Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1880)
- Date
- 1880-11-02
- Page
- Seite 696 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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696 Gottes in ihm sind. Auf dem Gedanken und Willen Gottes beruht also das ganze Wesen des Dinges, ohne daß dieses' jene selbst ist. Der Weltkörper z. B. verfolgt seine bestimmte; Bahn nach dem Gedanken und Willen Gottes, die in ihm - verkörpert sind, und die ihm diese Größe, diese Dichtigkeit,! diese Gestalt und diese Nähe anderer Weltkörper gaben, durch j die nun sein Lauf, das ist seine Bahn und Geschwindigkeit be-! stimmt wird; aber der Weltkörper weiß von allem Dem nichts, es gehört zum Wesen des Weltkörpers, kein Bewußtsein zu haben, und dieses widerstreitet jenem ganz und gar. Während also in dem Weltkörper ein Bewußtsein, das ist der Gedanke und Wille Gottes, waltet, so ist doch sein, des Weltkörpers j Wesen gänzlich davon verschieden. Dadurch, daß der Ge-j danke und Wille Gottes in jeglichem Dinge sind, bleibt es! auch immerfort der Fügung Gottes unterthan, ohne daß hier-! durch in solchen Dingen zu deren Wesen Bewußtsein und Freiheit des Willens gehören, diese aufgehoben werden. So heißt es Jerem. 23,24: „Bin ich es nicht, der Himmel und Erde füllet? spricht der Ewige; 4. Mos. 16,14, Psalm 72,19: Seine Herrlichkeit füllet die ganze Erde; Jes. 6,3: die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit. Berachoth 10,1: Wie der Herr füllet die ganze Welt, so füllet die Seele den ganzen Körper." — Der Schöpfungsgedanke und Wille Gottes find also in jeglichem Dinge, das dadurch so und so geworden, also individuell ist. Damit ist aber kein Ding weseneins mit Gott, weil es sonst^weder geschaffen, noch individuell sein könnte, was beides dem Wesen Gottes widerspricht, i) Da aber das individuelle Ding doch nur Ausfluß des Gedankens und Willens Gottes, also des Absoluten, ist, ist es keine Be-! schränkung des Absoluten, also „raubt auch das Jn-! dividuelle der Gottheit die Absolutheit" nicht. Somit ist | der „concrete Monismus" nur eine Fiction, der wohl eine i An- oder Unzahl sogenannter Gebildeter, aber schwerlich tiefere Denker beistimmen werden, für eine „Zukunftsreligion" aber gar kein Fundament bietet. I) Dies drückt auch der Psalmist 104, 29. 30. aus: „Du birgst dein Antlitz: sie verschwinden; nimmst ihren Geist (DH^r); sie verischeiden, zu ihrem Staube kehren sie zurück. Du sendest deinen! Geist GUI"): sie werden geschaffen, und du erneust der-Erde Angesicht." Die Betonung von DiTT und ^rvp tritt scharf hervor. In den oben angeführten Bibelversen bedeutet, wie oft, bekanntlich TI HD „Herrlichkeit" das, was Hartmann „ein Moment oder Attribut Gottes" nennt. Die „Erde" steht für Welt, Universum, pars pro toto. %ettt i i i d Mnac Jjj is'xc^Kew. | die Confession übergangen wurde. Hierbei wandte man auch Deutschland noch den besonderen Fleiß an, daß ja kein Fall, bei welchem '! ein Jude betheiligt war, ihren Berichten entgehe und Es ist natürlich, daß! sammelte man dergleichen aus allen Weltgegenden. Man Reiches die vielen * verfuhr so gewissenhaft, daß man auch da die jüdische Abstammzusammentreffen, um!ung angab, wo eine solche gar nicht constatirt war; auch besprechen. So tagte! half es den Betheiligten nichts, wenn vielleicht ihre Großväter schon getauft waren. Nun man ist dies schon gewohnt. Neu aber wäre es, wenn jetzt auch die Behörden bei Verfolgung von Vergehen gerade bei den Juden die Religion anzugeben begännen! Ein polizeiliches Placat verfolgte dieser Tage einen Lehrling, der seinen Principal mit einer beträchtlichen Summe entlausen ist. In diesen Placat war angegeben, daß der junge Bösewicht „mosaischer Religion" sei. Dabei zeigte das Signalement kein einziges Merkmal, welches gewöhnlich Berlin, 20. Cct. (Privatmitth.) nach der Hauptstadt des deutschen über Deutschland zerstreuten Vereine fich über ihre gemeinsamen Ziele zu hier der Verband der deutschen Hausfrauen-Bereine durch Delegirte aus vielen deutschen Städten. Unter den Vorträgen, die gehalten wurden, zeichnete sich die Rede der Frau Dr. Henriette GoldsHmidt aus Leipzig aus. — Im Anfänge dieses Monats hielten die jüdischen Cantoren eine Versammlung, die zahlreich besucht war. Das Resultat war die Absicht, einen Unterstützungsverein der jüdischen Cantoren zu gründen. Zweckmäßiger scheint es uns doch, daß sich die Herren der Achawah anschlöffen, durchweiche sie viel sicherer den jüdischen Typus verrathen soll, so daß die Bezeichnung ihren Zweck erreichten, als den ungewiffen Weg eines neuen Vereines zu betreten, der in seiner Absonderung schwerlich zu einem bedeutenden Erfolg führen kann. Berlin, 25. Oktober. (Privatmitth.) Bisjetzt war es das Geschäft vieler Zeitungsblätter, bei jedem, von einen Juden begangenen Vergehen, dies mit fetter Schrift hervorzuheben. während bei den zahllosen christlichen Verbrechern als Jude in diesem Falle gar keine Folge haben konnte. Man hätte aber nur die Bemerkungen hören sollen, welche die Leute, die das Placat lasen, machten! Das antisemitische Blatt „Die Wahrheit" erscheint zweimal die Woche immer weiter, obschon es mit jeder Nummer alles Maß immer! mehr überschreitet und der Sumpf des Haffes und der schmählichsten Beschimpfungen immer breiter und tiefer wird;