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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-26 · Heft 43 (26.10.1880) · p. Seite 680

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 43 (26.10.1880)
Date
1880-10-26
Page
Seite 680 (sequence 8)
Language
German
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680 Dem Traume von einem dako-rumänischen Reiche ist in der That durch diese Forschungen der rechtliche Boden entzogen worden. Aus diesen Gründen ist ferner erklärlich, daß die Magyaren gegen den in allerneuester Zeit angeregten Plan, das rumänische Fürstenthum in ein Königreich zu verwandeln, entschieden Stellung nehmen, da sie hiervon nachtheilige politische Folgen für Siebenbürgen befürchten. Es ist indessen nur reiner Zufall, daß man diesen wissenschaftlichen Forschungen eine politische Seite abgcwinnen kann, und es ist wahrhaftig keine Folge politischer Gehässigkeit, daß aus. den neuesten Forschungen sich unzweifelhaft folgendes Resultat ergiebt: Die rumänische Nation hat sich aus einer Anzahl romanisirter thrakischer Stämme auf der Balkanhalbinsel gebildet. Von vorurtheilslosen berühmten rumänischen Gelehrten haben sich Cichac und Hormuzaki mit dieser Theorie bereits befreundet, während die Masse der sogenannten Gebildeten in den alten Römern noch immer ihre Ascendenten erblickt. Diese Ansicht sehen wir immer noch vertreten in den rumänischen Zeitschriften, in den Schulprogrammen von Blasendorf (1878), Cernowitz (1870). In den Lctzeren werden in sonst so wenig wisienschaftlicher Weise selbst Papst Pius H. und der schlesische Dichter Opitz als Zeugen der italischen Abstammung der Rumänen angeführt. Die anthropologisch-ethnologischen Forschungen nehmen keine Rücksicht auf subjective Meinungen und nationale Borurtheile. Die Rumänen sind keine Italiker — da hilft kein Papst und — kein Poet." Dr. Fligier. Amerika. Detroit, 24. Sept. (Privatmitth.) Ich weiß es sehr wohl, daß Sie in Ihrem Blatte jedes nähere Eingehen in örtliche und persönliche Zwistigkeiten möglichst vermeiden. Allein diesmal bezieht es sich auf in Ihrem Blatte befindliche Berichte, und so werden sie einer kurzen Bemerkung Raum gönnen. Die zwei Berichte in Ihrem geschätzten Blatte No. 83. über die erste im Juli hier abgehaltene Babdinioal Biterar^ A880ciation, gezeichnet F. u. M., ermangelte nicht, einigen Staub aufzuwirbeln. Ter Attikel gezeichnet F., scheint wohl in dem Redactionsbüreau Ihres Blattes einige Aenderung bezüglich der Arbeit -iy-in xb 'iSroin erlitten zu haben. Die .le^visb Tribuns, ein jüngst entstandenes Blättchen in St. Louis Mo., redigirt von den Revs. S. H. Sonnenschein und Ri. Spitz, drückte insbesondere ihren Aerger darüber aus. In No. 4. dieses Blattes geben jene Herren ihr Urtheil kurz und bündig über besagten Artikel dafür ab: „F. ist ein Flegel! und M. ein würdiger Mann." Bravo! Wer etwas schreibt, was dem „ehrwürdigen" Herrn Sonnenschein nicht paßt, ist ein Flegel. Wozu denn Redacteur sein, wenn man nicht den Flegel im Munde führen soll? Das ist die Logik und der Anstand der St.-Louis Bierhäuser. Der ehrwürdige 1)r. Hahn, der bei der jüngsten oben erwähnten Rabbinischen Bersammlung sich so sehr entschieden gegen den Gott Israels, die Bibel, den Talmud rc. ausgesprochen, hat sich schon eines Anderen besonnen. Der „American Israelite“ vom 17. dieses bringt seinen Artikel über Moses Maimons Theologie, worin er erkärt, Judenthum ist nicht blosder eine Gott, Menschheit, messianische Hoffnung rc., sondern Bibel, Talmud, Midraschim Schaaloth und Tschuboth und Casuisten... die Maximen der Halachah enthalten jedenfalls ebensoviel jüdische Philosophie" — — — Als Robespierre's Herrschaft in dem terrorisirten französischen Convent zu wanken begann, bestieg Barras, mit zwei Berichten in der Tasche, dem einen Berichte für, dem anderen gegen den Dictator die furchtbare Tribüne, bevor er zu sprechen begann, sah er sich in der Versammlung sorgfältig um, zog sie hierauf bedächtig hervor und verlas mit fester Stimme den feindseligen Bericht, und — der Dictator wurde gestürzt. Herr Dr. Hahn scheint so mit seinen Artikeln auf alle Fälle gefaßt zu sein. Wohin der Herr noch anlangen wird?... ..Consistency. thou art a jewel!“ Clevcland. O., im September (Privatmitth.) Jemehr die jüdische Bevölkerung in der Nordamerikanischen Union anwächst, so daß sie gegenwärtig der im deutschen Reiche fast gleichkommt, und je großartiger die Institutionen derselben werden, desto mehr muß sich wohl auch die öffentliche Aufmerksamkeit ihnen zuwcnden. Eins der bedeutendsten Institute ist das jüdische Waisenasyl in Cleveland, errichtet von den Bene Berith für drei Districte. Es enthält nach dem mir vorliegenden 12. Jahresbericht 232 Kinder, nämlich 138 Knaben und 94 Mädchen. Ich glaube nicht, daß eine gleich große jüdische Waisenanstalt in der Alten Welt existirt. Am Ende des Borjahres hatte cs 227 Kinder; im verflossenen Jahre verließen 39 die Anstalt und wurden dafür 44 ausgenommen. Bon jenen 39 hatten 35 den regelmäßigen Cursus der Anstalt beendet, 3 waren von ihren Bätern zurückgenommen und ein Mädchen wurde mit Zustimmung des Vaters dem Jdioten-Asyl übergeben. 57 dieser Kinder waren ganz Waisen, 163 halb Waisen und 12 hatten noch beide Eltern. Nach dem Lebensalter vertheilten sie sich vom 5>. bis zum 16. Jahre. Die Kinder genossen im verflossenen Jahre ebenso bester Gesundheit wie ihre geistigen Fortschritte und ihr sittliches Verhalten alles Lob verdienten. Die Kinder werden theils in der Anstalt selbst unterrichtet, theils besuchen sie die höheren Classen der öffentlichen Schulen. Der Bericht konnte sagen, daß glücklicher Weise der Tod die Schwelle des Asyls nicht überschritt und daß die Kinder so erzogen wurden, wie

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