Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1880)
- Date
- 1880-10-26
- Page
- Seite 682 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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682 und wurde eines der eifrigsten Mitglieder des Schomer Israel. Das Jahr 1872 brachte ihm das Reichsrathsmandat für Kolomea. Als unerschrockener Volksvertreter, hat er auch in dieser neuen Würde den gegründeten Erwartungen entsprochen. Furchtlos äußerte er im Reichsrathe seine Ueberzeugungen, die mit den Gesinnungen seiner Mandatgeber größtentheils harmonirten. Die Angriffe der polnischen Journalistik gegen ihn finden wohl ihre natürliche Erklärung in der politischen Gegnerschaft und der damals herrschenden großen Gereitztheit; aber die Angreifer selbst mußten es wiffen, daß Dr. Hönigsmann einer der ersten galiz. Juden war, die sich unverhohlen der polnischen Nation anschlossen und die Berechtigung einer jüd. germanischen Nationalität aufs eifrigste bestritten. Tie Zeiten verändern sich, und dieselbe nationale Partei, welche früher gegen das Reich frondirte, gelangte allmälig zur festen Ueberzeugnug, daß Polens Hort nur in Testerreich und seiner liberalen Versafiung liege. Der frühere politische Gegensatz zwischen Polen und Juden in Galizien verlor hierdurch seine Berechtigung, und das gemeinsame Ziel, für das Wohl des Landes und Reiches auf Grundlage der bestehenden Verfassung zu wirken, stellte im Jahre 1878 den Frieden her, als dessen unverdientes Opfer Dr. Hönigsmann fein Mandat verlor. Schon damals war seine Gesundheit in Folge seiner aufreibenden Thätigkeit stark angegriffen. Nun hatte der Tod sein ernstes Wort gesprochen. Der rastlose Mann ist für immer still geworden, aber sein Andenken und Alles, was er für seine Glaubensbrüder gewirkt, gekämpft und gelitten, wird den galizischen Juden unvergeßlich bleiben. Bonn,17.Oct. (Literarische Notizen). W. Ehrentheil in Pest beabsichtigt vom l. November an in monatlich zu erscheinenden Heften ein „Jüdisches Familien-Buch, 160 Lebens- und Characterbilder der vorzüglichsten Gestalten der jüdischen Geschichte aus allen Zeitperioden und Staaten" herauszugeben. Wird diese Schrift, wie wir glauben, in angemessener Weise ausgeführt, so können wir sie mit voller Zustimmung willkommen heißen. Sie soll eine „belehrende und unterhaltende Lecrüre für Schule und Haus" werden und die groge Vergangenheit des Judenthums, besonders der Jugend, ins Bewußtsein rufen. Ist doch auch für die allgemeine Geschichte die Darstellung in Lebensbildern der Männer, welche wirksam in den Gang der Geschichte eingetreten, eine bewährte Form geworden. Das im Prospecte gegebene Berzeichniß lveist denn auch Alles auf, was merkwürdig und bedeutsam innerhalb des Judenthums in der nachbiblischen Zeit geworden. Wenn wir eine Bemerkung hinzuzufügen hätten, so wäre es die, daß wir es nicht für richtig anerkennen, die Gegenwart und die ihr naheliegende Zeit auszuschließen. Wir meinen nicht, daß der Vers, noch lebende Persönlichkeiten seinen Schilderungen einfügen sollte. Aber z. B. die Reihe der Rabbinen mit Eibeschütz und Emden abzuschließen, und seitdem nur noch Mendelssohn vorzuführen, heißt den Faden unangemessen abschneiden. Gerade die gegenwärtige Jugend bedarf des Bewußtseins, daß unsre Zeit eine continuirliche Fortentwickelung ist, so daß jene nicht einen unvermittelten Abstand zwischen dem Ehemals und dem Jetzt empfinde. Männer wie Weffely, David Friedländer, Israel Jacobssohn, Rappaporl, Gabriel Rießer, Kosch, Cr^mieux und viele Andere dürfen in einer geschichtlichen Darstellung nicht fehlen, ohne daß sich der Berf. darum in den Streit der Parteien einzulaffen braucht. Niemand wird behaupten, daß die genannten und ihre Gcnoffen einen Platz nicht ebenso gut verdienten, wie Viele, die in dem Verzeichnisse eine Stelle fanden. Wir geben dies dem Herausgeber zu erwägen. — Von der bekannten Abhandlung des sel. Emanuel Deutsch über den „Talmud", die ihrer Zen in England ein großes Aufsehen gemacht und in Tümmlers Verlag zu Berlin in einer deutschen Uebersetzung erschienen war, hat diese Buchhandlung jetzt die dritte Auslage veranstaltet. Wir nehmen mit Befriedigung wahr, daß die Uebersetzung, die in ihrer ersten Auslage sehr mangelhaft war, jetzt bedeutend verbessert worden. Diese Schrift zu empfehlen, halten wir für überflüssig, da ihr Werth bereits hinlänglich anerkannt ist. — Schire beth Jaacob, Israelitisches Schul- und Gemeinde Gesangbuch zum Gebrauche beim Unterricht in der Liturgie und beim öffentlichen Gottesdienste, herausgegeben von L. Liebling und B. Jacobsohn, Cantoren und Lehrer in Leipzig. Altona, Uslacker, 1880. Während der Gebetcyklus unseres Gottesdienstes eine so vielfache Bearbeitung in neuester Zeit gefunden hat, daß fast in jeder größeren Gemeinde ein anderes Gebetbuch eingeführt ist, ist es dem musikalischen Theile desselben nicht anders ergangen. Wir besitzen jetzt für die ganze jüdische Liturgie umfaffende musikalische Bearbeitungen, so wie auch einige für einzulegende Gesänge. Was sich hierbei noch immer als Lücke fühlbar machte, war, daß für Gemeinden, in denen der vierstimmige Chorgesang nicht ausführbar, einhöchstens zweistimmige Gesänge fehlten. Das einzige, hierfür verwendbare Gesangbuch war bis jetzt das Braunschweiger von Goldberg. Hierzu kommt, daß all-! mälig die Erkenntniß erwachte, daß durch den vierstimmigen! Chorgesang die Theilnahme der Gemeinde als solcher an der Verrichtung der Gebete annullirt wird, ein Zustand, der für! die Dauer unhaltbar ist. Diesen Standpunkt der Beurtheii luug unseres Cultus haben wir seit 40 Jahren eingenommen! und wiederholentlich besprochen, ohne daß sich die Männer ein-! fanden, welche dieses Bedürfniß befriedigten. Die vorliegende I Schrift, die diese empfindliche Lücke auszufüllen die Aufgabe I hat, kann daher nur willkommen geheißen werden. Der Gottesdienst des ganzen Jahres in allen seinen Momenten wird in derselben mit einstimmigen Gesängen versehen und zwar