Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-02 · Heft 44 (2.11.1880) · p. Seite 694

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 44 (2.11.1880)
Date
1880-11-02
Page
Seite 694 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227330--38454-3307687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

694 ist nicht das Geringste geholfen worden. Wenn der Bericht einen Werth auf den Erlaß des Sultans von Marokko legt, in welchem den Behörden befohlen wird, jede an den Sultan gerichtete Reklamation der Juden wegen unterlassener Rechtshülfe an den Herrscher gelangen zu lassen — so können wir darin nur ein todtes Stück Papier finden, das sich den früheren Erlassen über gerechte Behandlung der Juden, die niemals zur Ausführung gekommen, hinzugefcllt. — Am Schlüsse wird „das russische Hülsswerk" besprochen, das in den letzten Jahren an Umfang sehr abgenommen hat. Am wichtigsten davon ist die von vr. Rülf in Memel gegründete Schule für russische Kinder. — Das Tableau über die von der Alliance im Oriente gegründeten Schulen zeigt 23 Knaben- und 10 Mädchen-Schulen auf, von denen 5 in Asien, 4 in Afrika, die übrigen in Europa sich befinden. Die Knabenschulen enthalten zusammen 4870 Schüler, von denen 44 Christen, 29 Mohamedaner sind, und 3265 den Unterricht frei genießen. Die Mädchenschulen jählen 1040 Schülerinnen, worunter 15 | Christinnen, 4 Mohamedanerinnen sind und 456 Freischüle-1 rinnen. Für diese Schulen, welche jährlich 352,232 fr. kosten,! zahlt die Alliance 81,145 fr., die Anglo Jewish 11,981 fr., I die betreffenden Gemeinden 28,695 fr. und die einlaufenden! Schulgelder belaufen sich auf 109,807 fr. Außerdem läßt die Alliance 216 Knaben in den verschiedenen Handwerken in 12 verschiedenen Städten unterrichten, wofür sie 3400 fr.! der Baron Hirsch 30,320 fr. verausgabt. — Der Kassenbericht zeigt für das halbe Jahr an Einnahmen 172,045 fr., von denen jedoch nur 94,000 fr. Beiträge sind. Die Ausgaben belaufen sich auf 132,619 fr., wovon die Verwaltungskosten allerdings die Summe von 33,124 fr. verzehrten. Das Capitalvermögen der Alliance betrug am 1. Juli 1880 die Summe von 189,023 fr. — gewiß ein bescheidenes Vermögen für einen so ausgedehnten Verein. — Nicht mit Stillschweigen wollen wir einen kurzen Aufsatz des Herrn Isidor Lob über „die Chalucka" in Jerusalem übergehen, in welchem nachgewiesen wird, daß jährlich ungefähr 2 Millionen fr. als Almosen nach Jerusalem fließen, zum größten Theil von dem bez. Comite in Amsterdam gesammelt, die dort vertheilt werden. Nach Löb's Ansicht können die Juden Jerusalem's, ungefähr 14,000 Seelen dieser Almosen nicht entbehren, nur müßte ein Theil derselben zu einem nützlichen Zwecke verwendet werden, um ihnen eine gewisse Erwerbsfähigkeit zu verschaffen. Diese kurze Uebersicht wird genügen, um die Angriffe auf die Alliance als geradezu aus der Luft gegriffen zu erweisen. Im Gegentheil werden alle wahren Menschenfreunde ihr die wärmste Theilnahme zuwenden. Einige Bemerkungen „Die Krisis des Chrisienthums in der moderne» Theologie." Bon Eduard von Hartmann. (Berlin. Carl Duncker, 1880.) III. Hartmann erklärt also S. 50, daß sein jetziges Glaubensbekenntniß der „eonerete Monismus" fei, „nach welchem Gottes Wesen dem Menschen immanent d. h. der Mensch weseneins mit Gott ist," das heißt doch Gottes Wesen und das Wesen des Menschen sind ein und dasselbe. So sagt er auch S. 37, daß der Theismus „durch seine Gegenüberstellung mit der geschaffenen Welt feiner Gottheit die Absolutheit raubt." Was hören wir aber nun Seite 90?: „Ich erkenne sowohl die Transeendenz wie die Immanenz Gottes an, und bin ebenso fern von jeder naturalistischen Identification des raumzeitlichen Universums mit Gott, wie von einer Erniedrigung des absoluten Geistes zur Gesammtheit der endlichen (bewußten) Geistesproceffe, habe also gar keinen Anlaß, das Berhältniß von Gott und Welt irgendwie sinnlich vorzustellen. Ich sehe in dem Willen, und zwar als Moment oder Attribut des absoluten Geistes verstanden, das schöpferische Princip in Gott, nehme (in Gegensatz zu LipsiuS' ewigen Proceß) einen zeitlichen Anfang und ein zeitliches Ende des Weltproceffes an, verstehe die sittliche Weltordnung oder den teleologischen Weltplan im schlechthin geistigen . Sinne, nnd trete als concreter Monist jeder Verwischung der Grenze, zwischen göttlichem und menschlichem Wirken, so wie! jeder Verflüchtigung des Unterschiedes von Gott und Mensch, absolutem und individuellem Geist, schroff entgegen." — Wer dieses Bekenntnis liest, wird sich alsbald sagen müssen, daß Hartmann sowohl dem Naturalismus als dem Pantheismus entgegentreten, zum Theismus sich aber auch nicht bekennen will und sich darum in eine Subtilität flüchtet, die jedoch Stand zu halten nicht vermag, sondern alsbald in den Widerspruch mit sich selbst verfällt. Oben hatte er erklärt, daß das Wesen Gottes und das Wesen des Menschen ein und dasselbe seien, und hier „tritt er schroff der Verflüchtigung des Unterschiedes von Gott und Mensch entgegen" — also ist das Wesen Gottes und des Menschen nicht ein und dasselbe; es findet ein wesenhafter Unterschied, eine wesenhafte Verschiedenheit zwischen Gott und Mensch statt, und das ist ja die Lehre des Theismus. Dadurch, daß H. Gott als den „absoluten", den Menschen als „individuellen Geist" bezeichnet, tritt diese Verschiedenheit des Wesens nur um so mehr hervor; denn das Wesen des Absoluten ist der Gegensatz zum Wesen des Individuellen; das Absolute schließt das Individuelle aus, das Individuelle schließt das Absolute aus, und es ist somit widersinnig, die Verschiedenheit des Absoluten und des Individuellen „schroff" anzunehmen und doch das Wesen des Einen mit dem Wesen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.