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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-26 · Heft 43 (26.10.1880) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 43 (26.10.1880)
Date
1880-10-26
Page
Seite 677 (sequence 5)
Language
German
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_ 677 _ soll also entweder wirklich das bedeuten, was Hartmann verdunkelt als aufhellt. — Dies mußte ein so scharfer Dendarin findet, und dann ist sie, wie wir sahen, falsch und der ker wie Hartmann wohl erkennen, und darum geht er bald Religion willkürlich insinuirt — oder sie sollte nur im höcheinen Schritt weiter, der ihn uns aber auch sofort in Widersten Grade ausdrücken, sich Gott nahe und Gott uns nahe! spräche verfallen läßt. Dies ist, was wir in einem dritten zu fühlen — dann ist sie Phrase, die trotz ihrer scheinbaren > Artikel noch zeigen wollen. (Schluß folgt.) Einfachheit eher verwirrt als erklärt, den Gegenstand mehr! l't i w q m icicfi \'cv\. o öd Deutschland. Berlin, 18. Oct. (Privatmitth.) Ihre Besprechung der Hartmann'schcn Kritik über den modernen wissenschaftlichen Protestantismus erinnert um so mehr an die, in diesen Tagen hier abgehaltene Versammlung der „Freunde der positiven Union". In dieser Versammlung wurden die entschiedensten Berurtheilungen derselben christlichen wissenschaftlichen Theologie vom orthodoxen Standpunkte ausgesprocken, wie Hartmann von radikalem Gesichtspunkte ihr entgegentritt. Der Unterschied ist nur der, daß die Herren Pastoren der positiven Union nicht bei dem Kampfe im Geiste und durch das Wort stehen bleiben, sondern Resolutionen faßten, das Kirchenregiment auszufordern, die Männer der wistenschaftlichen Theologie nicht blos von der Kanzel, sondern auch vom Katheder, von den Lehrstühlen der Universitäten zu entfernen. Es steht also bereits wieder wie in den 40er und 50er Jahren, wo man hoffte, durch entschiedenes Drängen Wiffenschaft und Lehre unfrei zu machen, und hierdurch die „Wiedergeburt des deuffchen Volkes", wie Stöcker sagt, zu bewirken und auf diesem Wege „die Judenfrage zu lösen". Bemerkenswerth ist es, wie viel sich gegenwärtig die Pietisten mit den Juden beschäftigen, obschon man glauben sollte, daß sie in ihrer eigenen Kirche genug zu thun hätten. Tenn auch die anglikanische Kirche klagt bitter über die kirchliche Gleichgültigkeit, die sich des englischen Volkes bemächtigt habe, während sie selbst in ihrem Schooße von den kleinlichsten Streitigkeiten, z. B. um das Chorhemd bei der Predigt, bewegt wird. Es liegt mir Nr. 40 des „Neuen Zeitblattes für die Angelegenheiten der lutherischen Kirche" vor. Das Blättchen erscheint wöchentlich in einem halben Bogen, und doch füllt sie diesen zu einem großen Theile mit Besprechungen über die Juden (drei Artikel in Nr. 40), die sie nach der bekannten Schablone behandelt. Doch ist sie mit der Stöcker'schen Ansicht nicht in Uebereinstimmung, daß, wenn das deutsche Volk erst vollständig wieder strenggläubig und strengkirchlich geworden, die Juden zum Evangelium sich bekehren würden. Dieses Lockmittel wird wohl auf beiden Seilen nicht viel verfangen. — Die Leitartikel über die Frage: „Was ist fremd?" sind in der That abschließend und für Jeden überzeugend, der sich überzeugen lasten will. Es wäre höchst zweckmäßig, wenn dieselben — mit Auslastung des polemischen Theiles gegen die Brochüre von Bracke — von recht vielen Zeitungen verbreitet würden. Leipzig, 12. Oct. (Privatmitth.) Aus dem Protocoll- Auszuge des Ausschusses des deutsch-israelitischen Gemeindebundes von 11. Sept. und 5. Oct. ist hervorzuheben, daß der Ausschuß sich mit der Frage beschäftigte, was gegen die berüchtigte antisemitische Petition an den Reichskanzler zu thun wäre? Nachdem jedoch von bewährten Männern verschiedener Bezirke Berichte über die Stimmung hinsichtlich dieser Petition cingelaufen, beschloß man die Sache auf sich beruhen zu lassen. Ferner ist ein Uebereinkommen mit der Versicherungsgesellschaft Victoria zu Berlin getroffen, und beschloß man, den Bundesgemeindcn unter Bezugnahme, auf den vom 3. ordentlichen Gemeindetage gefaßten Beschluß mitzutheilen, daß die Victoria fichbereit erklärt hat, dem Gemeindebunde angehörigen, bei ihr sich Versichernden besondere Bortheile zu gewähren. Jeder, 8. October (Privatmitth.) Ihre Abfertigung des Pastors Brake in Oldenburg hat allgemein, in chrisllichen wie jüdischen Kreisen sehr befriedigt. Der gedachte Herr ist ein streitsüchtiger polternder Mann, der z. B. am 2. Sept. (zur Sedanfeier) von der Kanzel herab gegen unsere katholischen Mitbürger losdonnerte. Es erregte dies allgemeinen Unwillen, denn in unsrem Lande, wohin der Culturkampf nicht gedrungen, herrscht die beste Eintracht zwischen den Mitgliedern aller Coufessionen. Man wunderte sich daher auch nicht, daß derselbe Mann einen Vortrag, den er in orthodoxen Kreisen gegen die Juden gehalten, zu einer Brochüre erweitert, und einen gewissen Schein der Wistenschaftlichkeit vorgebend, veröffentlichte. Allein bei uns fand dieselbe kaum irgend welche Berücksichtigung und wer sie in die Hand nahm, verurtheilte sie. Als Beispiel citire ich Ihnen eine Stelle aus einem Artikel des „Bremer Courier", welchen auch andere hiesige Zeitungen nachdruckten. Es heißt darin: „Einer brieflichen Mittheilung zufolge hat ein Herr in Oldenburg es unternommen, wissenschaftlich nachzuweisen, daß unsere

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