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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-26 · Heft 43 (26.10.1880) · p. Seite 684

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 43 (26.10.1880)
Date
1880-10-26
Page
Seite 684 (sequence 12)
Language
German
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684 der das dritte Buch Mosis zum großen Theile ausfüllenden Opfern und Priestergesetze darzuthun, und so auch dieses Buch für den religiösen Geist unsrer Zeit lebendig und nutzbringend zu machen. Er bedient sich hierzu nicht der wissenschaftlichen symbolischen Auslegung und vermeidet jede mystische Phantasterei, sondern sucht nur durch geschickte Interpretation einen vernünftigen und gemüthlichen Sinn selbst aus den Anordnungen des Formalen zu eruiren, wie er ihn eben für die Predigt brauchen und wohlthätig wirksam machen kann. Dies gelingt ihm auch in den meisten Fällen durch sinnreiche und doch nicht gekünstelte Deutung. Dem Bersasser geht der Schwung, die Verve in Sprache und Gedanken ab; aber er versteht es zum Ersatz, durch Sinnigkeit und Innigkeit den Verstand und das Gemüth seiner Zuhörer zu sesieln. Wir geben uns daher der Hoffnung hin, auch das 4. und 5. Buch Mosis in gleicher Weise behandelt zu erhalten. — Bon Einzelpredigten liegt uns nur vor: Gedächtnißrede am Grabe des Herrn Louis Grünthal von vr. Tobias Cohn, Rabbiner der Synagogen - Gemeinde. Potsdam 1880. Diese Grabrede an der Gruft eines 24jährigen Mannes ist in ihrer Knappheit, in ihrer Schwuughaftigkeit und in dem tiefen, Sinn und Gefühl, die darin zum Ausdruck kommen, musterhaft. Jene Räthselfrage, die uns jedesmal an der Gruft eines in der Blüthe der Jahre, in der Fülle der Kraft, mitten in reichem Streben und Hoffen Dahingeschiedenen entgegentritt, wird hier mit ebenso vieler Klarheit, wie Geistestiefe aus- und besprochen und die Empfindungen derer, die ein solches Grab umringen, werden durch den tiefgefühlten Ausdruck derselben gemildert und in Wehmuth j aufgelöst. Ieuilleton. Amatns Lusitanus (1511 1568) Eine biographische Studie. (Fortsetzung.) Bon allen Seiten nahm man seine Hülfe in Anspruch, denn sein Ruf als geschickter und gewiffenhafter Arzt breitete sich weithin aus. Obgleich Anhänger der alten Methode von Galen, verwarf er nicht systematisch, was in den Vorordnungen der neuen Schule gut war; er nahm diese Neuerungen an, wenn er deren Wirksamkeit erkannte und er selbst entdeckte viele vortreffliche Heilmittel, die er in feinen Werken angab. Amatus war, wenn man sich dieses Ausdruckes bedienen darf, ein Hygienist. Er behandelte seine Kranken nicht einen wie den anderen, verordnete nicht allen dieselbe Medicin, wie es zu jener Zeit nur zu oft der Fall war, er studirte genau die Constitution des Patienten, sein Temperament, seine Gewohnheiten; denn er betrachtete die Heilkunst nicht wie ein Handwerk, sondern wie eine heilige Function, da diese Kunst die Erhaltung der Gesundheit und die Verlängerung des Lebens zum Gegenstände hat. Geschenke schmeichelten ihm wenig; er nahm nur bcsckeidenes Honorar, behandelte die Armen umsonst, ja zog sie den Reichen vor, ohne sich vorher zu erkundigen, ob sie Juden, Christen oder Muselmänner seien. Nichts konnte ihn von seinem Berufe abwenden, weder Familienrücksichten, noch lange Reisen, noch Anstrengungen, noch Gefahren, noch Verbannung.*) Unter den Kranken, welche sich seiner Pflege anvertrauten, bezeichnet er uns drei hervorragende jüdische Persönlichkeiten aus seiner Zeit: 1) Azaria dei Rossi.2) zu dessen 1) Cf. Cent. IV; Schluß, Aniati Jusjurandum. 2) Cf. Cent. IV; cur. 42. Namen er hinzusügt: hebraicis et latinis litteris apprime instruetus: 2) einen gewissen Hadriel,') von dem er sagt: Hebrceorum hodie summus concionator; und endlich o) Leo Hebr.eus (Leo der Hebräer oder Juda Abrabanel), l’tedagogus quidem multos sanctam linguam doeeret.2) Bis zum Tode Julius' III. (155b) lebte Amatus geehrt und ruhig in Ancona; aber sobald der fanatische Paul IV. den päpstlichen Stuhl bestieg, hatte er viel zu leiden. Dieser edle Mann, dieser Menschenfteund, dieser Arzt, der die Armen ohne Unterschied der Confession behandelte, diese Leuchte der Wiffenschaft mußte des Nachts wie ein Verbrecher aus Ancoua fliehen, um der blinden Wuth dieses rasenden, fast wahnsinnigen Papstes zu entfliehen; denn dieser ehemalige Großinquisitor, dieser finstere Begründer des Ordens der Theatiner, ließ 1556 mit der äußersten Strenge die in Ancona wohnenden Marranos verfolgen. Wir haben an anderer Stelle^) das schreckliche Auto-da-fe dieser Stadt erzählt, wo achtzig Unschuldige lebendig verbrannt wurden, weil sie zum Glauben ihrer Väter zurückgekehrt waren. Wir verweisen hierauf den Leser. Amatus, war, wie viele Andere, genöthigt, um sich zunächst dem Gefängniß und dann dem Tode zu entziehen, in der Nacht, halb nackt, zu flüchten, um sich in Pesaro*) in den 1) Cf Cent. IV; cur. 93. — Vgl. auch Kayserling, Geschichte der Juden in Portugal, 269, Anmerkung. 2) Cf. Cent. II; cur. 20. — Vgl. auch Kayserling, loc. cit. In der Cent. VII; cur. 98, spricht Amatus von dem Enkel des Leo Hebraeus, der sich, wie sein Großvater, Juda Abrabanel nannte und den er in Salonicha kannte. 31 Siehe unsere Studie über Don Joseph Nassi. Herzog v. Naxos. 4) Cent. VII; cur. 49. — Pisaurum veniens sub Guidano Ubaldo. etc.

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