Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1880)
- Date
- 1880-10-19
- Page
- Seite 668 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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668 strauß", in welchem viele Blumen enthüllen sind, die nicht verwelken werden. Die Ausstattung des Buches ist vortrefflich und macht der Ossicin der Gebrüder Bonn alle Ehre. — „Das Unterrichtswesen in Oesterreich unter Kaiser Josef H. Nach einer Darstellung von Jos. v. Sonnenfels von G. Wolf. Wien, 1880. Alfred Holder." Das Centenarium Josef EL, dieses auch für die österreichische und deutsche Judenheit überaus wichtigen Monarchen, steht bevor, und es ist daher natürlich, daß sich die Blicke wieder auf die Zeit desselben zurückwenden. Unsere Gegenwart ist von dem Triebe erfüllt. auf die Vergangenheit im Lichte der Wahrheit zu schauen, was sie gewesen, was sie gewollt und erreicht. Gerade diese Fragen drängen sich hinsichtlich Josef II., des vielgerühmten und vielgeschmähten, ganz besonders auf und H. G. Wolf ist einer derjenigen, welche zur genauen Kenntniß jener Epoche eifrigst beitragen. Bereits sind von ihm mehrere geschichtliche Schriften über Josef II. erschienen. Das Jntereffe, welches die vorliegende Schrift bietet, ist durch sich selbst klar. Sie behandelt die Volksschulen, Gymnasien, Universitäten und Lyceen. Keuilleton. Amatus Lusitanas (1511 1568) Eine biographische Studie. Wir haben vor Kurzem von einem unserer geschätzten Mitarbeiter die biographische Skizze eines jüdischen Arztes gebracht, der seine Religion verleugnete und ein schmähliches Ende fand, das nicht ganz unverdient scheint. Als Gegenstück bringen wir hier die Schilderung des Lebens eines anderen jüdischen Arztes, der mit der Treue gegen seine Religion eine unermüdliche Thätigkeit in seiner Wiffenschaft und > Kunst verband. Sie ist aus der Feder des Herrn Ernest! David und den Areh. isr. entnommen. Der Gegenstand der--! selben führte als Jude den Namen R. Chabib ha - Sephardi. > Amatus Lusitanus (Chabib), im Jahre 1511 in Castel! Branco in Portugal, in der Provinz Bcira') geboren, hattet den christlichen Namen loüo Rvdrigo «io Oasiel Branco er-, halten. Amatus (auf Hebräisch Chabib, französisch Aime, ist sein Familienname, aber sein hebräischer Borname ist nicht bekannt. Das Jahr seiner Geburt geht aus der Erklärung hervor, die er im Jahre 1558, als er 42 Jahre-) alt war,• ablegte. Seine Eltern waren Marranos, daß heißt Juden, welche,: um Portugal, ihre Hcimath, nicht zu verlaßen und aus Furcht vor der Inquisition, äußerlich alle Vorschriften des katholischen Cultus befolgten, aber im Geheimen sich zum Judenthume bekannten. Gerade diese Familien der Neuchristen (ehristianos nuovos) verfolgte die Inquisition mit dem heftigsten Eifer und der größten Grausamkeit. Amatus wurde also heimlich in der Religion seiner Väter erzogen, obgleich man ihn anscheinend die Rolle eines eifrigen Christen spielen ließ. Ties war geradezu Heuchelei; aber wer Anders war hieran Schuld, als das Unglück der Zeit, in der er lebte, und der schreckliche Zwang, den die Geistlichkeit auf das menschliche Gewiffen ausübte? . . . 1) Centuria, III; Curatio, 21. Amatus heißt dort: Ego Amatus. doct. med., Castelli albi Lusitanus. 2) Cf. Cent. IV.. Cur., 100, Aneonae 17 Kal. septembiüs 1553. et xctatis auctoris anno quadragesimo secundo. Amatus wurde auf die Universität von Salamanka geschickt, um dort Medicin zu studieren; er machte so schnelle Fortschritte und zeichnete sich dermaßen aus, daß er, obgleich noch sehr jung, den Preis in der Medicin davontrug.') Er war erst fünfzehn Jahr alt, als er einen Commentar zu den beiden ersten Büchern von Dioscorides-) schrieb, den er 1586 in Antwerpen unter dem Titel veröffentlichte: Exegomat a in priores duos Dioscoridis de Materia medica libros. Sobald er sein Toctorexamen gemacht, kehrte er in seine Heimath zurück, blieb dort aber nicht lange; einestheils trieb ihn der Wunsch die Welt zu sehen, und sich in der Fremde in seiner Kunst zu vervollkommnen; andererseits fürchtete er die Verfolgungen des schrecklichen Tribunals des heiligen Officiums, das vor Kurzem in Portugal gegründet worden. Nachdem er einige Zeit in Antwerpen geblieben, wo er, wie wir soeben gesehen, sich im Jahre 1536 befand, durchreiste er die Niederlande, Frankreich und Deutschland und hatte er Gelegenheit, Aussatzfälle zu heilen, welche nach ihm^) bei den Einwohnern dieser Länder sehr oft Vorkommen. In Venedig, wo er sich mehrere Monate aufhielt, behandelte er : eine Nichte des Papstes Julius III, die er heilte?) Er i machte dort die Bekanntschaft eines gelehrten spanischen Colleigen und Glaubensgenosien, Jacob Mantino'), welcher ihm ' 1) Cf. Cent., I., Cur.. 3. in Ücholiis. 2) Ibid. Nos qui abhinc quindecim annos conxmentariis; in Dioscoridem, etc. | 3) Cf. Cent, 11; Cur., 34: Sed hodie in Germania universa, j priecipue inferiori dicta, et universa Gallia passim, morbo est | mfectus, etc. I 4) Cf. Cent., II, Cur., 3. 5) Cf. Cent., I; Cur; 1; in 8choliis. — Confecevat nam opus hoc .Tacobus Mantinus. htebreus, vir multarum linguarum peritissimus. ac medicin«» doctissimus. . . nisi malus quidam genius eum a tarn felici successu retraxisset. Convocaveranx nam ego. quum Venetiis agerem ad hoc coniplendum opus. . . nisi patricius quidam Venetus Damascuni et Syriam petens. . . secum duxisset, a quo itinere Divus Didacus Mendocius, Caroli . apud Venetos orator. illum nunquam vetrahere potuit, ubi intra; paucos dies vitam cum morte commutavit. Jacob Mantino starb im Jahre 1549; er wurde 1490 zu Tor- . j rosa (Spanien) geboren. Es ist zu beklagen, daß seine moralischen I Eigenschaften seiner Gelehrsamkeit nicht gleich kamen.