzen verwenden, und es sind nur äußerliche Einrichtungen, Verhältniffe und Formen, die der Mensch hervorbringt, die das Wesen des Dinges an sich nicht berühren und somit auch vom Wesen des Menschen selbst nichts in das Ding hineinbringen. Es bleibt Metall, wenn es auch eine Uhr geworden, und wenn ich die Uhr zertrümmere, so bleibt es noch immer der Stoff woraus sie zusammengesetzt war und deffen ganze Art, un der könnte zu einem ähnlichen oder anderen Werke verwendet werden. Und nun noch anders mit der Schöpfung Gottes. Hier ist das Wesen des Dinges selbst Ausfluß des Gedankens und Willens Gottes, sodaß diese im Wesen jedweden Dinges bestehen, das eben Geistes." Im Allgemeinsinne wird auch dies nichts Be-> nur so wird, ist und vergeht, wie der Gedanke und Wille