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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-26 · Heft 43 (26.10.1880) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 43 (26.10.1880)
Date
1880-10-26
Page
Seite 683 (sequence 11)
Language
German
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683 in 239 Nummern. Wo die zweite Stimme hinzugefügt ist,j diese älteren Kanzelredner es verschmähten, eine Menge Talist sie nicht nothwendig in der Ausführung, und nur der! mud- und Midraschstellen über ihre ganze Predigt auszu- Schule und der Jugend willen gegeben. In einem aus > streuen, wie dies jetzt bei manchen jüngeren Predigern Mode 26 Nummern bestehenden Anhang sind deutsche Lieder her-1 geworden, um ihre Gedankenarmuth mit diesen farbenreichen angebracht, dieser Theil müßte noch viel reichhaltiger sein. I Flicken;u verhüllen. Wir erblicken aber darin nur eine Aber die Verfasser waren durch die Berücksichtigung gcbun-! Entwickelung zum Schlechteren. Die Autorität des Bibelden, dem Buche keinen zu großen Umfang zu geben, um! Wortes und des Talmudspruches wird durch eine sinnreiche den Preis nicht allzusehr zu steigern. Wir machen heute nur! und geregelte Auslegung nur gehoben, während sie durch ein auf das Erscheinen dieses überaus nützlichen Buches aufmerkbuntes Ausstreuen, durch ein regelloses Hin- und Herjagen fam. Eine sachliche Kritik wird ein sachkundiger Mitarbeiter! nur abgeschwächt wird. Abgesehen hiervon sind die fünf geben. — „Maggid Mereschith." Die Offenbarungen der Schöpfung. Fünf Reden, gehalten von vr. Adolf Kurrein, Rabbiner in Linz. Wien, Gottlieb, 1880. Wir bedauern es stets, wenn wir die Kritik junger Autoren, anstatt diese mit unserem ganzen Beifall begrüßen zu können, mit gewiffen Zurechtweisungen beginnen müffen. Jndeß auch dieser unangenehmen Aufgabe läßt sich nicht immer ausweichen. Der Vers, stellt es in feinem ausführlichen Vorwort als zwei Neuerungen auf, daß auf der jüdischen Kanzel dogvorliegenden Reden recht wacker, nicht überladen und gut durchgeführt. Sie behandeln die Themata: die Schöpfung eine Offenbarung, Einheit und Allmacht Gottes, Optimismus, Gesetz. Ordnung und Zweck, Entwickelung, Fortschritt und Erhaltung. Ob der Redner hier immer den richtigen Standpunkt inncgehalten, ob er seinen Gegenstand nicht öfter einseitig behandelte, ist eine andere Frage. Bemerken wir z. B. gleich zur ersten Rede: daß wir in der Natur Gott und seine Eigenschaften erkennen, ist gewiß eine Wahrheit, schon matische Fragen behandelt und Midraschim für die Predigt! eine biblische. Allein dieselbe Natur bot dem Polytheismus benutzt werden. Er glaubt, daß hiermit die jüdische Homi-!den Stoff zu seinen mannichsaltigen Wahngebilden, bietet letik die zweite Stufe ihrer Entwickelung betreten habe.! noch jetzt ihre Erscheinungen dem Materialisten und Pan- Würde der Vers, auch nur einige Kenntniß der jüdischen ■ theisten als Objecte ihrer Syllogismen dar. Der Mensch Homiletik seit ungefähr 60 Jahren haben, so würde er wissen, j muß in die Betrachtung der Natur die richtige Erkenntniß, daß dies durchaus keine Neuerungen sind, sondern fast so! die Wahrheiten der Gottcslehre schon mitbringen, und sindet alt, wie die moderne deutsche Homiletik überhaupt. Der dann in ihr die unzweideutige Bestätigung seiner Erkennterste, der Midraschim für die Predigt nutzbar machte, war nisse. Gerade hieraus geht ja die Nothwendigkeit der Gottesschon einer der ersten jüdischen Kanzelredner, Gotthold j lehre hervor, die unentbehrlich ist, um die Natur richtig zu Salomon, und wenn, um ein Beispiel anzusühren, der verstehen und zu begreifen, und es ist ein Wahn, aus der Vers, sich die Mühe geben wollte, unser Jsr. Predigt- und Natur die Gotteserkenntniß zu schöpfen, ohne diese zuvor zu Schulmagazin durchzublättern, so würde er finden, daß schon die erste Predigt im ersten Hefte des l. Bandes (Jan. 1834) über einen talmudischen Midrasch (Berachoth in, 1) und zwar über die Gottebenbildlichkeit der Menschenseele, handelte, also sicherlich über eine dogmatische Frage aus Grund eines Midrasch. Somit wurde diese „zweite Stufe" sehr bald nach der ersten betreten. Nun verlangen wir nicht von unsren jüngeren Kanzelrednern, daß sie ihre Vorgänger studiren mögen — wir verlangen es nicht, weil es doch nur selten erfüllt würde — aber was wir verlangen, ist. daß man bei dem Mangel hinlänglichen Wiffens in solchen Dingen nicht Behauptungen in entschiedenem Tone anfstelle, die durchaus falsch sind. Denn durch die Wiederholung solcher Behauptungen wird allmälig die Geschichte gefälscht. Bei dieser Gelegenheit möchten wir überhaupt an die jüngeren Schriftsteller die Mahnung richten, über die Geschichte und Literatur des neueren Judenthums doch nicht ohne ein tüchtiges Studium derselben aburtheilen zu wollen. Sie produciren dadurch wirklich nur schiefe Bilder. Um auf unsren besitzen. Die Natur ist keine Quelle der Gotteserkenntniß, sondern nur eine Bestätigung derselben. Dieses Berhältniß darf nicht übersehen werden, ohne in Einseitigkeit und Platitüde zu verfallen. Sonst sehen wir den Vers, aus dem richtigen Wege, um eine recht tüchtige Redckraft zu werden. — Sabbath Predigten zu den Wochenabschnitten des dritten Buches Mosis von I)r. Adolf Schwarz, Stadt- und Conserenz-Rabbiner in Karlsruhe. Karlsruhe, Bielefeld. 1880. Es ist dies das dritte Heft, indem die beiden früheren Predigten über das erste und zweite Buch Mosis enthielten. Wir verweisen aus unsere Besprechung jener beiden Hefte. Das vorliegende enthält 12 Predigten: die mosaische Opferlehre, die Satzung der Thora, der jüdische Kalender, die israelitische Priesterweihe, das Sichtbarwerden der göttlichen Herrlichkeit, der Urtheilsspruch des Priesters, zwei Nadelbäume; das Wesen des Sittengesetzes, Schutz gegen Neid und Habsucht, der Genus; des Heiligen, die sociale Frage, die Schätzung nach heiligem Gewicht. Man sicht aus diesen Ueberschristen, daß es dem Vers, in diesen Predigten beson- Gegenstand zurückzukommen, so ist es allerdings wahr, daß | ders darum zu thun ist, die religiöse und sittliche Bedeutung •43* a

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