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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-02 · Heft 44 (2.11.1880) · p. Seite 693

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 44 (2.11.1880)
Date
1880-11-02
Page
Seite 693 (sequence 5)
Language
German
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693 sittlichsten Gedanken. Dies allein bildet das Feld der Be- Letzterem lieh Oesterreich seine guten Dienste bei den drei strebungen der Alliance. Sie hat den Charakter der lauter- Mächten, die noch Widerstand leisteten. Diese drei Mächte sten Association für Humanität und Bildung. Gerade deshalb! kamen nun überein, eine identische Note an Rumänien zu ist es im gegenwärtigen Momente von Wichtigkeit, die öfient-! richten, mit deren Abfassung die französische Regierung beliche Meinung über sie aufzuklären, und zur Publikation der! aufttagt worden. Am 7. Februar war dieselbe bereit und sie betteffenden Thatsachen möglichst beizuttagen. Wir legen' von Deutschland und England sofort acceptirt; man beschloss, hierzu im Augenblicke den in französischer und deutscher^ daß sie am 20. Februar 1830 von den drei Mächten über- Sprache erschienenen Bericht über das erste Halbjahr 1880 reicht werde. Sie lautet folgendermaßen: zu Grunde. „Die Regierung der französischen Republik ist durch Der Bericht enthält zuerst Nachrichten über die dem Vermittelung des rumänischen diplomatischen Agenten von der Andenken des sel. Cremieux in allen Welttheilen gewidmeten Trauerseierlichkeiten, alsdann über die „Cremieux-Stiftung", deren Zweck ist. Primär- und Handwerksschulen in Palästina zu gründen, lieber den Erfolg des betr. Aufrufs sagt der Bericht: „Dieser Aufruf wurde gehört und hat schon kostbare Zustimmungen erhalten. Der Rath der Anglo-Jewish Association verspricht seine thätige Mitwirkung bei der Cremieux Stiftung für Schulen in Palästina und hat zu diesem Zwecke bereits Beiträge votirt; ein Comite in London, an welchem die HH. Montagu und Sidney M. Samuel theilnehmen, hat in Jerusalem ein großes und schönes Haus gekauft und dasselbe der Alliance zur Verfügung gestellt, um in ihm eine Schule zu installiren, zu deren Unterstützung dieses Comite gleichfalls einen ansehnlichen Beittag geben wttd, und endlich haben die Gemeinden der Vereinigten Staaten von Amerika vermittelst des Voarä of Delegates von New-Iork schon in diesem Jahre durch ihre Geschenke an die Alliance beigettagen und werden fortan weiter beittagen, um dieses schwierige Werk zu erleichtern. Allein die gesammelten Summen sind noch unzureichend, und das Centtal-Comitc richtet von Neuem einen dringenden Aufruf an die Mitglieder und an das Publikum zu Gunsten der Cre mieux-Stiftung." Nach dem Referat über die Vermehrung der Mitglieder kommt das Heft zur eigentlichen Wirksamkeit der Alliance in dem ersten Semester des laufenden Jahres. Hier wird zuerst der Juden in Rumänien gedacht, wozu die von der französischen und englischen Regierung in den sg. Blaubüchern veröffentlichten diplomatischen Aetenstücke veranlagten. Was bis zur Pramulgatton des neuen Art. 7 der rumänischen Verfassung geschehen, ist zu bekannt, und ebenso wie die europäischen Mächte ttotz der völlig ungenügenden Erfüllung des Art. 44 des Berliner Vertrages zur Anerkennung Rumäniens schritten. Wir haben in unsrer Zeitung diese Ereignisse Schritt vor Schritt verfolgt. Wichttg ist nur das Aktenstück, mit welchem England, Frantteich und Deutschland die Anerkennung Rumäniens begleiteten und wir fügen es deshalb hier ein. Gegen Ende Januar nämlich hatten die Niederlande, Griechenland und Belgien Rumänien anerkannt: am 25. October 1879 erfolgten Veröffentlichung des von den Kammern vottrten Gesetzes in Kenntniß gesetzt worden. Dieses die Verfassung des Fürstenthums revidirende Gesetz sollte den Text dieser Verfassung mit den Festsetzungen des Art. 44 des Berliner Berttages in Uebereinstimmung bringen. Die Regierung der französischen Republik vermag zwar nicht die neuen Berfassungsbestimmungen, von denen ihr Kenntniß gegeben wurde, als vollständig den Absichten, welche die Signatarmächte des Berliner Berttages geleitet haben, entsprechend zu erachten; ganz besonders anstößig ist diejenige Bestimmung, welche den in Rumänien wohnenden und sonst keiner fremden Nationalität angehörenden Personen von nichtchristlichem Cultus die Nothwendigkeit auferlegt, sich den Förmlichkeiten einer individuellen Naturalisation zu unterwerfen. Aber im Vertrauen auf den Willen, den die fürstliche Regierung hat, sich bei Ausführung dieser neuen Gesetze mehr und mehr dem Gedanken, der die Signatarmächte des Berliner Vertrages inspirirte, zu nähern, und Act nehmend von den in dieser Beziehung ihr gemachten formellen Versicherungen, hat die Regierung der französischen Republik, um der rumänischen Natton einen Beweis ihrer freundschaftlichen Gesinnung zu geben, beschlossen, ohne weiteren Verzug das FLrstenthum Rumänien als unabhängigen Staat anzuerkennen. Demgemäß erklärt sich die Regierung der französischen Republik bereit, zu der fürstlichen Regierung in regelmäßige diplomattsche Beziehungen zu treten." Wir können in die Befriedigung nicht einstimmen, die der Bericht der Alliance zuletzt über das, was erreicht worden, ausspricht. Der seitherige Gang der Tinge in Rumänien ist völlig ungenügend und entspricht nicht einmal den Bestimmungen des angenommenen Gesetzes. Haben doch selbst von den 888, die im Kriege gedient haben, und en bloc naturalisirt wurden, erst zehn die erforderlichen Patente erhalten. Nun, von den Ministern des Auswärtigen, welche die Anerkennung aussprachen, ist nur ein einziger noch, nämlich der deutsche Reichskanzler im Amte. Graf Andraffy. Lord Beaconsfield, Lord Salisbury, Waddington und der italienische Minister sind verabschiedet. Der Verlauf der Marokkanischen Angelegenheit ist bekannt; der Congreß in Madrid ist im Sand verlaufen; den Marokkanischen Juden

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