Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1880)
- Date
- 1880-10-26
- Page
- Seite 685 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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685 Staaten des Herzogs von Urbino zu verbergen. Bei seiner! Hasse unternommen zu haben, nur dem Schein nach Christ, schleunigen Flucht hatte er nicht die Zeit, irgend etwas zu ^aber heimlich Jude zu sein, und aus der einen Religion sich retten und ließ in Ancona Alles, was er besaß an Silber, so wenig zu machen wie aus der anderen. Dieser Apologie ist Edelsteinen, Kleidung, Bibliothek, seine fünste, fast beendete ein lateinischer Brief beigefügt, den Mattioli sich von seinem Centurie und seinen Commentar über das erste Buch von Collegen und Freunde, Francesco Partino, erstem Arzte von Avicennal). In Pesaro fand er einen seiner Freundes Maximilian, König von Böhmen, aus Wien 1557 datirt, Abraham Catalano, desien Sohn er heilte;-) dieser rieth ihm, schreiben ließ, der nichts weiter als Injurien gegen Amatus von den päpstlichen Commissarien seinen Commentar zu! enthält, aber natürlich Mattioli mit Lob überschüttet. Avicenna und seine fünfte Centurie zu reclamiren. Aber! Der Leser wird vielleicht fragen, sagen wir mit Herrn man gab ihm nur diese letztere, welche er in Pesaro^) beendete > Soave, wer Unrecht und wer Recht in diesem Streite hatte, und welche er in Ragusa wieder revidirte, wo er feine sechste Obgleich wir nicht in der Lage sind, nach dieser Hinsicht Centurie^) schrieb. Etwas zu entscheiden, ist es jedoch der gesunden Kritik er- Ein venetianischer Typograph hatte sich erboten, sie zu laubt, folgende Schlüße zu ziehen. drucken, und er willigte ein, sie ihm zu schicken; jedoch da er!_ (Fortsetzung fofgO wußte, daß ein Decret der venetianischen Signoria verbot,! irgend Etwas ohne Einwilligung der Inquisition zu ver- 1gium Tör ieweit Commentar zu den fünf Büchern von Divecorive» , _ ,. . . . ~ , , .<■ und nicht nur zu den vciden ersten. Er grebt sich dort 38 Jahre, öffentlichen, vermnthete er wchl - und d,e Folge gab chm J L--°ffe»«ich»nz bieM Commen.ors. Pc-jw-n«-n Recht — daß dre Cenfur aus ferner sechsten Centurre ferne ^Rcctoribus) des Senates von Ragusa gewidmet ist, auf das Jahr Bertheidigung gegen einen Angriff des Arztes Mattioli von 1540 zurückführen würde. Indem er Mattioli für einen sehr ge- Siena unterdrücken würde. „Aber Jeder weiß, sagte er^, lehrten Arzt erklärt, weist er doch Jrrthümer in seiner Interpretation daß ich auf meine Antwort nicht warten laßen werde." Das fordert eine Erklärung. Mattioli (Pietro Andrea) im Lateinischen Mattheolus, Arzt und Naturforscher, zu Siena 1501 geboren und 1577 gestorben, schrieb 1544 einen italienischen Commentar — später ins Lateinische übersetzt — über die sechs Bücher von Discorides, Matena Medica. Amatus wies in einem seiner Werkes mehrere von Mattioli begangene Jrrthümer nach. des Dioscorides nach. Vermischtes. Anekdote. Aus Berlin schreibt man: „Wegen des hohen jüdi- Dieser, der einige Zeit erster Arzt des Erzherzogs Ferdinand von Oesterreich gewesen, eingebildet auf feine Verdienste, schrieb 1557 gegen Amatus eine lateinische Apologie, voll gehässiger Insinuationen und Verleumdungen. Er geht so weit, ihn zu beschuldigen, seine Kritik nur aus religiösem 1) Cent. V; Widmung. — . . . Ut uururn. urgentem, aulicos pannos, preciosam vestem et supellectilia non pauca ac instructissimani bibliothecam in 111 entern veniant. quinta Centuria Curationum meannn, fere ad unibilicum deducta et comnientaria qujedam, qua; in quartain Fey libri primi Avicennaproxiiuis ante diebus parturieram, etc. 2) Cf. Cent. V; cur. 82. 3) Cent. V; Schluß. — Et hic tinis esto quintahinc curationum nostrarum centuria; quain Pisauri absolvimus; sub id tempus quo Ferdinandus Albae Regulus Teatino Pontitici romano infensus, Philippi regis auspiciis. 4) Cent. V; Widmung. — JJuam postea Pisauri absolvi et Ragusii magno otio revisi. ubi sextam quoque literis mandavi. 5) Cent. V; ibid. — Sed sciant omnes me brevi responsurum ejus apologis. 6) Dieses Werk war eine völlige Wiedergabe seiner ersten Arbeit über die beiden ersten Bücher von Dioscorides, von denen wir schon gesprochen haben und die mehrere Auflagen erlebten. Im Jahre 1553 erhielt er vom Senate von Venedig ein zehnjähriges Privileschen Feiertage» am 6. September bitte ich den auf diesen Tag anberauinten Termin zu verlegen." So schrieb der Handelsmann G., welcher von dem Schlächtermeister B. wegen unpünktlicher Miethszahlung auf Räumung der Wohnung verklagt worden war, an das Berliner Amtsgericht. Dem Gesuche des Verklagten wurde willfahren und der Termin auf den 14. September verlegt. An diesem Tage erschien jedoch zur mündlichen Verhandlung der Kläger allein, welcher sein Buch für die polizeilichen An- und Abmeldungen der Miether mitbrachte und nachwies, daß der Verklagte Katholik sei. Dieser erschien in dem Termin nicht, weil er in der Frist von acht Tagen, die er durch die Termins-Verlegung gewonnen hatte, Gelegenheit fand zu — rücken. Der Amtsrichter, welchem das Vertagungsbuch vorgelegt worden war, sah nun erst jetzt ein, daß der Petent, welcher ja gar nicht angegeben hatte, daß er Jude fei, die „hohen jüdischen Festtage" nur benutzt hatte, um seinem Gläubiger und dem Gerichte ein Schnippchen zu schlagen.