Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1880)
- Date
- 1880-10-26
- Page
- Seite 681 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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es für die der Mitglieder des Vereins nur wünschenswerth j sei. Die Anstalt befindet sich aber nicht blos in blühendem j Zustand, sondern auch in fortwährendem Wachsthum. Man > hat ein neues Schulgebäude errichtet, so daß gegenwärtig kein Gesuch um Aufnahme wegen Mangels an Raum abschlägig beschieden zu werden braucht. Jetzt will man nun ein abgesondertes Krankenhaus bauen, obschon die bisherigen Krankensäle äußerst zweckmäßig eingerichtet sind. Man will aber jeden Contact der Gesunden mit den Kranken vermeiden. Dies bewirkte, daß, obschon im verflossenen Jahre die Einnahmen 42,023 Dollars und die laufenden Ausgaben nur 20,477 betrugen, dennoch insgesammt 66»,47 7 verausgabt wurden, so daß 20,cOi) Dollars aus den Fonds entnommen werden mußten, was jedoch dadurch gerechtfertigt wird, daß in diese Fonds stets die Ueberschüsse der Einnahmen einlaufen. Im Laufe des Jahres verlor der Verein seinen Präsidenten Herrn Abraham Aub durch den Tod. Er hinterließ die dankbarste Erinnerung, die er sich durch seinen edlen Character und seine verdienstvolle Thätigkeit bereitet hat. An seine Stelle trat der Bice-Präsident A. Wiener. Von der bedeutendsten Wirksamkeit für das Asyl ist Dr. Wolsenstein, welcher es dirigirt, an ihm unterrichtet und zugleich Secretär des Vereines ist. Sicherlich werden die Leser Ihres Blattes den Bericht über diese großartige Anstalt mit Befriedigung lesen, an welcher sich bewahrheitet, was in diesen Spalten wiederholt hervorgehoben worden, daß sich mit der Zahl der Zöglinge die Kosten für den Einzelnen bedeutend herabmindern, wenn auch selbstverständlich hiermit die Organisation und die Energie der Aussicht wachsen muß. „Einigkeit macht stark." Bonn, 17. October (Notizen.) In Wien wurde jüngst ein Geldbriefträger vergiftet und der Thäter schien verschwunden zu sein. Niemand kannte ihn. Dennoch versicherten die Zeitungen, er habe einen stark jüdischen Typus gehabt und heiße Joseph Breslauer. Einige Tage später wurde der scheußliche Verbrecher aufgefunden, im Augenblicke wo er sich ebenfalls vergiftete. Die Untersuchung ergab, daß er Johann Wilhelm Burghardt hieß, katholischer Religion gewesen und Sohn katholischer Ellern in Kaschau. Sollte man es nun für möglich halten, daß nur wenige Zeitungen, z. B. die Köln. Z., so ehrlich waren, dieses zu bemerken? Die meisten verschwiegen cs. Es hängt dies damit zusammen, daß sich gewisie Blätter, und zwar auch pseudoliberale, ein Geschäft daraus machen, bei jedem geringeren oder größeren Vergehen, desien ein Jude sich schuldig macht, seine Confession in breiter Schrift hervorzuheben, während sie bei allen anderen Verbrechern über das Glaubensbekenntnis stillschweigend hinweggehen. So ungerecht dies ist,' so ginge es allenfalls noch an. Denn gerade dadurch erweist es sich, wie sehr selten ein schweres Verbrechen von einem Juden begangen wird. Aber die Leutchen gehen noch weiter, und wo sie gar keine Gewißheit haben, wittern sie an irgend einem Namen den Juden heraus und fügen in Paranthese hinzu: „wahrscheinlich" oder gar: „gewiß ein Jude". Stellt es sich anders heraus, so kommt man nicht wieder darauf zurück. Denn man beabsichtigt bei dem Leser ja nur die Meinung hervorzubringen, die Criminalstatistik habe recht viele Juden auszuweisen, während diese schließlich das Gegentheil erhärtet. Am meisten thun dies die Blätter, welche für „Recht und Wahrheit", d. h. für die Macht einer Kirche zu streiten vorgeben. — Wir entnehmen dem Lemberger „Israelit" folgenden Nekrolog des Dr. OswaldHönigsm a n n. Die Nachricht von dem am 24. September l. I. zu Wien so frühzeitig erfolgten Ableben eines Mannes, der, so lange er lebte, mit nie erkaltendem Eifer und seltenem Muthe für die Rechte seiner Glaubensbrüder gestritten, hat uns schmerzlich erschüttert. Dr. Oswald Hönigsmann ist nicht mehr. — Zu Rzeszow im Jahre 1824 geboren, vollendete er seine Studien in Lemberg und zeichnete sich schon früh durch seine bedeutenden Geistesgaben und eine nichtgewöhnliche Schlagsertigkeit aus. Das Jahr 1848 fand ihn bereits als einen energischen, talentvollen Kämpfer für die Aufklärung der Juden gegen Obscurantismus. Mit dem Wiederaufleben der constitutionellen Aera in Oesterreich war auch für Dr. Hönigsmann das Feld einer großen Wirksamkeit erschlossen. Einen muthigen Manne aufgeweckten Geistes, einem logischen Kopfe und Meister des Wortes, wie Dr. Hönigsmann, mußte die Führerrolle unter seinen Glaubensgenossen in politischer Hinsicht von selbst zufallen, besonders da er dazumal beinahe der einzige Jude in Lemberg war, der in polnischer Sprache mit Erfolg die Rednerbühne betreten konnte. Als Mitglied des Lemberger Gemeinderathes und des galizischen Landtags, erfüllte er glänzend seinen Beruf. Gestützt auf das Bewußtsein der gerechten Sache, für die er stritt, konnte ihn die Ueberzahl der Gegner ebensowenig als das mißliebige Geheul eines feindseligen Pöbels jemals einschüchtern. Der Einzige nahm er oft mit beispiellosem Muthe gegen Alle den Kampf auf, bis sich zuletzt auch hier das Wort bewährte ..Fortes fortuna adjuvat**. Die Gegner mochten ihn wohl Haffen, aber sie mußten ihn respectiren, weil Kraft unter allen Umständen sich Achtung erzwingt. Zu Ende der 60er Jahre, wurde er auch zur Leitung der jüdischen Cultusgemeinde berufen, allein sein Naturell war zu heftig und ungeduldig, um hier, wo nur die emsigste Geduld und Ausdauer etwas erreichen können, viel zu leisten. Er trat in Conflict mit unserem im Jahre 1860 zur Wirksamkeit gelangten Vereine, dessen Tendenzen er mißverstanden hatte. Grollend schied er aus dem Vorstande, aber, was am besten beweist, daß Dr. Hönigsmann zum gewöhnlichen Menschenschläge nicht gehörte, er gestand offen ein, sich geirrt zu haben 4»